Stadtparlament stimmte für Neubau

Rettungswache in Witzenhausen wird zur Kindertagesstätte

+
Hier sollen bald Kinder spielen: Wenn die Rettungswache an den neuen Standort an der B 80 gezogen ist, soll auf dem DRK-Gelände „Im kleinen Felde“ eine Kita mit vier Gruppen eingerichtet werden. Die Stahlbauhalle hinten wird zugunsten eines Anbaus demontiert. 

Witzenhausen. Der Weg für eine neue Kindertagesstätte in Witzenhausen ist frei.

Die Stadtverordneten stimmten am Dienstag dem Vorschlag der Verwaltung zu, mit dem DRK-Kreisverband Witzenhausen einen Bau- und Betriebsvertrag zu schließen.

Die Pläne des DRK

Das DRK verpflichtet sich, die Kita mit vier Gruppen auf dem Gelände der Rettungswache „Im Kleinen Felde“ zu bauen, sobald die Rettungswagen im April oder Mai 2019 in die neue Wache an der B80 umgezogen sind. Dann soll laut DRK-Kreisgeschäftsführer Erich Reiser die Stahlbauhalle demontiert und ein Anbau an das Haus der Rettungswache gebaut werden. 

Zum 1. August 2020 soll die Kita ihren Betrieb aufnehmen. 20 Arbeitsplätze sollen laut Reiser entstehen. Die Baukosten werden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt, Fördermittel in Höhe von 640.000 Euro werden beantragt, sodass das DRK selbst 1,9 Millionen Euro aufbringen muss.

Im Gegenzug für die Investitionen des DRK übernimmt die Stadt 30 Jahre lang die Betriebskosten – was etwa 520.000 Euro pro Jahr ausmachen wird: 400.000 Euro für die laufenden Kosten für Personal und Verbrauch, 90.000 Euro Abschreibungen für die Baukosten.

Die Debatte im Parlament

Dieser Passus sorgte für Widerstand bei CDU-Mann Magnus Schmagold, der zunächst gegen den Willen von CDU-Fraktionschef Andreas Gerstenberg erfolglos beantragte, den Tagesordnungspunkt wegen weiteren Informationsbedarfs zu verschieben. In der Debatte kritisierte Schmagold die hohen Kosten, zu deren Übernahme sich die Stadt für drei Jahrzehnte verpflichtet, ohne abschätzen zu können, ob der Bedarf an Kita-Plätzen so hoch bleibe wie derzeit.

 „Bis 2049 müssten wir über 15 Millionen Euro zahlen!“, gab Schmagold zu Bedenken – ohne jedoch drauf hinzuweisen, dass die Stadt ähnliche Kosten auch für einen Kindergarten in städtischer Trägerschaft aufbringen müsste. Zudem hält Schmagold den Standort am südlichen Ortsrand für ungeeignet, weil man ihn zu Fuß schlecht erreichen kann. 

Er forderte eine breite öffentliche Debatte über „eine der wichtigsten Entscheidungen der vergangenen Jahre“. Auch Dr. Christian Platner (AfW) wollte nicht „dem erstbesten Sozialkonzern den Zuschlag geben“, sondern in Ruhe nach der Ideallösung suchen.

Die Position der Stadt

Bürgermeister Daniel Herz wies die Kritik zurück: Die Verwaltung habe im Vorfeld die Alternativen gründlich geprüft und auch mit anderen Trägern, darunter die evangelische Kirche und dem Trägerverein des Waldorf-Kindergartens, gesprochen. 

Allerdings steht die Stadt unter Zeitdruck: In zwei Jahren muss sie dem Werra-Meißner-Kreis eine neue Einrichtung vorweisen können. Gleichzeitig läuft die Genehmigung der Zusatzgruppe „Gelsterfrösche“ in der ehemaligen Steintorschule aus. „Wir können den Bau einer neuen Kita aktuell nicht selbst finanzieren – und selbst wenn, haben wir kein geeignetes Grundstück“, betonte Herz. Das DRK sei mit der Kita am Berlepschweg bereits ein zuverlässiger Partner in Sachen Kinderbetreuung.

Das sahen auch die meisten Stadtverordneten so: 22 stimmten für den Vertrag mit dem DRK, Schmagold, ein weiterer CDU-Mann und die FWG votierten dagegen. Drei Mitglieder der CDU-Fraktion enthielten sich.

Hintergrund: Fast alle Kita-Plätze sind vergeben

Mehr als 650 Kinder besuchen derzeit eine der 13 Kindertageseinrichtungen im Witzenhäuser Stadtgebiet. Sieben Kitas werden von freien Trägern betrieben. 

Es gibt lange Wartelisten, kritisiert der Landkreis. Es gibt aktuell noch vier freie Plätze in Hundelshausen für Kinder über drei Jahren“, sagt Hauptamtsleiter Michael Zimmermann. Das seien Not-Plätze, falls während des Kindergartenjahrs noch Familien ins Stadtgebiet ziehen. Da es aktuell viele Geburten gibt, sei der Bedarf an Kita-Plätzen auch für die kommenden Jahre hoch. 

Auffällig sei, dass viel mehr Eltern ihren Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr in Anspruch nehmen als von der (Bundes-)Politik lange gedacht, sagt Zimmermann. „Bei uns waren das von Anfang an mehr als die Hälfte der Eltern.“ Jetzt fehlen vor allem Krippenplätze. Und übrigens, fügt Zimmermann an, werden die meisten Kinder mit dem Auto zur Kita gebracht. „Die allerwenigsten laufen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.