Sozialticket: Parlament verlängert Aktion in Witzenhausen

Witzenhausen. Die Einführung des ersten Sozialtickets im Werra-Meißner-Kreis war lange umstritten, jetzt hat das Witzenhäuser Projekt die Hürde des Testbetriebs genommen.

Auch 2015 wird es für Menschen mit geringem Einkommen vergünstigte Fahrkarten für den Stadtbus geben.

Das haben die Stadtverordneten jetzt mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken beschlossen - bei zehn Gegenstimmen, vor allem aus den Reihen der CDU.

Im ersten Halbjahr 2014 hatten nur 28 Menschen einen Antrag auf einen Sozialticketausweis bei der Stadt eingereicht, auf 300 hatte man sich eingestellt. Wie Bürgermeisterin Angela Fischer während der Parlamentssitzung im Oktober ausgeführt hatte, seien im ersten Halbjahr nur 220 Fahrscheine zum vergünstigten Preis erworben worden. Bislang entstandene Kosten für die Stadt: 110 Euro. Deshalb kam es zu einer lebhafte Debatte über das Ticket.

Das sagen die Gegner

„Die CDU kann nur mit dem Kopf schütteln“, sagte Andreas Gerstenberg (CDU). Der Probelauf habe gezeigt, dass niemand das Sozialticket brauche und es sogar ausgesprochen unsozial sei. Gerstenberg kritisierte, dass das Sozialticket nur von Menschen aus der Kernstadt genutzt werden kann. Dabei hätten vor allem Menschen aus den Ortsteilen lange Wege und würden von günstigen Bustickets und besseren Verbindungen profitieren. Dieser Kritik schlossen sich die Freien Wähler in Person von Beate Oetzel an. Der bürokratische Aufwand stehe nicht im Verhältnis zum Nutzen, sagte die FWG-Frau. Auch Jürgen Vogelei (FDP) hält das Sozialticket für überflüssig. Das Sitzungsgeld für den Sozialausschuss, in dem das Thema beraten worden war, sei höher gewesen als die Summe, die die Nutzer des Sozialtickets verfahren haben, sagte er.

Das sagen die Befürworter

Dr. Rita Weber-Wied (Grüne) hielt für die Koalition dagegen. „Das Sozialticket ist ein politisches Signal“, sagte die. Es sei eine Möglichkeit, wenigstens einigen wenigen Menschen helfen. „Dass es in den Ortsteilen nicht funktioniert, heißt doch nicht, dass man das Sozialticket nicht in der Kernstadt einführen kann, wo es doch funktioniert.“ Natürlich wäre es schön, wenn das Ticket ausgeweitet werden könne, daran soll weiter gearbeitet werden.

Heidi Rettberg (Linke) verwies auf das Projekt Mobilfalt, das für Mobilität in den Ortschaften sorgen solle. Sie hofft, dass sich das Angebot des Sozialtickets im kommenden Jahr besser herumspreche und besser angenommen werde. Heinz Köhler (SPD) ergänzte, dass das Sozialticket noch sehr wichtig werden könne, wenn mehr Flüchtlinge in die Stadt kommen sollten. (fst)

Anträge zum Sozialticket finden Sie gemeinsam mit weiteren Informationen unter http://zu.hna.de/ticket2015

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