Sie machen gebrauchte Räder wieder fit

In der Witzenhäuser Selbsthilfe-Werkstatt „Radhaus“ reparieren Ehrenamtliche Fahrräder

Das Radhaus in Witzenhausen ist während der Pandemie nur nach telefonischer Voranmeldung geöffnet: Clemens Burkhard (links), Yacob Habtom und Jolanta Lisowski.
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Das Radhaus in Witzenhausen ist während der Pandemie nur nach telefonischer Voranmeldung geöffnet: Clemens Burkhard (links), Yacob Habtom und Jolanta Lisowski.

Das Witzenhäuser Radhaus ist eine Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt, in der Fahrradbesitzer mit wenig Geld ihre Drahtesel reparieren lassen können. Eine Spende ist dabei willkommen.

Witzenhausen – Derzeit klingelt das Telefon in der Witzenhäuser Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt Radhaus häufiger. Jetzt im Frühling wollen viele Studierende, Geflüchtete und andere Menschen mit wenig Geld ihr Rad auf Vordermann bringen.

„Seit Beginn der Pandemie müssen unsere Kunden einen Termin ausmachen“, betont Yacob Habtom, einer von gut zehn ehrenamtlichen Helfern. So sorgt das Radhaus dafür, dass es in der Alten Molkerei an der Steinstraße 19 nicht zu voll wird. „Vor Corona drängten sich hier zu den Öffnungszeiten die Menschen“, ergänzt Helfer Clemens Burkhard. Einzelne kamen sogar aus Eschwege, Sontra oder Göttingen.

Eine andere Konsequenz von Covid 19: Es sind derzeit nur drei, vier Helfer aktiv. Die anderen meiden Kontakte – aus Altersgründen, aufgrund von Vorerkrankungen oder um Familienangehörige zu schützen. Sie warten auf ihre Impfung. „Im Sommer wird sich die Lage wohl entspannen“, hofft Jolanta Lisowski. Die Flüchtlingsberaterin des Diakonischen Werks Werra-Meißner leitet das Projekt.

„Um Flüchtlinge zu unterstützen, haben wir die Werkstatt 2014 eröffnet“, erinnert sich Gründer Martin Röder. „Die meisten unserer ausländischen Kunden sind auch in ihrer Heimat bereits Rad gefahren, die Männer eher als die Frauen“, erzählt Habtom. Er selbst kam 1996 aus Eritrea, einem radsportbegeisterten Land, in die Bundesrepublik.

Das Radhaus fährt auch Flüchtlingsunterkünfte an und repariert Räder vor Ort – zum Beispiel 15 Stück im August 2020 in Bornhagen. „Wir wollten von Anfang an auch etwas zur Verbesserung der Mobilität von Studierenden und einkommensschwachen Bürgern tun“, betont Gründer Röder. Zudem geht es dem Projekt um Klimaschutz und einen schonenden Umgang mit knappen Ressourcen. Ehrenamtliche, so die Idee, leiten die Reparaturen an und teilen ihr Wissen. Sie helfen Nutzern mit Werkzeug und Ersatzteilen aus.

Geld verlangt die Werkstatt nicht, freut sich aber über Spenden. „4000 bis 5000 Euro kommen so im Jahr zusammen“, berichtet Dr. Lothar Kilian, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks. Wer kein Geld hat, kann auch Zeit spenden – etwa beim Saubermachen und Aufräumen der Werkstatt helfen.

Auf Wunsch gibt es an der Steinstraße auch ein altes Fahrrad zum Zurechtmachen. 50 bis 60 Räder bekommt die Initiative jedes Jahr geschenkt. Gute Stücke kommen ins Lager im Innenhof der Alten Molkerei, den Peter Oesterheld, ein Dachdeckermeister im Ruhestand, überdacht hat. Dort stehen bereits rund 100 Stück. Kunden können sich eines aussuchen. Räder, die sich nicht mehr reparieren lassen, werden zerlegt. So füllt die Werkstatt ihr Ersatzteillager auf.

Service: Das Radhaus ist mittwochs von 14 bis 18 Uhr und freitags von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Anmeldung unter Tel. 0 55 42/5 01 87 50.

Zahlreiche Unterstützer

Die Projektleitung der Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt Radhaus liegt beim Diakonischen Werk Werra-Meißner. Unterstützung gibt es von der Stadt Witzenhausen, dem Mobilitätsreferat des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Kassel, der Evangelischen Studierenden Gemeinde Witzenhausen, dem Fahrradfachgeschäft Rad-Geber, Transition Town Witzenhausen, der evangelischen Kirchengemeinde Witzenhausen und vielen anderen. 

(Michael Caspar)

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