Töpfern, Imkern, Russisch lernen

Projekt „Lernort Dorf“ in Ziegenhagen will Entdeckerfreude von Kindern fördern

Ein Mann und ein Junge pflanzem Bäume in einem Wald
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Lernort Dorf: Sebastian Opitz und Sohn Oska Bender pflanzen am Ortsrand von Ziegenhagen Douglasien und Lärchen.

Frei und mit Spaß lernen und neue Talente entdecken - Um Kindern das zu ermöglichen, gibt es das Projekt „Lernort Dorf“ in Ziegenhagen. Kurz nach der Gründung kam Corona.

Ziegenhagen – Der eigenen Entdeckerfreude folgen, Vorbilder finden und den entspannten Umgang mit Konflikten einüben: Das will das Ziegenhagener Projekt „Lernort Dorf“ Kindern ermöglichen. Kurz nachdem sich die Initiative im vergangenen Jahr zusammenfand, brach allerdings die Pandemie aus.

„Der Schulunterricht folgt den Lehrplänen; da gibt es wenig Raum für Spontanität und selbstbestimmtes Lernen“, bedauert Lehrerin Stephanie Richter, eine der beiden Projektkoordinatorinnen.

„Mit der Corona-Krise ist es schlimmer geworden“, sagt Hirnforscher Gerald Hüther aus dem nahen Witzenhausen, der die Projektmacher berät. Die Kinder, so Hüther, säßen noch länger als sonst vor dem Computer. Sie dürften nun nicht einmal mehr in ihrer Freizeit sorglos spielen und müssten im Miteinander – ganz gegen ihre Natur – Abstand halten.

„Lernort Dorf“ Ziegenhagen: Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Richter und die andere Ansprechpartnerin des Projekts, Natur- und Umweltpädagogin Karin Schulze, wollen eine Alternative aufzeigen. Viele Menschen im Dorf unterstützen das Projekt, teilen ihre Fähigkeiten und Talente mit anderen – Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen.

Bei Anja Radau, die einen Cateringbetrieb führt, können Interessierte kochen lernen. Es gibt ein Angebot zum Einwecken und zur Vorratshaltung.

Künstler Andreas Büttner zeigt das Modellieren mit Ton. Wer möchte, lernt Russisch und Chinesisch, entdeckt seine Leidenschaft für Mathematik, gärtnert oder imkert. Auf dem Programm stehen auch Theater spielen und Texte entwerfen in der Schreibwerkstatt. Wenn sich genügend Interessierte finden, kommt ein Orchester zustande.

„Lernort Dorf“ Ziegenhagen: Mit Tieren und Pflanzen

Pferdehändler Erich Völlner stellt seine Tiere für einen Ritt durchs Dorf zur Verfügung. Andere vermitteln alles, was es über Schafe und Ziegen zu lernen gibt. „Eine Gruppe Kinder zieht gerade Hühnerküken auf“, erzählt Richter.

Um den Valentinstag herum, als Ziegenhagen unter einer dicken Schneedecke lag, brachten die Förster Vincenz und Marco Ehrhardt Naturfreunden die Birkenschneesaat nahe. Die Ziegenhagener mischten Birkensamen mit Sand und streuten alles auf den großen Brachflächen im Wald aus.

Die schnell wachsenden Birken sollen das Wuchern von Brombeeren verhindern. Anfang März organisierte der Lernort zusammen mit Ehrhardts eine weitere Aufforstungsaktion. Bürger pflanzten Douglasien und Lärchen. Mit dabei waren Sebastian Opitz und sein Sohn Oska Bender.

„Lernort Dorf“ Ziegenhagen: Wurzeln in Arbeitsgemeinschaft für Nachhaltigkeit

Rund 20 Kinder freuen sich auf die Angebote. „Der Aufbau der Kontakte zu den Jugendlichen gestaltet sich schwieriger“, erzählt Projektkoordinatorin Schulze. Ein Teenager hat sich jedoch bereit erklärt, die Homepage des Projekts zu gestalten.

Das Projekt, das von Ortsvorsteher Manfred Harbusch unterstützt wird, hat seine Wurzeln in der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltiges Ziegenhagen. Sie ist im Zuge des Programms „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ entstanden, das vor ein paar Jahren vom Bund gefördert worden ist. (Michael Caspar)

Kontakt: lernort.dorf@mail.de

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