Kleiderkammern voll

Preise für Altkleider im Werra-Meißner-Kreis sinken - DRK Witzenhausen verliert Stellplätze für Container

Sechs rot-weiße Altkleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes
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Ungewohnt: Die Altkleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes stehen in Witzenhausen ab sofort an neuen Standorten – so wie hier zwischen der DRK-Kreisverwaltung und dem DRK-Kindergarten Morgentau „Im kleinen Felde“ (im Hintergrund).

Viele nutzen ihre zusätzliche Freizeit, um Kleiderschränke auszusortieren. Das Resultat: Kleiderkammern sind voll, Preise sinken.

Werra-Meißner – Die Pandemie und die vermehrte Zeit daheim haben viele Menschen zum Aufräumen und Aussortieren genutzt. Das machte sich auch bei den Kleidersammelstellen des Familienzentrums Arche in Hessisch Lichtenau und bei „Eschwege hilft“ in der Kreisstadt bemerkbar.

„Im Sommer haben wir richtig viel und vor allem auch gute Sachen bekommen“, sagt Karl Montag, der die Initiative „Eschwege hilft“ mit gegründet hat. Auch bei der Arche machte es sich bemerkbar, dass viele Lichtenauer ihre Kleiderschränke aussortiert haben.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: Keine Lagerkapazitäten mehr

„Wir haben aber das Problem, dass wir keine Lagerkapazitäten haben“, erklärt Leiterin Rafaela Pax. Deswegen kann die Arche immer nur Kleidung annehmen, die für die aktuelle Saison passt. In Eschwege hat man zwar etwas Lagerfläche, „aber auch die ist inzwischen gefüllt“, berichtet Montag.

„Wir können zurzeit nichts annehmen, da ja auch nichts rausgeht.“ Durch den Lockdown sind die Kleiderausgaben der Arche und von „Eschwege hilft“ geschlossen. „Wir können nur für Notfälle etwas rausgeben“, sagt Karl Montag.

Von der Spendenmenge habe das Deutsche Rote Kreuz (DRK)sowohl in Witzenhausen als auch in Eschwege kaum eine Veränderung bemerkt. Allerdings macht sich die Pandemie bei der Verwertung bemerkbar.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: Preise sinken

„Deutschlandweit hatten die Weiterverwerter Probleme, was sich im Entgelt zeigt“, berichtet Thomas Wuth, Kreisgeschäftsführer der DRK Eschwege. Das bestätigt auch Susanne Matys-Olbrich vom DRK Witzenhausen: „Der Kilopreis wurde von 13 Cent auf 7 Cent gesenkt.“

Müll in Altkleidercontainer komme immer wieder vor, sei jetzt aber kein besonderes Problem, berichtet Wuth vom DRK Eschwege. In Witzenhausen würden zudem die Container wöchentlich geleert, damit nicht Kleidersäcke neben dem Container landen, aufgerissen werden und das Gebiet um die Container vermüllt wird.

Mit Müll in den Containern selbst habe man aber kein Problem, berichtet Matys-Olbrich vom DRK Witzenhausen.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: DRK unterhält 47 Altkleidercontainer

Das DRK Eschwege betreibt 14 Container, einen Kleiderladen und organisiert zwei Kleidersammlungen im Jahr. Aufgrund der Pandemie war 2020 nur eine Sammlung im Herbst möglich.

Dabei zeigten sich auch die Probleme der Verwerter, da sie erst sehr spät die Kleidung abholten. Im Nordkreis betreibt das DRK Witzenhausen 33 Altkleidercontainer und einen Kleiderladen. 2019 sammelten sie mit den Containern 147 000 Kilogramm Kleidung, 2020 waren es 154 000.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: DRK verliert Container-Stellplätze

„Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die ehrenamtliche Arbeit“, steht groß auf den rot-weißen Altkleidercontainern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu lesen, die bislang an elf Standorten im gesamten Stadtgebiet und auch in verschiedenen Stadtteilen zu finden waren. Doch damit ist jetzt Schluss:

Erstmals hatte die Stadtverwaltung die öffentlichen Containerplätze ausgeschrieben und zum 1. Januar an die Meistbietenden vergeben. Das DRK war nicht darunter.

