Seit 30 Jahren Partnerschaft zu Sozialprojekten in El Salvador

Helfen den Ärmsten der Armen: (von links) Gerardo Sosa, Flor Rodriguez und Birgit Wingenroth mit Puzzles, die in der Kunsthandwerkstatt hergestellt werden. Foto: Demmer

Witzenhausen. Derzeit besuchen Gilberto Sosa und seine Frau Flor Rodriguez Witzenhausen. Sie kommen aus El Salvador. Mit Deutschland gibt es eine besondere Verbindung.

Wenn Gilberto Sosa zur Gitarre singt, klingen die Lieder in spanischer Sprache sehnsuchtsvoll nach Veränderung in seinem Heimatland El Salvador. Der 41-Jährige ist gerade mit seiner Frau Flor Rodriguez in Witzenhausen zu Gast, um von den Sozialprojekten in der Gemeinde „22 de abril“ am Stadtrand der Hauptstadt San Salvador zu berichten, zu denen seit nunmehr 30 Jahren eine Partnerschaft besteht. Rodriguez leitet dort eine Schule, die 110 Kinder aus dem Armenviertel von der Vorklasse bis zur sechsten Klasse besuchen.

Gewaltprävention ist eine der Hauptaufgaben, die in den Sozialprojekten geleistet werden, berichtet Rodriguez. Denn die Kinder der Schule stammen aus zwei Gemeinden mit konkurrierenden Jugendbanden. Seit einem Jahr können die Lehrer daher aus Angst vor Gewalttaten keine Elternbesuche mehr in den Armenviertel absolvieren und es gibt Ängste unter den Eltern, dass ihre Kinder angegriffen werden. „Die Kinder spielen zusammen, aber die Eltern haben Angst vor den Jugendbanden“, berichtet Rodriguez. Daher werde mit verschiedenen interessanten Angeboten versucht, die Kinder und Jugendlichen von den Banden fernzuhalten - sei es durch Exkursionen, Ausflüge oder Angebote der Bibliothek.

Dazu komme die pädagogische Arbeit, so Rodriguez. Da die Eltern der Kinder viel arbeiten und wenig Zeit hätten, komme die notwendige Zuwendung von den Lehrern. „Wir wollen den Kindern eine andere Atmosphäre schaffen“, betont die 37-Jährige. Hinzu komme, erklärt die Witzenhäuserin Birgit Wingenroth, die sich seit vielen Jahren für das Projekt engagiert, dass viele Familien zerrissen seien, weil Elternteile als illegale Einwanderer in den USA versuchen, Geld zu verdienen. Darum sei die Schule „eine Insel der Liebe und Zuwendung“.

Die Kinder bringen den Lehrern schnell Vertrauen entgegen, für die seien sie oft Elternersatz, erzählt Rodriguez. „Viele Kinder sagen, ich möchte, dass Du meine Mama bist. Das ist traurig, weil sie eine Mama haben.“ Angesichts der schwierigen Biographien sei es den Lehrern daher wichtig, jedem Kind individuelle Betreuung zukommen zu lassen. Das bedeutet auch, den Kindern Zeit zu lassen, selbst wenn sie für die sechs Schuljahr deutlich länger Zeit benötigen. Danach haben sie die Möglichkeit, ab der siebten Klasse die staatliche Schule zu besuchen und so Chancen auf eine bessere Zukunft zu haben. „Wir wissen nicht, was mit den Kindern passieren wird. Aber wir wollen sie stärken, so dass sie mit Selbstvertrauen ins Leben gehen“, betont Wingenroth.

Info: Wer die Projekte in San Salvador unterstützen möchte, erhält Infos im Weltladen in Witzenhausen, Brückenstraße 16.

Was die Sozialprojekte in der Gemeinde "22 de abril" alles leisten, steht in der gedruckten Mittwochsausgabe.

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