Tipps zum Überwintern

So werden Pflanzen fit für den Winter

Rainer Braukmann steckt einen Holzstab in einen Lavendel.
+
Rainer Braukmann stabilisiert die Pflanzen vor dem Einwickeln mit Folie oder Jute mit Holzstäben. So werden Blätter und Zweige davor bewahrt, abzubrechen, gleichzeitig wird das Gewicht von der Pflanze genommen.

Witzenhausen – Der frisch gestutzte Lorbeer oder der im Frühjahr angeschaffte Orangenbaum – im Herbst werden die geliebten Kübelpflanzen schnell zum Sorgenkind. Denn viele der beliebten mediterranen Pflanzen sind nur bedingt winterhart. Sie müssen überwintert werden.

Das gehen viele Hobbygärtner falsch an, sagt Rainer Braukmann, Technischer Leiter im Tropengewächshaus der Universität Kassel. Er und seine Kollegen kümmern sich neben den tropischen Nutzpflanzen im teilweise beheizten Tropengewächshaus auch um zahlreiche Kübelpflanzen, etwa im Lehr- und Lerngarten in Witzenhausen. Daraus hat der Gärtner einige Lehren gezogen.

Rainer Braukmann, Technischer Leiter

1. Auswahl

„Vielfach werden Pflanzen der Optik nach und spontan gekauft“, sagt Braukmann. Beim Kauf sollten aber die eigenen Möglichkeiten im Vordergrund stehen: „Kann ich die Pflanze überhaupt überwintern? Habe ich einen Balkon, einen Wintergarten, einen Keller oder eine Garage?“

2. Vorbereitung

Kranke Blätter entfernen, in der Mitte auslichten, großzügig zurückschneiden – das zählt im Herbst bei der Pflanzenpflege. Jetzt sei auch „die beste Zeit, um die Pflanze auf Schädlinge zu kontrollieren“, sagt Braukmann. Sonst könnten diese sich im geschützten Raum noch besser vermehren. Um schädlingsfrei zu überwintern, solle man mindestens die Triebspitzen sorgsam kontrollieren.

3. Zeitpunkt

Die Faustregel, Pflanzen vor dem ersten Frost einzulagern, lehnt Braukmann ab. Früher habe man auch im Tropengewächshaus von Oktober bis Mai überwintert. „Aber jetzt kann ich mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und ein bisschen Mehraufwand versuchen, diese Zeit etwas kürzer zu halten, was den Pflanzen zugutekommt“, sagt der Technische Leiter.

Viele mediterrane Pflanzen könnten Frost überstehen: „Hanfpalmen, Lorbeer oder Mandel können auch mal ein paar Grade Minus ab.“ Braukmann empfiehlt, solche Pflanzen an die Hauswand zu stellen und in besonders kalten Nächten zum Beispiel mit einem Strohzaun zu schützen. Einlagern – zum Beispiel im Keller, Gewächshaus oder in der Garage – sollte man sie dann erst, wenn die frostigen Nächte regelmäßiger würden.

4. Sonne und Nässe

„Wenn der Ballen durchgefroren ist und die Blätter oben Wasser abgeben, dann vertrocknet mir die Pflanze, weil sie kein Wasser aufnehmen kann aus dem Eisblock“, sagt Braukmann. Auch zu feucht sollte die Erde nicht werden. Bei niedrigen Temperaturen sollten Pflanzen deswegen grundsätzlich untergestellt und vor Sonne geschützt werden.

5. Temperatur

„Ich sollte mir überlegen, in welchem Temperaturbereich ich die Pflanze halten will“, sagt Braukmann. Denn konstante Temperaturen seien wichtiger als hohe Temperaturen. Für mediterrane Pflanzen etwa seien fünf bis zehn Grad besser als Überwintern in sehr warmen Räumen.

6. Einpacken

Um die Mindesttemperatur zu halten, kann die Pflanze in isolierendes Material wie Luftpolsterfolie gehüllt werden. Braukmann rät, als Stütze Holzstäbe in die Erde zu stecken. Wolle man etwa Stauden draußen überwintern, könne man sie mit Kaninchendraht umstellen und unten mit Laub auspolstern.

7. Luftfeuchtigkeit

Direkt an der Pflanze und im Lagerraum sollte regelmäßig die Luftfeuchtigkeit kontrolliert werden. „50 bis 60 Prozent sind gut für die meisten Pflanzen“, sagt Braukmann. Darüber sollte die Feuchtigkeit nicht steigen, weil sich bei niedrigeren Außentemperaturen Kondenswasser bildet und die Pflanze faulen könnte. Zur Kontrolle empfiehlt Braukmann ein sogenanntes Hygrometer sowie ein Minimum-Maximum-Thermometer. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, hilft Lüften oder leichtes Heizen – allerdings nur mit moderater Temperaturerhöhung.

Wer alles beachtet, sollte keine Probleme haben, seine Pflanzen heil und gesund mit in den nächsten Frühling zu nehmen.

Von Alina Andraczek

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.