Mitarbeiter von Infratest dimap bittet um zweite Stimmabgabe

Wähler in Bad Sooden-Allendorf „füttern“ Prognose zur Bundestagswahl

Soodens Pfarrer Dr. Daniel Bormuth (rechts) nimmt von Wahlkorrespondent Samuel Emini die Unterlagen für die repräsentative Umfrage nach dem Urnengang entgegen.
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Zweite Stimmabgabe: Soodens Pfarrer Dr. Daniel Bormuth (rechts) nimmt von Wahlkorrespondent Samuel Emini die Unterlagen für die repräsentative Umfrage nach dem Urnengang entgegen.

Als am Sonntagabend Punkt 18 Uhr das Erste Deutsche Fernsehen seine Prognose für den Ausgang der Bundestagswahl preisgab und je nach Parteienpräferenz die TV-Zuschauer in Schockstarre versetzte oder jubeln ließ, hatte sich die ARD auch auf eine Wahl-Nachfrage in Bad Sooden-Allendorf gestützt.

Bad Sooden-Allendorf – Im Eingangsbereich des Alten Kurhauses, dem Wahlbezirk 4 Sooden-Süd, erbat ein Mitarbeiter von Infratest dimap, eine Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mit Sitz in Berlin, die Wähler nach dem Urnengang um eine zweite anonymisierte Stimmabgabe.

Dazu händigte der Wahlkorrespondent Samuel Emini (Eschwege) jedem Wähler auf freiwilliger Basis einen kurzen Fragebogen aus mit der Bitte, Alter, Geschlecht und wahlentscheidende Gründe zu benennen. In seltenen Fällen stieß der 20-Jährige dabei auf wenig Gegenliebe. Einige Menschen huschten wortlos an ihm vorbei, die meisten machten allerdings mit, nachdem sie sich in Einzelfällen vergewissert hatten, dass alles seine Ordnung hat.

In sieben meist rund einstündigen Zeitblöcken sammelte Emini die Daten für die repräsentative Stichprobe, um das jeweilige Ergebnis unmittelbar danach telefonisch an die Zentrale weiter zu geben. Die letzte Erhebung fand zwischen 17.05 und 17.35 Uhr statt, um Zeit genug zu gewinnen für die Prognose 25 Minuten später.

Eher zufällig war der junge Mann an diesen Job gekommen. Bei seiner ehrenamtlichen Arbeit für das Projekt „Kirche unterwegs“ war der angehende Notfallsanitäter mit einem – wie er sagt – „hohen Tier“ der Wahlforschung in Kontakt gekommen und hatte wie selbstverständlich zugesagt, wohl wissend, damit nicht reich werden zu können: „Ich bekomme mein Benzingeld raus und noch etwas oben drauf.“ Wie viel genau, verriet er nicht, bestätigte aber „einen zweistelligen Betrag“.

Damit zufriedengeben mussten sich eine Etage höher im Wahllokal auch die in zwei Schichten arbeitenden ehrenamtlichen Wahlhelfer. Wie in den übrigen 16 Wahlbezirken im Stadtgebiet – davon vier Briefwahlbezirke – gab es für sie ein „Erfrischungsgeld“ von 25 Euro, für den Wahlvorsteher, in diesem Fall Björn Wiechern, 10 Euro mehr.

Im Wahlbezirk Sooden-Süd hatten bis Freitagabend von insgesamt 767 Wahlberechtigten 263 per Briefwahl ihre Stimme abgegeben, ein Anteil von knapp 34,3 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte dort die Wahlbeteiligung bei 56,1 Prozent gelegen. Seinerzeit waren auf den letztlich bestätigten Direktkandidaten der SPD, Michael Roth, 35,6 Prozent der Stimmen entfallen, auf den CDU-Bewerber Timo Lübeck 30,4 Prozent. Bei den Zweitstimmen hatte die CDU (28,2 %) die SPD (26,4 %) überflügelt.

Die Auswahl der Wahlbezirke für die repräsentative Wählerbefragung am Wahltag basiert laut Infratest dimap auf einem nicht näher erläuterten komplexen Verfahren mit dem Ziel, dem voraussichtlichen Wahlergebnis so nah wie möglich zu kommen. (zcc)

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