Menschen wollen heimischen Firmen unterstützen

Weihnachtsgeschäft im Internet: Viele Kunden kaufen online, aber lokal

Wegen des harten Lockdowns müssen nun auch wieder die Einzelhändler schließen. In Witzenhausen sind sie jedoch auch Online zu erreichen.
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Wegen des harten Lockdowns müssen nun auch wieder die Einzelhändler schließen. In Witzenhausen sind sie jedoch auch Online zu erreichen.

Der zweite Lockdown trifft in der Vorweihnachtszeit den Einzelhandel hart, hatte er doch schon im Frühjahr aufs Ostergeschäft verzichten müssen. Doch es gibt einen neuen, mutmachenden Trend.

Werra-Meißner – Auch für die Weihnachtsfeiertage kaufen viele Menschen wieder im Internet ein – allerdings zeichnet sich der Trend ab, dass sie dies bei lokalen Händlern tun. Zwischen den beiden Lockdowns war es im Witzenhausen-Shop, der Plattform der Witzenhäuser Händler unter witzenhausen.shop ruhiger geworden, berichtet Kerstin Walger-Wenisch von der Aktionsgemeinschaft Handel und Gewerbe. Seitdem sind die Zahlen in die Höhe geschnellt. Vom 14. bis 20. Dezember gab es 85.930 Seitenaufrufe von 4442 Besuchern. In der Woche davor, als die Geschäfte noch geöffnet hatten, waren es 35.330 Seitenaufrufe von 2350 Besuchern, teilt Nicolas Dörrig mit, der die Internetseite betreut.

Gefragt sind dabei die klassischen Weihnachtsartikel, so Walger-Wenisch. Dazu gehören Spielzeug, Bücher und Genussmittel wie Kirschsecco – und viele Kino-Gutscheine würden erworben, „was uns freut“. Die Shop-Bestellungen landen in ihrem Reformhaus, das weiter geöffnet werden darf, oder werden ausgeliefert – Sogar noch an Heiligabend, wenn bis 12 Uhr bestellt wird, sagt Walger-Wenisch.

Anders sieht es in Eschwege aus. Hier werden die Bestellungen und Einkäufe direkt auf den jeweiligen Internetseiten der Einzelhändler bestellt, berichtet Uwe Heinemann von der gleichnamigen Buchhandlung. Aber auch hier laufe der Online-Handel „stark“, es gebe viele, die bewusst den Fachhandel nutzen und die bestellte Ware dann an der Abholstation der Buchhandlung in Empfang nehmen.

Trotz der regen Nutzung des Internets wird die Buchhandlung jedoch nicht so viel umsetzen, wie in einem Dezember ohne das Coronavirus. „In dem Monat fehlt ein Drittel des Umsatzes“, sagt Heinemann. Wer noch ein Last-Minute-Geschenk wie ein Buch benötigt, sollte bei ihm bis zum 23. Dezember bestellt und an Heiligabend bis 13 Uhr abgeholt haben.

Unternehmen brauchen digitales Schaufenster

Die Rückmeldungen von Unternehmen auf Bestellangebote im Internet sind gemischt. Das berichtet Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Werra-Meißner-Wirtschaftsförderung (WFG). Einige Händler würden berichten, dass sie nur durch das Online-Geschäft überleben, andere hielten sich noch sehr zurück.

Laut Kleeberg kritisieren IT-Dienstleister, dass viele Händler eher panisch als geplant vorgehen. Es reiche nicht, ein Mal in sozialen Medien zu werben. „Es sollte mindestens ein digitales Schaufenster existieren, damit man in der Region sichtbar wird und bleibt und mit seinen Dienstleistungen und Produkten auch gefunden wird.“

Die WFG bemerke eine fortschreitende Digitalisierung der Betriebe. „Das ist sehr positiv“, sagt dazu Kleeberg. Allerdings agiere der Einzelhandel hier – abgesehen von Ausnahmen – noch zögerlich. Es gebe noch Aufklärungsbedarf, so Kleeberg, und auch fehlende Ideen, das Vor-Ort-Geschäft mit Online-Angeboten zu ergänzen.

Einen Anstieg des Beratungsbedarfs zur Digitalisierung habe es während der Lockdowns kaum gegeben. Laut Kleeberg mangele es noch an Bereitschaft, sich langfristig mit dem Thema zu beschäftigen. Man benötige einen Digitalisierungsplan und Klarheit über die strategische Ausrichtung. In der Region gebe es dafür viele gute Beispiele.

Die WFG begleitet aktuell die Entstehung eines regionalen Marktplatzes im Internet, „der alle Plattformen im Kreis zu einem digitalen Abbild der Region verbinden will“. Wer sich digitalisieren möchte, werde bei der WFG beraten und bekomme Kontakte vermittelt.

Laut Dr. Michael Ludwig, Leiter des IHK-Servicezentrums Werra-Meißner, betreiben immer mehr Einzelhändler ergänzend einen Online-Shop. 2020 sei dies noch mal deutlich beschleunigt worden. „Viele Unternehmen haben nach meiner Wahrnehmung sehr zügig und mit hoher Flexibilität auf die Situation reagiert und für ihr Unternehmen passende Online-Konzepte entwickelt und umgesetzt. Dieser Eindruck wird gerade jetzt zum Lockdown im Dezember bestätigt“, so Ludwig.

Darauf sollten Einzelhändler unbedingt achten

Wichtig beim Erstellen einer Internetseite sei, dass die rechtlichen Vorgaben erfüllt werden, zum Beispiel zum Fernabsatzgesetz, das unter anderem regele, wann und wie ein Kaufvertrag im Onlinehandel abgeschlossen werde und welche Widerrufsmöglichkeiten es gebe. Dazu gab es bei der IHK Anfragen zu den Verordnungen in Hessen, was laut der hessischen Corona-Verordnung erlaubt ist, wenn ein Artikel im Internet bestellt und dann abgeholt werden soll.

Und: Viele Kunden bestellen laut Ludwig bei regionalen Anbietern, um die heimische Gastronomie und Einzelhändler zu stärken (Nicole Demmer)

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