Auf Spurensuche

Erinnerung an alte Zeiten: Reuters Aussiedlerhof als kleiner Ortsteil

Neuer alter Ortsteil: Vor seinen Aussiedlerhof hat Frank Reuter das Ortsschild „Betzenrode“ gestellt, das an eine ehemalige Wüstung erinnert. Foto: Röß

Fürstenhagen. Kennt eigentlich jemand Betzenrode? Wohl kaum. Kein Wunder, denn den Ort gibt es noch gar nicht so lange, oder vielleicht doch?

Mit dem Finger auf der Landkarte sucht man Betzenrode jedenfalls vergebens. Doch dass es ihn gibt, beweist das Ortsschild, wie auf dem Foto zu sehen. Schön, und wer kennt nun Betzenrode und weiß vielleicht auch noch, wo’s liegt?

Das Schild auf dem Foto ist jedenfalls eine große Hilfe: Demzufolge liegt Betzenrode im Werra-Meißner-Kreis, ist auf dem Gebiet der Stadt Hessisch Lichtenau angesiedelt und muss unmittelbar in Fürstenhagen zu finden sein. Doch wo da?

Wer sich einmal in dem größten Stadtteil von Hessisch Lichtenau abseits der Hauptstraßen auf dem Struthweg in südlicher Richtung in die Feldflur begibt, wird schließlich fündig: Betzenrode, in großen Lettern auf gelbfarbenem Grund, eben ein Ortsschild wie üblich.

Na gut, der Ort ist schon mal gefunden. Doch wie viel Einwohner hat er. Frank Reuter verrät es, wenn man das Glück hat, ihn dort anzutreffen. „Zwei“ könnte dann die Antwort kurz und bündig ausfallen, nämlich seine Ehefrau Heike und er selbst. Hinzu kommen noch drei Arbeitskräfte, zumindest tagsüber. Doch bei der Anzahl der Tiere sieht die Bilanz schon anders aus: 410 Schweine, davon 50 Zuchtsauen, 120 Rinder, zwei Pferde und Hund Sam machen deutlich, dass es in Betzenrode ganz schön lebhaft zugeht. Und damit wird klar: Betzenrode beschränkt sich auf den Aussiedlerhof des Ehepaares Reuter mit Wohnhaus und Stallungen.

Auf die Frage, wie lange es Betzenrode schon gibt, wird’s historisch. Unter dem Ortsschild hat Reuter nämlich ein zweites kleines Schild angebracht, auf dem zu lesen steht: Aus den Wüstungen Fischbach, Bezzerode = (Betzenrode) und vielleicht Hollenbach entstand im Jahre 1312 wohl der Name Vorstenhagen später Fürstenhayn und schließlich Fürstenhagen. Betzenrode/Fürstenhagen Mai 2012.

Mit dem letzten Hinweis schließt sich der Kreis: Als Fürstenhagen 2012 seine 700-Jahr-Feier hatte, war Reuter, Vorsitzender des Festausschusses, auf die Idee gekommen, die Namen der Wüstungen im Umkreis des Ortes mit dem Ortsschild und dem Zusatzschild in Erinnerung zu halten.

In der Festschrift zur 700-Jahr-Feier von Fürstenhagen ist nachzulesen, dass im Kataster von 1774 ein „Betzenroder Weg“ aufgeführt ist, der aus Fürstenhagen heraus in Richtung Süden führte. Nördlich des Nachbarortes Günsterode lag die Wüstung „Betzigerode“, die dem Weg den Namen gab. Es liegt nahe, dass es sich dabei um den Weg von damals handelt, und so liegt Reuters Hof auch 2015 am Betzenroder Weg. (zlr)

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