Parlament macht Vorgaben für DRK-Wohnungen

Stadtmauer oder Senioren? Debatte um Witzenhäuser Baudenkmal geht weiter

Beschädigtes Denkmal: Beim Abriss des alten Trafo-Häuschens für das neue, seniorengerechte Wohnen an der Wickfeldtstraße in Witzenhausen wurde auch die Stadtmauer beschädigt. Dabei zeigten sich viele Stellen, an denen das historische Bauwerk in den vergangenen Jahrhunderten ausgebessert wurde.

Witzenhausen. Beim Wort „Stadtmauer“ schrillen bei einigen Stadtverordneten die Alarmglocken.  Im Parlament ging jetzt die Debatte über den Erhalt weiter - teilweise wurden Senioren gegen Mauer ausgespielt

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals so viel über einen Antrag debattiert haben“, sagte etwa Harald Ludwig (SPD). Gemeint war der AfW-Antrag für den Erhalt der Stadtmauer an der Wickfeldtstraße. Das Parlament bügelte ihn nun ab.

Der AfW-Antrag

Die AfW forderte ein Bekenntnis der Stadt zum Denkmalschutz und wollte das DRK über den Magistrat beauftragen, Vorschläge vorzulegen, wie eine Teil-Rekonstruktion der Mauer in die neue DRK-Seniorenwohnanlage eingegliedert werden könnte. Nach stundenlangen Debatten im Ausschuss wich die AfW von der Forderung nach einer vollständigen Wiederhestellung der beschädigten Mauer ab: „Wir wollen den Baulastträger unterstützen“, so Dr. Christian Platner.

Der FDP-Änderungsantrag

Die FDP-Fraktion schlug dagegen vor, dass „der historische Verlauf der Stadtmauer sichtbar bleibt“ – etwa über ein Lichtband, in das der historische Sockel integriert werde. „Eine Integration der gesamten Mauer ist nicht möglich“, sagte Axel Vogelei, dessen Vater Jürgen als DRK-Vorsitzender das Bauprojekt verantwortet. Vogelei wies darauf hin, dass drei Millionen Euro investiert und 15 neue Jobs geschaffen werden sollen.

Die Reaktionen

Die CDU ging hier mit. Jörg Losemann erinnerte an die Überalterung des Landkreises: „Wir wollen dem Bauantrag keine Steine in den Weg legen, die Senioren brauchen unseren Schutz.“ Sein Satz „Ein Pflegeheim ist für uns ein höheres Gut als die Stadtmauer“ brachte Henner Gädtke (Grüne) in Rage: „Ich finde es schade, dass alte Leute gegen die Stadtmauer ausgespielt werden.“ Das DRK habe von Anfang an gewusst, dass sie ein Grundstück mit Stadtmauer kaufen. „Man kann auch woanders bauen.“ Dr. Rita Weber-Wied (Grüne), Markus Keil (SPD) und Andreas Gerstenberg (CDU) beeilten sich zu bekräftigen, dass man einen Kompromiss wolle: modernes, seniorengerechtes Wohnen und den Erhalt des kulturellen Erbes, sowie die Schaffung von Jobs. Platner sagte, dass vor allem Senioren viele Erinnerungen mit der Mauer verbänden und betonte: „Wir wollen nichts vorgeben, das DRK soll doch nur Vorschläge machen.“

Am Ende sorgte die Geschäftsordnung des Parlaments für das Ende des AfW-Antrags: Weil über weiterreichende Änderungsanträge zuerst abgestimmt werden muss und bereits für den FDP-Antrag 20 Stadtverordnete mit „ja“ votierten, kam der AfW-Antrag nicht mehr zum Zuge. Man einigte sich auf die Idee der FDP – mit dem Zusatz, dass sich die Stadt zum Denkmalschutz bekennt. 

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