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Rabe-Brüder spucken Kirschsteine am weitesten

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Ungeschlagen: Till Rabe sicherte sich die Deutsche Meisterschaft mit 18,2 Metern.
Ungeschlagen: Till Rabe sicherte sich die Deutsche Meisterschaft mit 18,2 Metern. © Woltmann, Hendric

Nach zwei Jahren fand am Wochenende wieder eine Kesperkirmes in Witzenhausen statt. Mit im Programm: das traditionelle Kinderfest und die Meisterschaften im Kirschstein-Spucken.

Witzenhausen – P, T und K – Wenn Gardis von Gersdorff diese Konsonanten vor sich hin spricht, wenn sie unterwegs ist, dann heißt das: Die Kesperkirmes und mit ihr die Deutschen Meisterschaften im Kirschsteinspucken sind nicht fern.

Am Samstag war es nach zweijähriger, corona-bedingter Pause endlich wieder soweit: Am neuen Festort, dem Stadtpark, wurde wieder das Traditionsfest bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein gefeiert.

Für Gardis von Gersdorff, bis Samstag amtierende Vize-Meisterin im Kirschsteinspucken, hieß das: Durch das schnelle, wiederholte Aussprechen der Konsonanten im Vorfeld das Zwerchfell zu trainieren. Ein gutes Lungenvolumen sei auch von Vorteil, um weit zu spucken, erklärte sie.

Die Meisterschaften

An den Start gingen bei den deutschen Meisterschaften im Kirschsteinspucken insgesamt 37 Frauen und Männer. Weniger als bei den Meisterschaften in den vergangenen Jahren, wofür Gardis von Gersdorff eine mögliche Erklärung hat: „Den Wettkampf kann man im Vergleich zu früher nicht so gut von Außen sehen.“ Findet doch das Kirschsteinspucken normalerweise auf dem aktuell im Umbau befindlichen Marktplatz statt, wo etliche Teilnehmer spontan hinzustießen.

Zu einer kleinen Panne kam es bei der Verkündung der Sieger. So vergaß das neue Kampfrichterteam, dass die fünf Besten der Vorrunde im Stechen den deutschen Meister ausspucken. „Wir geloben Besserung, auch wir müssen uns wieder einspielen“, entschuldigte sich Christian Orth bei allen Beteiligten. Für den Kasseler Thomas Kochel hieß das: noch einmal vom Heimweg umkehren und weiterspucken. Seit 2015 kommt er jedes Jahr zum Kirschsteinspucken nach Witzenhausen. Im Fernsehen erfuhr er von der Meisterschaft: „Ich dachte mir, Spucken, das mach ich oft und gut, da muss ich mitmachen.“

Schlussendlich war der verfrüht angekündigte Gewinner dann auch der Sieger. Till Rabe setzte sich im Stechen mit einer Weite von 18,2 Metern durch. Ihm folgten Andreas Henning und Andreas Eule.

Deutsche Meisterin bei den Frauen wurde Nina Schmidt mit einer Weite von 14,35 Metern – dicht gefolgt von Imke von Gersdorff und Laura Kühn auf den Plätzen zwei und drei. In die Nähe des Weltrekords von mehr als 22 Metern kam keiner am Samstagnachmittag. Grund dafür waren laut Till Rabe auch die „Sportgeräte“: „Die Kirschsteine sind dieses Jahr nicht so rund, wie wir sie am liebsten haben.“ Je runder die Steine sind, desto weiter und länger rollen sie am Ende auf der Bahn weiter. Gemessen wird nicht, wo der Kirschstein aufkommt, sondern, wo er am Ende liegen bleibt.

Über die Spucktechnik gibt es laut Till Rabe kein richtig oder falsch: „Ich rolle meine Zunge immer zusammen, viele andere Gute machen das aber nicht.“ Viel wichtiger sei, dass man so gut wie möglich Druck hinter den Kirschstein bekomme.

Nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder spuckten eifrig, sie waren am Samstagvormittag dran – so wie Liam Randun: „Es macht Spaß, die Sportart ist lustig.“ Für die ganz jungen Teilnehmer bestand schon die erste Herausforderung vor dem eigentlichen Spucken darin, den Kirschstein beim Abknabbern des Fruchtfleisches nicht mit runterzuschlucken. So passierte es Karoline Linnenkohl. Mit einem leichten Schmunzeln gab Moderator Tim Behnke dem Mädchen eine neue Kirsche in die Hand.

