Grunderziehung muss vorhanden sein

Hilfe auf vier Pfoten: Simone Morth bildet in Witzenhausen Assistenzhunde aus

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Auf ihrem Hundeplatz bei Unterrieden gibt sie auch Gruppenkurse: Hundetrainerin Simone Morth mit ihren Fellnasen Ernie (links) und Spock.

Witzenhausen – „Es ist immer der Mensch, der den Hund nicht versteht. Nie umgekehrt.“ So lautet das Motto von Hundetrainerin Simone Morth aus Witzenhausen.

Neben Einzel- und Gruppenkursen für allgemeine Erziehung und Beschäftigung bildet sie auch Assistenzhunde aus, die Menschen mit Behinderung im Alltag unterstützend begleiten. Die Hunde können beispielsweise Türen öffnen, das Telefon bringen, Reißverschlüsse aufziehen und einen traumatisierten Halter aus Albträumen wecken. Bei letzterem lernt der Hund auch, das Licht anzumachen.

„Die Ausbildung zum Assistenzhund ist im Prinzip wie ein normales Hundetraining, nur mit anderen Zielen. Das Training wird auf die Bedürfnisse des Halters abgestimmt“, erklärt Morth. Allgemein wird jedes neue Kommando mittels entsprechender Handlungsketten beigebracht, erklärt die 51-Jährige. Durch das Verknüpfen der einzelnen Handlungen lernt der Hund nach und nach, welches Verhalten von ihm gewünscht ist. Somit kann man dem Hund einfachere Kommandos wie „Sitz“ beibringen, erklärt Morth, oder auch das Hilfeholen bei einer Ohnmacht. „Wenn der Halter motiviert ist, kann der Hund nach meiner Erfahrung fast alles lernen“, schildert sie.

Bevor die Ausbildung zum Assistenzhund beginnen kann, sollte eine Grunderziehung vorhanden sein, so Morth. Falls Grundkommandos wie „Sitz“, „Bleib“ und „Komm“ noch nicht klappen, wird daran vorher noch gearbeitet. In Einzelstunden hilft sie dem Halter zu verstehen, wie der Hund am besten lernt und zeigt, wie die Kommandos vermittelt werden. „Es ist Aufgabe der Halter, mit den Hunden auch zuhause viel zu üben, sonst macht man keine Fortschritte“, sagt Morth.

Die Trainerin erinnert jedoch auch daran, dass Hunde nicht dazu da sind, den ganzen Tag nur zu funktionieren. Die Menschen haben die Verantwortung, ihnen genügend Zeit zum Ruhen zu lassen und auf die Bedürfnisse der Vierbeiner einzugehen. „Kein Hund muss angebrüllt werden. Sie hören gut genug“, verdeutlicht die Hundetrainerin. Den Hund verstehen, souverän auftreten und geduldig sein – der Schlüssel zu einer harmonischen und zielführenden Erziehung.

„Einmal habe ich selbst einen Welpen aufgenommen, um ihn von klein auf auszubilden. Ich habe es dann aber nicht übers Herz gebracht, ihn abzugeben“, schmunzelt sie. Ihr Hund Spock ist auch heute noch an ihrer Seite. Deswegen bringen Interessierte selbst einen Hund mit oder lassen sich bei der Anschaffung von ihr beraten. Ob ein Hund sich zum Assistenzhund eignet, entscheide letztendlich der Charakter des Tieres und der Einsatz des Halters. Zwar gibt es laut Morth Rassen, wie Golden Retriever und Großpudel, die von sich aus schon darauf achten, was sie für ihr Herrchen tun können. Dennoch sei die Ausbildung zum Assistenzhund nicht streng rasseabhängig.

Die gelernte Berufspilotin schloss ihre Ausbildung zur Hundetrainerin 2015 ab. Zudem ließ sie sich zur Verhaltensberaterin ausbilden und besuchte mehrere Fachlehrgänge, etwa zur Körpersprache und aggressiven Verhalten bei Hunden. 2016 erhielt Morth die Erlaubnis des Veterinäramts Werra-Meißner, offiziell Hunde anzuleiten und auszubilden.

Hunde brauchen Regeln

Der Mensch agiert und der Hund reagiert So solltes es laut Hundetrainerin Simone Morth immer sein. Damit der Hund dem Halter folgt, ist Vertrauen in der Beziehung von wesentlicher Bedeutung. Durch Regeln und Grenzen wird dieses Vertrauen geschaffen, da der Hund weiß, dass er mit seinem Herrchen gut durchs Leben kommt, so Morth. Regeln sollten auch konsequent eingehalten werden. Ständig wechselnde Signale des Besitzers führen zu Unsicherheit beim Hund. Wenn er aber weiß, wo sein Platz ist und was wann von ihm erwartet wird, geht es ihm dauerhaft gut.

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