Nur an geschützten Standorten war der Ertrag gut

Schlechteste Kirschernte: Frost im Werratal sorgte für 80 Prozent Verlust

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Das sah es für die Kirschenernte noch gut aus: Obstanbau-Experte Eberhard Walther begutachtete Anfang April die Blüten, die sich in diesem Jahr sehr früh öffneten.

Witzenhausen. Die Kirschenernte im Werratal rund um Witzenhausen war in diesem Jahr so schlecht, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

So schlecht ist die Kirschenernte im traditionellen Anbaugebiet im Werratal und Umgebung rund um Witzenhausen wohl seit Jahrzehnten nicht ausgefallen: Von einem Fünftel bis einem Viertel einer normalen Ernte im Durchschnitt spricht Obstanbau-Experte Eberhard Walther vom Landesbetrieb Landwirtschaft in Kassel.

Und Vorstand Martin Held von der Absatzgenossenschaft Unterrieden (Agu), deren wichtigstes Handelsgut die Kirsche von heimischen Erzeugern ist, vermeldet sogar „keine Lieferung“ durch die Mitglieder. In diesem Jahr sei gar kein Geschäft mit Süßkirschen zu machen gewesen. Held: „Es ist alles erfroren.“ Und bei den Sauerkirschen habe es nur eine „verschwindend geringe Menge“ gegeben.

Strenger Nachtfrost am 20. April

Die „weit unterdurchschnittlichen Erträge“ sind dem strengen Nachtfrost geschuldet, der in der Nacht zum 20. April ausgerechnet die Vollblüte der Süßkirsch-Sorten erwischte, sagt Diplom-Agraringenieur Walther. Zumeist habe es die Plantagen komplett betroffen, was teilweise sogar zu Totalausfall führte. An eine so schlechte Ernte kann sich der Experte auf Jahrzehnte rückblickend gar nicht erinnern.

Lediglich an einigen geschützten Standorten ohne Frost habe es diesmal noch eine gute Ernte der roten Früchte gegeben. Die Temperaturen von bis zu minus 6 Grad Celsius hätten sich auch auf viele Pflaumen und Apfelsorten ausgewirkt. Heftig habe es auch die Sauerkirschen betroffen, weiß Walther von „sehr starken Ernteausfällen“.

Hagel Ende Mai

Was dann doch noch an den Kirschbäumen hing, das sei Ende Mai von Hagel erschlagen worden, ergänzt Martin Held von der Agu. Die Reste zu pflücken, hätte sich nicht gelohnt. Daran hätten sich auch noch die Stare gütlich getan, hat der Unterriedener Harald Ludwig mit Unmut beobachtet.

In der Folge der geringen Mengen waren die Früchte entsprechend teuer: Im Endverkauf kostete das Kilo Süßkirschen laut Walther fünf bis sechs Euro.

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