Seit 25 Jahren hauptamtlich geführt: Das Stadtarchiv

Die älteste Urkunde von Witzenhausen in Händen: Matthias Roeper (62) führt das Stadtarchivar seit 25 Jahre hauptamtlich. Foto: Forbert

Witzenhausen. Das Stadtarchiv in Witzenhausen wird seit 25 Jahren hauptamtlich geführt - und zwar von Beginn an von Matthias Roeper.

Der wertvollste Schatz ist das Original der ältesten erhaltenen Urkunde, mit der Landgraf Heinrich III. der Stadt Witzenhausen ihre Privilegien bestätigt. Wertvoll ist aber eigentlich alles, das im Stadtarchiv an der Carl-Ludwig-Straße aufbewahrt wird für die, die in der Geschichte Witzenhausens forschen wollen.

Die Stadt ließ das Archiv ab Ende 1989 in der ehemaligen Baustoffhandlung Bornemann auf allen drei Etagen mit Drehregalen und verstärkenden Stahlträgern einrichten. Am 1. Februar 1990 trat der Historiker Matthias Roeper sein Amt als Archivar an. Bis dato war es ehrenamtlich verwaltet und gepflegt worden, zuletzt von Walter Dietrich.

Seither füttert Roeper die Sammlung nicht nur mit ihm angediehenen Nachlässen, Archiven aufgelöster Vereine und Presseberichten, sondern vor allem mit Verwaltungsakten. Er spricht von „Bergen ohne Ende“. Doch die Aufgabe des Archivars ist nicht nur, städtische Überlieferungen zu bewahren, sonder das Material auch zu bewerten. Die Folge: Nicht alles wird aufbewahrt.

Einen großen Teil seiner Arbeit nimmt derzeit das Erforschen und Aufarbeiten der Zeit des Nationalsozialismus und der jüdischen Gemeinde ein. Roeper kümmert sich um ein Projekt, an dem zwei Professoren seit 25 Jahren arbeiten, dass nun druckreif gemacht werden soll: die Geschichte der Juden in Witzenhausen.

Dienstleister für Forscher 

Viele Publikationen hat der Stadtarchivar in den vergangenen Jahren schon erarbeitet, von einem Bildband „135 Jahre Erntefest“ 1992 bis zu 150 Turngemeinde 1861 Witzenhausen 2011. Natürlich war er stark an „40 Jahre Werra-Meißner-Kreis“ beteiligt, ebenso an vier Dorfchroniken. Auch Ausstellungen zu fast allen Themen der Stadtgeschichte sind ein Ergebnis von Roepers Wirken mit dem Archiv im Rücken.

Dienstleister in Sachen Geschichte ist er auch, wenn er Forschern bei ihrer Suche hilfte und auch sonst Anfragen beispielsweise nach familiären Wurzeln beantwortet - heute mehr denn je. So stellte er erst jüngst auch den Kontakt her zwischen einer jüdischen Familie in Israel und in den USA. E-Mail macht das einfach.

Überhaupt hat Roeper den starken Wandel der Technik auch mitgemacht: Hatte er 1990 erst noch die Zustimmung des Magistrats einholen müssen, dass er einen privaten PC - „eine Art Computer mit 1-MB-Speicher“ - für Textverarbeitung nutzen durfte, klickt er heute selbstverständlich in anderen Archiven im Internet herum, um Informationen über Witzenhausen zu holen. Das Verfassen von historischen Publikationen wurde durch die Digitalisierung viel leichter, sagt der 62-Jährige. Entsprechend kann er auch für die HNA schneller denn je Artikelserien zu geschichtlichen Themen schreiben - zuletzt wieder zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

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