Friedensradtour von Auschwitz nach Westerbork

Witzenhäuser radelte zu Gedenkstätten des Zweiten Weltkriegs

Moritz Starck-Rapp und weitere Männer auf Fahrrädern vor dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
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Am Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: Nach Besichtigung des Stamm- und Vernichtungslagers wurde die Radtour mit Moritz Starck-Rapp (Fünfter von links) direkt neben dem Zaun von Auschwitz-Birkenau gestartet.

Witzenhausen – „Es war bedrückend, zu sehen, wie in Auschwitz-Birkenau die Massenvernichtung vonstatten ging“, sagt der Bielefelder Soziologiestudent Moritz Starck-Rapp aus Witzenhausen. Mit etwa 90 Studenten aus Deutschland und den Niederlanden hat er an der Friedensradtour von Auschwitz nach Westerbork (Niederlande) teilgenommen, die von der Stiftung „Zurück nach Westerbork“ organisiert wurde.

Die Gruppe hat Gedenkstätten besucht, mit Politikern gesprochen und die Geschichte der Judenvernichtung aufgearbeitet.

Inspiriert wurde Stark-Rapp von der Dokumentation „Shoah“ von Claude Lanzmann aus dem Jahr 1985, wo Zeitzeugen des Holocausts zu Wort kommen. Zunächst haben die Studenten im Stammlager Auschwitz 1 von den Versuchen des Nazi-Arztes Josef Mengele und im Vernichtungslager Auschwitz 2 vom Ablauf der Vernichtungen und den Massengräbern gehört. „Wir sind über die Gedenksteine geschritten“, so Starck-Rapp. „Mit jedem Schritt haben wir etwa zehn Tote hinter uns gelassen.“

Fragestunde mit Wissenschaftsminister

Moritz Starck-Rapp, Friedenstour-Teilnehmer

Weiter ging es zum Radiosendeturm nach Gliwice, dessen inszenierter Überfall ein Auslöser für den Angriff auf Polen war. In der Stadt Kreisau (Kreisauer Kreis) ging es um den Widerstand im Nationalsozialismus und die Versöhnung mit Polen. Nach der Besichtigung der im Krieg zerstörten Dresdener Frauenkirche gab es eine Fragestunde mit dem sächsischen Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow. „Es war frustrierend, dass er auf Zukunftsfragen wie Flucht, Friedens- und Freiheitssicherung sowie Folgen des Klimawandels nur oberflächliche Antworten parat hatte“, so Starck-Rapp.

„Auch wenn wir in Mitteleuropa seit 75 Jahren in Frieden leben, gibt es in anderen Teilen der Welt ähnliche Vorfälle wie zu Zeiten des Nationalsozialismus“, so der Witzenhäuser. Er nennt dabei die Uiguren-Verfolgung durch China, die Gewalt des libyschen Übergangsrates gegen ehemalige Arbeitsmigranten aus Afrika und die Kurdenverfolgung in der Türkei.

Mehr als 1300 Kilometer zurückgelegt

In 14 Tagen fuhren die Teilnehmer mit Bus und Rad 1320 Kilometer. Die Gruppen mit je 15 Personen legten bis zu 126 Kilometern pro Tag zurück. Thema waren die Nationalsozialisten. Sie hatten bis Kriegsende 1945 mehr als 100 000 Juden aus dem Durchgangslager Westerbork in die Vernichtungslager nach Schlesien gebracht. In Auschwitz wurden 1,3 Millionen Menschen, davon 90 Prozent Juden, gefangen gehalten und ermordet.

„Anstrengend, aber lehrreich“

Außer der Führung durch das Haus der Wannsee-Konferenz, wo die Judenvernichtung und Arbeitslager geplant wurden, standen zudem auf dem Programm: die Besichtigungen des Alliierten-Treffpunkts Cecilienhof, der ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen und Esterwegen sowie des Bunkers Valentin bei Bremen. „Es war anstrengend, aber lehrreich und emotional“, sagt Starck-Rapp. „Daher bin ich froh, es erlebt zu haben.“

Von Hartmut Neugebauer

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