Prozess wegen versuchten Mordes: „Ich bin als Metzger das Töten gewöhnt“

Werleshausen/ Kassel. Von den Aussagen der ermittelnden Kripobeamten aus dem Werra-Meißner-Kreis war der dritte Prozesstag wegen der Mordattacke von Werleshausen am Montag geprägt.

Außerdem sagte eine Spezialistin der Polizeidirektion Nordhessen vor dem Landgericht Kassel aus. „Ich bin Metzger, da bin ich das Töten gewöhnt.“ Diesen Satz habe der 34-jährige Angeklagte aus Stuhr bei Bremen bei seiner Vernehmung gesagt, schilderte einer der Beamten. Der erfahrene Ermittler: „Das war genau das, was mir wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben wird.“

Anfang Mai 2014 hatte der Angeklagte, der sich im Internet selbst als „Gesetzloser“ bezeichnete, einen jetzt 27-jährigen Werleshäuser mit einem Messer schwer und dessen 26-jährigen Freund leicht verletzt. Der Ex-Geliebte des jüngeren, in Göttingen lebenden Mannes hatte den Auftrag für den Mordversuch erteilt.

Zweimal durchsuchte die Polizei die Wohnung des in Rosenheim lebenden 23-Jährigen, der sich seit Dezember wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht verantworten muss. Dabei stellte sie zwei Laptops, ein GPS-Gerät, zahlreiche USB-Sticks, allein fünf Handys und mehrere SIM-Karten sowie weitere Datenträger sicher. Doch die SIM-Karte, mittels der er mit dem gelernten Metzger kommunizierte, den er mit dem Mord beauftragt hatte, fand die Polizei nicht. Die war im Saum einer Gardine im Zimmer des jungen Mannes in der mütterlichen Wohnung in Rosenheim mit Nadeln festgeheftet.

Dass er nach seiner Festnahme dieses Versteck und damit über die gespeicherte Telefonnummer die Identität des Angreifers preisgab, das könne dem jüngeren Angeklagten strafmildernd angerechnet werden. Darauf verwies Richter Volker Mütze. „Da kann man von halten, was man will, aber der Gesetzgeber hat diesen Petzer-Paragraf eingeführt.“

Der 34-jährige Angeklagte hatte sich gegenüber dem später schwer verletzten Opfer als Mitarbeiter des Jobcenters ausgegeben und so Kontakt aufgenommen. Das war eine Idee des Mordauftraggebers, der laut Kripo seinerseits beim Jobcenter in Rosenheim arbeitete und im Internet damit geprahlt hatte, dass er bundesweit an alle Daten von Hartz-IV-Empfängern kommen könne. So auch an die des damals arbeitslosen Werleshäusers.

Den Opfern der Messerattacke machten am Montag die Anwälte der Angeklagten das Angebot, über Schmerzensgeld-Zahlungen ins Gespräch zu kommen. Beide Angeklagte seien bereit, allerdings, auch das wurde von den Anwälten gesagt, hierzu zurzeit finanziell nicht in der Lage. Doch werde zumindest in der Familie des Rosenheimers zurzeit versucht, über ein Darlehen einen „angemessenen Betrag“ zu organisieren. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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