Debatte im Entwicklungsausschuss

Junge Gründer: Schlechte Chancen für Innovationszentrum in Witzenhausen

Ein Schild zum Gründerzentrum wird am Rathaus wohl weiter fehlen: Die große Koalition machte im Stadtentwicklungsausschuss deutlich, dass sie der Stadt keine weiteren Dauerkosten aufladen will.
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Ein Schild zum Gründerzentrum wird am Rathaus wohl weiter fehlen: Die große Koalition machte im Stadtentwicklungsausschuss deutlich, dass sie der Stadt keine weiteren Dauerkosten aufladen will.

Ein Gründerzentrum, in dem junge Leute gemeinsam an ihren Geschäftsideen arbeiten und sich austauschen können, wird es vermutlich in Witzenhausen nicht so schnell geben.

Witzenhausen – Die Chancen für ein Gründerzentrum unter Federführung der Stadt Witzenhausen sind schlecht: Nach lebhafter Debatte lehnte der Stadtentwicklungsausschuss jetzt mit der Mehrheit von SPD und CDU einen entsprechenden Antrag von der Bunten Liste (BL) ab. In der Sitzung der Stadtverordneten am Dienstag, 15. Juni, steht das Thema ab 19 Uhr in der Turnhalle Südbahnhofstraße wieder auf der Agenda – eine Meinungsänderung bei der Koalition ist nicht in Sicht.

Dabei haben mehrere Experten die Einrichtung eines Gründerzentrums in Witzenhausen empfohlen – etwa eine Forschungsgruppe des Kasseler Stadtplaners Prof. Dr. Ulf Hahne, die das 2018 städtischen Gremien präsentierte. Dr. Lars Kleeberg (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner) macht sich seit Langem dafür stark, ebenso Landrat Stefan Reuß (SPD) und Vize Dr. Rainer Wallmann (Grüne) kürzlich bei einer Online-Diskussionsrunde über lokale Wirtschaft, berichtete Dr. Christian Platner (BL).

Seine Fraktion wollte bereits in der vergangenen Legislaturperiode den Magistrat mit einem Konzept für ein Innovationszentrum beauftragen. Es könnte im Gebäude „Walburger Straße 2“ am Rathaus eingerichtet werden, wo sich bereits das Bürgerbüro befindet. Auch andere Räume in der Innenstadt seien denkbar. Die BL will so den Austausch zwischen Freiberuflern und Selbstständigen sowie einen engen Kontakt von Firmengründern zur Verwaltung fördern und das Ganze durch das laufende Programm „Wirtschaftsförderung 4.0“ unterstützen.

Tatsächlich gibt es hier viele Jungunternehmer: Laut Dr. Sonja Biewer, Gründungsberaterin der Universität Kassel, haben Absolventen des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaft mindestens 75 Firmen in der Region aufgebaut. Beim jährlichen Gründerwettbewerb Unikat war der Fachbereich seit 2009 stets unter den Siegern. Hannelore Erfurth (Grüne) schlug vor, das Zentrum über das hessische Programm „Zukunft Innenstadt“ zu finanzieren, das Stadtentwicklungsprojekte mit bis zu 90 Prozent fördert. Auch die WI-Bank bietet Förderprogramme für Gründerzentren an.

Doch die Koalition will sich auf das geplante Mehrgenerationenhaus konzentrieren, das derzeit konzipiert wird, so SPD-Fraktionschef Lukas Sittel. Er warnte, dass sich die Stadt mit einer weiteren Immobilie über Jahre zusätzliche Kosten aufhalsen würde. Mehreinnahmen durch junge Gründer sieht er nicht, da erst ab einem höheren Umsatz Gewerbesteuern gezahlt werden müssten. Das sah Stephan Brübach (CDU) genauso. Peter Schill (SPD) und Bürgermeister Daniel Herz (parteilos) waren sich einig, dass ein Gründerzentrum nicht Aufgabe der Stadt sei, sondern von Privatleuten, Vereinen oder Institutionen gestemmt werden müsste. (Friederike Steensen)

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