Lena Ngassa besuchte zehn Monate eine US-Highschool

Austausch-Schülerin in den USA: Zwischen Wahlkampf und Schulbuch

+
Ausflug in die Berge: Lena Ngassa (vorn links) genoss mit ihren Gasteltern Tom Hobson und Ruthie Gelfob den Rocky Mountain National Park.

Boulder/Neuseesen. Den „American way of life" und den Kampf um die Präsidentschaft hat Lena Ngassa (18) aus Neuseesen größtenteils vor Ort miterlebt.

Im August 2015 ging sie für zehn Monate nach Boulder, Colorado, USA, um dort die elfte Klasse einer Highschool zu besuchen. Am Anfang stand eine lange Reise von Neuseesen nach Boulder. „Voller Vorfreude und Nervosität“ startete sie, denn sie wusste nicht, in was für einer Gastfamilie sie die folgenden zehn Monate ihres Lebens verbringen würde. 28 Stunden war sie wach gewesen, als der Flieger endlich in Boulder landete. Ohne Zögern wurde Ngassa dort herzlich von Tom Hobson, Ruthie Gelfob und der dreibeinigen Hündin Cappie empfangen - ihrer neuen Familie. Ihre Müdigkeit war schnell verflogen: „Ich war einfach froh, da zu sein.“

In den kommenden Tagen sei ihr klar geworden, wie viel Glück sie mit ihrer Gastfamilie hatte: „Ich habe mich zu Hause gefühlt.“ Dank der Hilfsbereitschaft ihrer Gasteltern, anderer Schüler und Lehrer fand sie sich schnell zurecht. Anfangs seien ihr zwar noch ein paar Patzer passiert, die in einer unbekannten Umgebung ganz normal sind: „Ich stieg in den falschen Bus ein, kaufte mal ein falsches Schulbuch oder fand den Klassenraum nicht.“ Aber das sei nicht weiter schlimm gewesen, beschreibt sie lachend.

Durch Schulkurse wie Robotics - in denen Roboter entworfen und konstruiert werden - und Fußball, fand sie Anschluss und lernte die politischen Einstellungen der Menschen kennen. Denn der Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl war bei ihrer Ankunft im August 2015 schon in vollem Gange. Boulder, eine sehr politische und liberale Stadt, habe mehrheitlich hinter dem demokratischen Kandidaten Bernie Sanders gestanden, erklärt Ngassa. Er schied jedoch im Rennen gegen Clinton aus. Clinton nahm sie eher als zweite Wahl wahr, vor allem bei jüngeren Leuten. Die haben sie für „falsch und betrügerisch“ gehalten, sagt Ngassa - jedoch nicht so sehr, dass sie stattdessen Trump wählen sollten. Auch Ngassas Gasteltern, Tom und Ruthie, hätten sich eher für Sanders begeistern können: „Mein Gastvater ist Physiker und beschäftigt sich viel mit dem Klimawandel.“ Wie Sanders sei den Gasteltern Klimaschutz wichtig gewesen. Dementsprechend sei Trump keine Option gewesen. Über Trumps Wahl sagt sie: „Als ich erfuhr, dass Trump gewonnen hat, war ich schockiert. Ein paar Stunden später sehe ich es realistischer, weil Trump ja nicht alleine entscheidet, sondern sich mit seiner Partei abstimmen muss.“

So plötzlich wie ihr Aufenthalt anfing, so plötzlich war er auch wieder vorbei. „Das war ganz komisch, denn ich hatte mir zehn Monate lang ein Leben aufgebaut und sollte nun einfach gehen. Und alle anderen lebten halt weiter.“ Mit ihren Gasteltern hat sie weiterhin Kontakt, per E-Mail und manchmal sogar per Skype. Bei den nächsten Gesprächen wird es auch um den neuen Präsidenten gehen.

Zur Person

Lena Ngassa (18) wurde in Witzenhausen geboren und lebt heute in Neuseesen. Von August 2015 bis Juni 2016 war sie mit dem American-Field-Service (AFS), einem Netzwerk von Austauschorganisationen, und dem parlamentarischen Patenschaftsprogramm in Boulder, Colorado, USA. Sie besuchte die New-Vista-Highschool und lebte in einer Gastfamilie. Heute ist sie Schülerin der Bergschule St. Elisabeth in Heilbad Heiligenstadt und spielt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne Fußball.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.