DRK muss Schutz des seltenen Reptils prüfen lassen

Schlingnatter verzögert Bau der Rettungswache in Witzenhausen

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Seltene Tiere: Schlingnattern werden bis zu 80 Zentimeter lang. Für den Menschen sind die Reptilien ungefährlich. Unser bild zeigt zwei Exemplare, die 2012 bei Hessisch Lichtenau gefunden wurden.

Witzenhausen. Eigentlich sollten ab Sommer die Bagger rollen, aber jetzt könnte sich der Bau der DRK-Rettungswache nahe der Bundesstraße 80 in Witzenhausen deutlich verzögern.

Auf dem Areal zwischen HEM-Tankstelle und der Straße „Unter den Brückenbergen“ ist eine Schlingnatter gesichtet worden, die unter Naturschutz steht.

Nachdem sie von der Sichtung einer Schlingnatter erfuhr, hat die beim Landkreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde (UNB) den DRK-Kreisverband Witzenhausen aufgefordert, artenschutzrechtliche Belange prüfen zu lassen. Vorher kann die Baugenehmigung nicht erteilt werden. „Wir rechnen mit mehreren Monaten Verzögerung“, so DRK-Kreisvorsitzender Jürgen Vogelei. Dabei habe man schon mit den Ausschreibungen begonnen, der Bauantrag liegt seit dem 26. April beim Kreis.

„In der Regel dauert die Bearbeitung eines Bauantrags maximal drei Monate“, so Kreissprecher Jörg Klinge. Wie groß die Verzögerung wegen der Natter wird, sei noch offen. Nach Rücksprache mit der UNB gibt er sich aber zuversichtlich, dass die Rettungswache nicht grundsätzlich gefährdet ist. Es sei gut, wenn man Artenschutz-Belange früh klären kann. „Dann kann man gleich in der Baugenehmigung Vorgaben für die Gestaltung des Geländes machen.“ Reptilienexperte Harald Nicolay (Hann. Münden) hält die Sichtung für glaubhaft. Er hat mit dem Melder der Schlingnatter gesprochen und schreibt in seiner Stellungnahme, die er für ein vom DRK beauftragtes Planungsbüro verfasst hat und die unserer Zeitung vorliegt: „Die örtlichen Begebenheiten decken sich besonders gut mit den spezifischen Habitatansprüchen der ungiftigen Natter.“

Der DRK-Kreisverband wollte ursprünglich die neue Rettungswache im Spätherbst in Betrieb nehmen. Er investiert 1,5 Millionen Euro in den Stützpunkt für acht Krankenwagen und einen Notarztwagen. 50 Mitarbeiter sollen hier arbeiten. 

Hintergrund: Art gilt als gefährdet

In Hessen führt der NABU die Schlingnatter auf der Roten Liste als „gefährdet“, in Norddeutschland ist sie vom Aussterben bedroht. Die für den Menschen ungefährliche Natter wird laut Reptilienexperte Harald Nicolay 50 bis 80 Zentimeter lang. „Sie benötigt möglichst verkehrswegeferne, störungsarme, trockene, steinige, strukturreiche Lebensräume mit einem guten Nahrungsangebot.“ In Witzenhausen fänden sich solche sonnigen Gebiete zwischen Nordbahnhofstraße, „Unter den Brückenbergen” und „Unter den Weinbergen”. Der Bauplatz des DRK liege außerhalb des vermuteten Hauptlebensraums. „Er bietet derzeit keine optimalen Strukturen für die Natter.“ 

Ein Kurz-Interview mit Reptilienexperte Harald Nicolay lesen Sie in unserer gedruckten Dienstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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