Sie wollen Plätze für Geflüchtete

Internationale Bewegung Seebrücke gibt es jetzt auch in Witzenhausen

„Leave noone behind“ – „Lasst niemanden zurück“ steht auf dem Plakat, das Anne Klingenmeier auf dem abendlichen Marktplatz von Witzenhausen (Mitte) zeigt. Weitere Aufrufe präsentieren (hinten von links) Isi Schneider und Sarah Link mit Daniel Böttcher.
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„Leave noone behind“ – „Lasst niemanden zurück“ steht auf dem Plakat, das Anne Klingenmeier auf dem abendlichen Marktplatz von Witzenhausen (Mitte) zeigt. Weitere Aufrufe präsentieren (hinten von links) Isi Schneider und Sarah Link mit Daniel Böttcher.

Mit einer Demonstration in der vergangenen Woche haben sie bereits auf sich aufmerksam gemacht: Die Mitglieder der Seebrücke Witzenhausen, die sich seit Mitte des Jahres dafür engagieren, dass die Kirschenstadt sich bereit erklärt, mehr Geflüchtete als vorgeschrieben aufzunehmen. Einen ersten Erfolg hatten sie bereits: Die Stadtverordneten stimmten während ihrer Sitzung am Dienstag dafür, dass Witzenhausen Teil des Bündnisses Seebrücke wird.

Witzenhausen – Angestoßen wurde die Gründung – nachdem ein Versuch im vorigen Jahr gescheitert war – durch den Arbeitskreis Asyl, berichtet Sarah Link, die in beiden Gruppen aktiv ist. Fünf Menschen kümmern sich bei der Seebrücke um die Planung, erklärt Isi Schneider, dazu gibt es Helfer, die mit anfassen und Sympathisanten. So waren sie zum Beispiel zur Stadtverordnetenversammlung in Dohrenbach in einem zehnköpfigen Pulk geradelt.

Mit dabei zur Sitzung hatten die Aktivisten ein Flugblatt, in dem sie ihr Anliegen erläuterten: Einsatz für eine menschenfreundliche Politik gegenüber Geflüchteten und Witzenhausen zum „Sicheren Hafen“ zu machen. Auch auf dem Schreiben zu sehen: 34 Logos von Vereinen und inhabergeführten Läden, die damit das Anliegen der Seebrücke unterstützen. Neben reinen Solidaritätsbekundungen gibt es dabei auch zum Beispiel den Weltladen, dessen Mitglied Anna-Gertrud Siekmann während der Demonstration einen Redebeitrag hielt.

Aber auch Unterstützung für den Druck von Flyern und Plakaten gab es. „Das zeigt auch, dass in Witzenhausen eine breite Öffentlichkeit dazu bereit ist, mehr Geflüchtete aufzunehmen“, sagt Anne Klingenmeier. Parteien sind nicht dabei, erklärt Link. „Wir wollen nicht in eine politische Ecke gedrängt werden.“ Daher würden sie bei Veranstaltungen wie Demonstrationen auch darum bitten, dass keine Fahnen politischer Parteien mitgebracht werden.

Einen Wermutstropfen musste die Seebrücke indes schon hinnehmen: Ein Banner vor der Liebfrauenkirche wurde nach einem Tag von Unbekannten abgehängt. Davon lassen sich die Mitglieder aber nicht entmutigen. Sie wollen daran arbeiten, dass durch die Kommunen Druck nach oben aufgebaut wird.

Je mehr Kommunen sich bereit erklären, eine größere Anzahl Geflüchteter aufzunehmen – so das Credo der Seebrücke – um so größer werde der Druck auf die nächsthöheren Ebenen, entsprechend zu handeln. „Wir wollen, dass die Bundesregierung nicht Frontex (eine europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, die unter anderem im Mittelmeer agiert, Anmerk. der Redaktion) finanziert, sondern Seenotrettung“, betont Link.

Die aktuelle Situation sei „ein Versagen von Europa und der EU“. Hier müsse Druck aus der Zivilbevölkerung kommen, auch als Alleingang eines einzelnen Staates. „Konkrete Aufnahmeplätze sind da.“ Und die, so Klingenmeier, sollten auch im Werra-Meißner-Kreis in der vorhandenen Zahl erhalten bleiben. (Nicole Demmer)

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