Schredder „Willibald“ schlug Funken

Nach Großbrand in Witzenhausen zieht Recycling-Unternehmer Stephan Heil eine erste Bilanz

Vor dem schweren Gerät, das beim Brand im Einsatz war, stehen Stadtbrandinspektor Björn Wiebers (von links), Stephan Heil und Wehrführer Claus Demandt. Dahinter links verbranntes und rechts noch brauchbares Altpapier.
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Vor dem schweren Gerät, das beim Brand im Einsatz war, stehen Stadtbrandinspektor Björn Wiebers (von links), Stephan Heil und Wehrführer Claus Demandt. Dahinter links verbranntes und rechts noch brauchbares Altpapier.

„An jeder negativen Sache gibt es auch etwas Positives“, zieht Stephan Heil eine erste Bilanz nach dem Großbrand auf dem Gelände seines Recyclinghofs in Witzenhausen vor einer Woche. Denn: Es gab keinen Personenschaden, „das wäre der Super-Gau gewesen“, sagt er.

Witzenhausen - Fahrzeuge und technische Anlagen wurden auch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Schon am Montagmorgen vergangener Woche konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Hinter Heil liegt eine Woche, in der neben dem laufenden Betrieb einiges zu regeln war. Bereits am Montag gab es einen Anruf der Unteren Wasserbehörde, dass ein Geologe die Gelster begutachten wird, in die Löschwasser gelaufen ist. Dabei kam Heil zugute, dass viel Löschwasser in das Regenrückhaltebecken auf dem Gelände geflossen ist. Hier habe die Feuerwehr früh mit dem Klärwerk gesprochen, das ein Becken für die Reinigung des Wassers vorgehalten habe, erklärt Wehrführer Claus Demandt. Zudem wurde der Zufluss zur Gelster gestoppt, damit mögliche Auswaschungen, die bei Regen noch kommen könnten, nicht in die Gelster, sondern in die Kläranlage fließen.

Auch die Ursache für den Brand steht jetzt fest. In die Schreddermaschine, die in der Firma liebevoll „Willibald“ genannt wird, muss ein Gegenstand gelangt sein, der Funken geschlagen hat. Dadurch entzündete sich das Papier. Rund 1200 Tonnen davon brannten ab, erklärt Heil.

Der Versicherer ist informiert worden. Nun gilt es, den Müll vom Gelände zu räumen und es für einen Gutachter frei zu machen. Der untersucht den Boden und die Brandmauer nach Schäden. Zwölf Monate wird es dauern, bis neben dem weiter laufenden Betrieb alles reguliert ist, sagt Heil. Beeindruckt zeigt sich Heil angesichts der schnellen und gut koordinierten Arbeit der Rettungskräfte. „Wie schafft Ihr es, nach neun Minuten hier zu sein?“, fragt er. „Wir sind gut“, antwortet Demandt schlagfertig und ergänzt: Gäbe es aktuell nicht die vielen Baumaßnahmen in der Stadt, wäre die Feuerwehr noch schneller gewesen. Stadtbrandinspektor Björn Wiebers ergänzt: Es habe sogar Kameraden gegeben, die nicht erfreut waren, dass sie nicht auch alarmiert wurden. Das zeige die Einsatzbereitschaft der Wehren.

Auch von Kollegen habe er telefonisch viele Hilfsangebote bekommen, sagt Heil. Zudem gab es viel Beistand von den Nachbarn im Gelstertal. So habe die Firma B+T direkt einen Radlader ausgeliehen. Und die Firma Reimer Logistics habe ihren kompletten Hof zur Verfügung gestellt. Hier wurden die Einsatzkräfte nicht nur in der ersten Zeit versorgt, sondern auch an die Einsatzorte verteilt. Auch Büros und Toiletten durften die Helfer nutzen.

Für alle Hilfsorganisationen soll es noch ein Dankeschön geben, kündigt Heil an. Und auch, wenn das Erntefest wegen der Corona-Pandemie ausgefallen ist und gerade ein Brand gelöscht wurde – eines ließ sich Kommiteederich Heil nicht nehmen: Am Montag gab es für seine 23 Mitarbeiter das Festfrühstück, das in diesem Jahr ausgeliefert wurde – auch auf das Heil-Firmengelände. (nde)

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