„Die Kirschen haben sehr gut geschmeckt, sie waren süß, aber nicht zu süß, nicht watschelig, aber auch nicht zu fest“, sagte Caroline Bohne, die zweite bei den Kirschspuckmeisterschaften geworden ist. Auf dem dritten Platz der jungen Meisterschafts-Teilnehmer landete Cuinn Stassen. Den Kinder-Sieger stellte wie bei den Erwachsenen ein Mitglied der Rabe-Familie. Theo Rabe, der jüngere Bruder von Till, spuckte seinen Kirschstein 11,49 Meter weit. Und das, ohne in diesem Jahr im Vorfeld groß geübt zu haben. „Normalerweise gehen ich und mein Bruder mit Kirschen auf die Straße und trainieren ein bisschen vor der Kirmes, aber dieses Mal haben wir es verpeilt.“

Im Mannschaftswettbewerb gewann das vorher schon hochgehandelte Team „Kesperletheater“ mit Nina, Till, Gardis, Imke und Ole, von denen nicht alle ihren Familiennamen nennen wollten. Aufs Sieger-Treppchen ging es auch für die „Weißbacher Schäfchen“ und die Gruppe „Kesperlamas“.

Kinderfest

Nur noch zwei Holzklötzchen blieben stehen, nachdem Maximilian Schweizer sich an der aus seiner Sicht „coolsten Station“ des Kinderfestes versucht hatte. „Es macht richtig viel Spaß“, betonte er.

Diese „coolste Station“ war das  Pendelspiel vom Technischen Hilfswerk (THW) Unterrieden. „Das Spiel wird immer super angenommen, weil es so simpel ist und gleichzeitig Spaß macht“, sagte Lennard Stecht vom THW. Für die Mädchen war das Fotoshooting als Kirschenkönigin oder -prinzessin mit Kleid, Krone, Diadem und Thron der Renner. Aber auch das Kinderschminken war hoch begehrt: Der anfangs skeptisch schauenden Alena Mert malte Tarah Fahrenbach einen Maikäfer auf die Hand: „Weißt du, dass der Maikäfer einem Glück bringen soll?“, fragte die ehemalige Kirschenkönigin das Mädchen, das daraufhin zufrieden die Station verließ. „Ich bin positiv angetan, ich schaue in viele strahlende Gesichter, man bekommt viel zurück“, sagte Fahrenbach. Von den ehemaligen Kirschenköniginnen und -prinzessinnen gab es am Samstagvormittag noch zwei weitere Stationen: der heiße Draht und Ball pusten mit einem Strohhalm. Die Feuerwehr komplettierte das Kinderfestprogramm im Stadtpark. „Die meisten finden es super und hatten richtig viel Spaß“, sagte Eike Gottschalk von der Jugendfeuerwehr aus Witzenhausen. Die Kinder konnten im Duell gegeneinander antreten. Wer nach drei Minuten mehr Wasser per Strahlrohr über einen Parcours in einen Eimer beförderte, hatte gewonnen.

Auch Eltern und Kindern von Außerhalb zeigten sich begeistert vom Kesperkirmessamstag. So etwa Evy Westphal aus der Nähe von Berlin: „Wir sind gerade zur Kur in Bad Sooden-Allendorf und jetzt haben wir das Glück, ein Foto mit der Kirschenkönigin machen zu können.“ (Hendric Woltmann)

Einmal Königin sein: Ganz als Majestät durfte sich Anna Westphal mit ihrer Mama Evy als ihrer Prinzessin fühlen.
Einmal Königin sein: Ganz als Majestät durfte sich Anna Westphal mit ihrer Mama Evy als ihrer Prinzessin fühlen. © Woltmann, Hendric
Knifflig: Beim Kinderfest versucht Yuean Wang, den Tischtennisball in das Loch zu pusten.
Knifflig: Beim Kinderfest versucht Yuean Wang, den Tischtennisball in das Loch zu pusten. © Woltmann, Hendric
Über ein Bild mit den Kirschmajestäten freuten sich Antonina Salminor mit Leyla (von links) sowie Prinzessin Samira, Thronfolgerin Michelle und Kirschenkönigin Stina I.
Über ein Bild mit den Kirschmajestäten freuten sich Antonina Salminor mit Leyla (von links) sowie Prinzessin Samira, Thronfolgerin Michelle und Kirschenkönigin Stina I. © Hendric Woltmann

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