Spezielle Kenntnisse sind nötig

Interview mit Christina Meibohm, die Menschen aus der Landwirtschaft berät

Beraterin von Landwirten: Christina Meibohm.

Witzenhausen. Die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone  tagen von heute bis Mittwoch, 15. Oktober, in Witzenhausen. Sie besichtigen mehrere Höfe in der Region und informieren sich über Fairen Handel. Titel der Konferenz: „Landwirtschaft am Scheideweg“.

Wir sprachen vorab mit der Verbandsreferentin Christina Meibohm die in Oberrieden zuhause ist.

Frau Meibohm, spitz gefragt: Warum können Landwirte nicht bei der Telefonseelsorge anrufen? Es gibt ja nicht für jede Berufsgruppe eigene Sorgentelefone...? 

Christina Meibohm: In der Landwirtschaft sind Familie und Betrieb eng und untrennbar miteinander verwoben. Hier ist die Kenntnis dieses speziellen Systems der landwirtschaftlichen Familienbetriebe wichtig. Alle unsere Berater haben einen landwirtschaftlichen Erfahrungshintergrund, sind zum Teil selbst Bauern und Bäuerinnen. Sie werden in zweijährigen Ausbildungen vorbereitet, regelmäßige Weiterbildungen und Supervision sind verpflichtender Bestandteil der Beratungstätigkeit.

Wie sieht Ihre Familienberatung aus? 

Meibohm: Bei uns melden sich Menschen in schwierigen persönlichen, familiären und /oder wirtschaftlichen Arbeits- oder Lebenssituationen. In Absprache vereinbaren wir einen Termin auf dem Betrieb oder einer Beratungsstelle in der Nähe. Die Beratung ist vertraulich und überkonfessionell. Wir bieten einen geschützten Rahmen um belastende Themen aussprechen zu dürfen, helfen bei der Suche nach eigenen Lösungswegen und begleiten bei der Umsetzung. Wir haben ein Netzwerk von Experten, das mit hinzugezogen werden kann. Ebenso kann zu weiteren Beratungsangeboten vermittelt werden.

Was sind derzeit die vordringlichen Probleme? 

Zur Person:

Christina Meibohm ist im Bad Sooden-Allendorfer Stadtteil Oberrieden ansässig. Die 53-Jährige stammt aus Baden-Württemberg und lebt seit 1980 im Werra-Meißner-Kreis. Sie lernte Landwirtin und studierte anschließend in Witzenhausen Agrarwissenschaften. Die Diplom-Agraringenieurin ist als Verbandsreferentin für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone, ein Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Familienberatungsstellen und Sorgentelefonen, tätig. Christina Meibohm ist verheiratet und Mutter dreier erwachsener Söhne. Als Hobbys nennt sie Reiten und Lesen. (sff)

Meibohm:  Zuoberst sind es Konflikte innerhalb der Generationen (Vater-Sohn, Schwiegertochter-Schwiegermutter). Leben und arbeiten innerhalb mehrerer Generationen kann ein hohes Konfliktpotential bergen. Mal ist man „Sohn“ und dann gleichzeitig auch wieder „Partner in der Gbr. und Hofübernehmer“. Mal ist man Vater und gleichzeitig ebenso „Partner und Hofübergeber“. Da vermischen sich die Rollen… Hinzu kommen Krisen in der Partnerschaft, Hofübergabeprobleme, Fragen der Unternehmensentwicklung, Schulden, Probleme durch Arbeitsüberlastung, psychische und gesundheitliche Probleme.

Wie sehen typische Lösungen aus? 

Meibohm: Typische Lösungen gibt es nicht. Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu begleiten ihre eigenen Lösungen zu entdecken, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Eine Beratung kann ein Coaching sein wie beispielsweise die Prozessbegleitung bei der Hofübergabe oder aus mehreren Beratungsterminen bestehen. Es gibt mindestens ein Anfangs- und ein Abschlussgespräch. Auch längere Begleitung ist in Absprache mit den Ratsuchenden möglich.

Wer nimmt die Familienberatung vor allem in Anspruch? 

Meibohm:  Der Anteil an Frauen und Männern ist ungefähr gleich groß. Oftmals kommen im Rahmen von Hofübergabe-Konflikten „die Jungen und die Alten“ gemeinsam zum Gespräch. Zunehmend melden sich auch jüngere Paare. Kontakt zur Beratung in Hessen: Tel. 0 66 91 / 2 30 08, E-Mail: info@bag-familieundbetrieb.de sowie im Internet unter www.landwirtschaftliche-familienberatung.de. Das Angebot ist kostenfrei.

Von Friederieke Steensen 

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