„Für uns ist das eine schwierige Situation“, sagt Wolfgang Fischer, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Witzenhausen. Nachdem die Stadt die Containerplätze im September vergangenen Jahres fristgerecht zum 31. Dezember gekündigt und sich das DRK an der anschließenden Ausschreibung beteiligt hatte, war es mit seinem Gebot weit unter dem der kommerziellen Mitbieter geblieben.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis:

„Die Gebote waren teilweise so hoch, dass wir da einfach nicht mithalten konnten“, sagt Fischer. Das Problem: Sämtliche Einnahmen aus der Altkleidersammlung (in den vergangenen beiden Jahren immerhin jeweils rund 25 000 Euro) fließen komplett in die ehrenamtliche Arbeit der vier Ortsvereinigungen.

„Die Mitglieder dort müssen ihre Arbeit und alles, was sie dafür brauchen, schließlich selbst finanzieren“, so Fischer. „Wir benötigen Geld, um unsere Schutzausrüstungen wie Helme und Stiefel und sämtliche Bekleidungsstücke zu kaufen, aber auch für den Unterhalt der vereinseigenen Autos und für alle laufenden Kosten“, sagt Marcus Dölle, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Witzenhausen.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: Gesamtkosten von mehr als 100 000 Euro

Allein in seinem Ortsverein kämen so Kosten von rund 30 000 Euro pro Jahr zusammen. „Für alle vier Ortsvereine des Kreisverbandes belaufen sich die Gesamtkosten auf mehr als 100 000 Euro“, sagt Wolfgang Fischer.

Nachdem das DRK, das vor rund 30 Jahren als erste Institution überhaupt für die Stadt Witzenhausen eine Altkleidersammlung organisierte, in all den Jahren keine Stellplatzmiete für die insgesamt 18 Container zu zahlen brauchte, sei die Gefahr nun zu groß gewesen, am Ende kaum noch Geld daraus für das Ehrenamt übrig zu haben. „Deshalb haben wir uns entschieden, die Container vorerst auf unseren eigenen Liegenschaften aufzustellen“, sagt Wolfgang Fischer.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: Hoffen auf Mithilfe

Aktuell stehen sechs Container an der DRK-Kreisverwaltung Im kleinen Felde und jeweils drei an der Rettungswache, im Berlepsch-weg (Kindergarten Pusteblume) sowie in der Wickfeldtstraße (DRK-Seniorenzentrum). „Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn diese Plätze genauso gut angenommen werden wie die bisherigen“, hofft Fischer auf die Mithilfe aus der Bevölkerung.

„Allerdings sind wir jetzt auch auf der Suche nach privaten Grundstücken im Stadtgebiet und in den Stadtteilen, wo wir einige unserer Container aufstellen können“, so der Kreisverbandsvorsitzende.

Witzenhäuser, die ein solches Grundstück bereitstellen wollen, können sich per E-Mail an info@drk-wiz.de mit dem DRK in Verbindung setzen.

Altkleider im Werra-Meißner-Kreis: Verträge werden gekündigt

Die Stadt Witzenhausen hat für 16 Standorte mit 21 Altkleidercontainern beschlossen, die bestehenden Verträge zu kündigen und neu auszuschreiben.

Grund für die Entscheidung sei gewesen, dass die ehemaligen Verträge von 1998 und 2006 im Detail zu ungenau waren, wie Bürgermeister Daniel Herz auf Nachfrage berichtet. Die Firma TorunTEX habe nun für vier Jahre den Zuschlag erhalten. (Evelyn Ludolph, Per Schröter)

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