„Ich wollte schon immer einen Roman schreiben.“

Neuer Roman: Schmökern über Windpark-Bau im Kaufunger Wald

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Sorgt sich um seine Wahlheimat: Guntram Pauli hat sich für seinen Roman „Abwind“ auch vom Bau des Windparks am Bilstein bei Roßbach (Foto) inspirieren lassen. In seinem Buch setzt der Musiker auf sympathische Personen und viele Informationen über Windenergie – für alle, die wenig Zeit und Lust für eigene Recherchen haben.

Guntram Pauli hat in seinem Roman "Abwind" über neue Windräder geschrieben.

Es geht ihm nicht in erster Linie darum, die Argumente der Windkraftgegner in neuer Form unters Volk zu bringen, betont Guntram Pauli. „Ich wollte schon immer einen Roman schreiben.“ Jetzt liegt „Abwind“ in den Buchläden - und viele Menschen, die sich im Werra-Meißner-Kreis für und gegen Windkraft engagieren, werden sich darin wiederfinden.

Der Reihe nach: Im Herbst 2016 verpasst Guntram Pauli aus Gertenbach die Fähre zwischen Patras und Athen - und während er im Wohnmobil wegen der vorbeirauschenden Lastwagen wachliegt, sei ihm die Idee zu „Abwind“ gekommen. „Ich kann ja nur über etwas schreiben, mit dem ich mich auskenne.“ In kein anderes Thema hat der Musiker zuletzt so viel Energie gesteckt wie in den Kampf gegen die Windkraft. Er habe sich als Teil der „Grünen-Ursuppe“ in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert, sagt der 64-Jährige. Lange hielt er die Windenergie für eine gute Alternative zur Stromerzeugung, doch nach Recherchen wurden aus leisen Zweifeln Ablehnung.

Dass Pauli beide Seiten kennt, ist für den Roman von Vorteil. Er lässt die Positionen zum Ausbau der Windkraft in Form von verschiedenen Personen aufeinander los - so entsteht ein Mosaik von Sichtweisen auf den Bau eines Windparks im Kaufunger Wald. Viele Figuren kommen dem heimischen Leser durchaus bekannt vor: Der Adelige, der sein Land aus finanziellen Gründen zur Verfügung stellt. Der ehrgeizige, grüne Umwelt-Dezernent, der den Ausbau der Windkraft vorantreibt und von Regierungspräsidenten und Bürgermeisterin unterstützt wird. Der Chef eines Anzeigenblattes, der sich mit Windkraft-Gegnern eine Leserbrief-Fehde liefert. Die Bürgerinitiative aus Künstlern und Ex-Grünen... Für alle finden sich reale Vorbilder im Kreis, vor allem im Streit um Windräder bei Gertenbach, gegen die auch Pauli kämpfte. Er sagt: „Es lag auf der Hand, sich daran zu orientieren. Mein Ziel war es aber nicht, jemandem eins reinzuwürgen.“ Der Roman sei keine Abrechnung mit Personen, sondern mit der windkraft-freundlichen Ideologie, die sich nach Fukushima 2011 durchgesetzt habe. Ob die Position der Windkraft-Gegner dabei indes weniger ideologisch wirkt, muss der Leser entscheiden.

Auch wenn Pauli sich um eine spannende Handlung bemüht - die detail- und informationsgespickte Schlacht der Argumente ist für den Leser keine leichte Kost. Den Windkraftgegnern legt Pauli teilweise seine eigenen Leserbriefe in den Mund. Um sich abzusichern, sind die Äußerungen der Windkraft-Befürworter zumeist Zitate der echten Vorbilder. Vor ihrer Reaktion hat Pauli keine Angst. „Personen des öffentlichen Lebens müssen künstlerische Freiheit aushalten.“

Was die Wirkung des Romans angeht, bleibt Pauli Realist: „Ich würde nicht mehr erwarten, als dass die Leser ins Grübeln kommen.“ Trotz aller regionalen Bezüge habe er das Buch nicht in erster Linie für Nordhessen geschrieben. Er hofft, dass es über die Szene der Windkraft-Gegner in ganz Deutschland bekannt wird.

Der Roman in Kürze 

Der junge Ingenieur Alexander soll in Guntram Paulis Roman „Abwind“ sein erstes großes Projekt in seiner alten Heimat umsetzen: den Bau eines Windparks im Kaufunger Wald. Doch nicht nur die Liebe zur Greenpeace-Aktivistin Angela, sondern auch die verzweifelten Protestaktionen der Bürgerinitiative „Rettet den Rebenstein“ sorgen bei Alexander für schlaflose Nächte. Vermittlungsversuche bei Info-Abenden scheitern und die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern des Windparks verhärten sich, je weiter der Bau voranschreitet - bis es bei der Einweihung schließlich zur Katastrophe kommt.

Info: Guntram Pauli, „Abwind“, Shaker Media Verlag, 259 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-95631-565-7

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