Seniorentreffen

Stadtarchivar sprach über Erntefest im Wandel der Zeiten

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Erinnerungen an das Fest: Alle vier bis sechs Wochen lädt Katja Eggert vom Lokalen Bündnis für Familie die Senioren ein. Matthias Roeper referierte über 200 Jahre Erntefest.

Witzenhausen. Beim Seniorentreffen in Witzenhausen ließ Stadtarchivar Matthias Roeper Erinnerungen an frühere Erntefeste wach werden.

Berüchtigt war das Erntefest 1877, als es im Zelt in Witzenhausen zu einer Massenschlägerei kam. Den Wahlspruch des Festes, ‚Eintracht krönt das Fest’, wandelte man damals ab in: ‚Eine Tracht krönte das Fest’. „Die Leute hatten kein anderes Ventil“, sagte Stadtarchivar Matthias Roeper in seinem Vortrag im Rathaussaal. „Wann sollten sie sonst aus sich herausgehen, wenn nicht auf einem Fest.“

Die Senioren lauschen dem Vortrag im Rathaussaal, anschließend gibt es Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit für Gespräche über das Gehörte.

Alle vier bis sechs Wochen lädt Katja Eggert vom Lokalen Bündnis für Familie die Senioren in Witzenhausen zu einem gemeinsamen Nachmittag ein. Diesmal hieß das Thema: „Das Erntefest im Wandel der Zeiten“. Dazu hatte Matthias Roeper einige launige Anekdoten ausgegraben. So ist das Witzenhäuser Erntefest das älteste seiner Art in Hessen. Es begann 1806 als Weinlesefest. Und schon damals war der Montag nur den Herren vorbehalten. Frauen durften nicht einmal am Fenster zuschauen, was ihre Männer so trieben. „Es gab natürlich ein wildes Besäufnis“, verriet Matthias Roeper den älteren Damen in seiner Zuhörerschaft.

1962 wurde diese Tradition dann zum Politikum, als nämlich erstmals zwei weibliche Stadtverordnete ins Amt kamen. Was nun, da der Stadtrat traditionell zum Herrenfrühstück am Montag eingeladen war? Ganz pfiffig entschied man sich, die beiden Damen zu Herren ehrenhalber zu ernennen - und offenbar wurde das als Aufwertung ihrer Person betrachtet.

Matthias Roeper hat auch eigene Erfahrungen mit dem Erntefest gesammelt. So sollte es 1975 keinen Weckruf am Morgen geben, damit die Gäste aus der französischen Partnerstadt in Ruhe ausschlafen konnten. „Wir haben uns also selbst Fräcke angezogen, eine Kapelle engagiert und sind dann mit 500 Leuten morgens um 6 Uhr durch die Stadt gezogen“, sagt Roeper. „Den Franzosen hat’s gefallen.“

Erinnerungen der Senioren

Auch bei den Zuhörern rief der Vortrag Erinnerungen wach. Elisabeth Heinze, die heute in Eschwege wohnt, weiß noch, dass man in ihrer Jugend nicht allein, sondern nur in Gruppen, also mit Klassenkameraden oder dem Sportverein, das Erntefest besuchte. Mit den Mistgabelstudenten der Kolonialschule wagte sie dann gerne ein Tänzchen. Irmgard Demandt hätte als junge Frau gerne öfter das Fest besucht. Allerdings musste sie damals stattdessen die Kühe hüten. „Die Akzeptanz des Erntefestes ist heute leider nur noch bei einer überschaubaren Zahl der Bevölkerung gegeben“, schloss Matthias Roeper etwas traurig.

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