CORONAVIRUS

Küchentisch statt Klassenzimmer - Leere Schulen nach den Ferien

Ein weit verbreitetes Bild in diesen Tagen: Die Mehrzahl der Schüler aus dem Werra-Meißner-Kreis wird derzeit zu Hause beschult. Sie besuchen die Schulen nur in Ausnahmefällen, um Kontakte zu reduzieren.
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Ein weit verbreitetes Bild in diesen Tagen: Die Mehrzahl der Schüler aus dem Werra-Meißner-Kreis wird derzeit zu Hause beschult. Sie besuchen die Schulen nur in Ausnahmefällen, um Kontakte zu reduzieren.

Werra-Meißner: Wegen den Regelungen des Landes essen können Eltern selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. So war der Start nach den Ferien.

Werra-Meißner – Nach dem Weckerklingeln am Montagmorgen ging es für viele Schüler der ersten bis zur sechsten Klasse nicht in den Schulbus, sondern an den heimischen Schreibtisch. Weil die hessische Landesregierung den Lockdown in der Coronakrise verlängert, können Eltern selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder zu Hause lassen. In den Schulen im Werra-Meißner-Kreis hat die Befreiung vom Präsenzunterricht für halb leere Schulen gesorgt.

Klassen eins bis sechs

In der Südringgauschule in Herleshausen waren nur 22 Schüler der ersten bis sechsten Klasse gekommen. „Aus meiner eigenen Klasse ist nur ein Kind hier vor Ort“, sagt Schulleiterin Ursula Rauschenberg etwas wehmütig. Für die langjährige Schulleiterin sind es die letzten Wochen vor ihrer Pensionierung und das in einer halb leeren Schule.

Sie erwarte allerdings nicht, dass sich dieser Umstand in den nächsten Wochen ändere und deutlich mehr Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen werden, bedauert Rauschenberg. „Bei uns bleiben viele Kinder zu Hause“, so die Leiterin. Das sei schon vor den Weihnachtsferien der Fall gewesen und es setze nicht nur den Lehrern zu, sondern führe auch zu Gefühlsausbrüchen bei manchen Schülern. „Ein Junge war als Einziger seiner Klasse hier und ist deshalb in Tränen ausgebrochen“, erinnert sich Rauschenberg bewegt.

Grundschulen

Ganz so einsam wie in der Südringgauschule geht es in der Grundschule Am Brunnen vor dem Tore in Bad Sooden-Allendorf nicht zu. „Ungefähr 75 von 280 Schülern sind am ersten Tag hier“, erklärt Rektorin Caroline Mühr. Die erste Woche nach den Ferien sieht die Schulleiterin als einen organisatorischen Versuch. „Wir schauen jetzt, wie alles läuft und können dann in den nächsten Wochen nachjustieren, wenn nötig.“ Sie rechne in den kommenden Wochen mit wechselnden Schülerzahlen. „Denn einmal können die Eltern zu Hause bleiben und dann wieder nicht“, so Mühr.

Dass immer mehr Schüler wieder den Gang in die Schulen antreten werden, vermutet dagegen Nicole Schröder, Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt-Schule in Eschwege. Sie hat den ersten Schultag zusammen mit 46 der sonst 283 Schulkinder begonnen. „Ich dachte, es würden mehr Kinder kommen“, so die Leiterin. Probleme bei der Organisation des ersten Schultages können Schröder und ihre Berufskolleginnen immerhin nicht verzeichnen. Auch die An- und Abmeldung der Kinder vom Unterricht habe bisher reibungslos funktioniert, erklären die Schulleiterinnen einstimmig.

Weiterführende Schulen

„Wir haben gut vorgearbeitet und der Unterricht konnte problemlos starten“, sagt Andreas Hilmes, Schulleiter der Johannisbergschule in Witzenhausen. Durch den ersten Lockdown habe man viel gelernt und die Zeit genutzt, um sich auf einen möglichen zweiten Lockdown vorzubereiten. Zwar hätten einige Schüler anfänglich Probleme bei der Einwahl ins Schulportal gehabt, letztendlich habe sich aber jeder anmelden können. Hilmes lobt die gute Kommunikation zwischen Schüler, Eltern, Lehrern und Schulleitung.

Die Schüler, die zu Hause arbeiten, müssen ihre erledigten Aufgaben im Schulportal abhaken. „Sehen wir, dass ein Schüler mehrere Tage nicht aktiv wag, gehen wir dem nach“, sagt Hilmes. Die größte Schwierigkeit sieht er darin, dass nicht überall schnelles Internet verfügbar sei und vereinzelte Schüler Probleme mit Videokonferenzen hätten. Fehlende Endgeräte seien kein Problem. Das Medienwerk des Werra-Meißner-Kreises hatte nachgerüstet.

An den Beruflichen Schulen des Werra-Meißner-Kreises (BS) ist die Homepage ein wichtiges Instrument. Täglich werden die Informationen auf den neusten Stand gebracht. „Kommunikation ist in dieser Zeit unheimlich wichtig“, sagt Begga Breiding, stellvertretende Schulleiterin. Die Hälfte der BS-Schüler besuchen die Abschlussklassen, werden also im Präsenzunterricht beschult. (Von Kim Hornickel Und Wiebke Huck)

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