Stadtverordnete erlauben Wohnen im Umweltschaugarten in Witzenhausen

Leben im Einklang mit der Natur: Im Umweltschaugarten des Vereins Urtica auf dem Rabensberg testen sieben Personen alternative Wohn- und Lebenskonzepte, die die Ressourcen schonen sollen. Die Bewohner produzieren ihren Strom über Solarmodule selbst, fließendes Wasser gibt es nicht, als WC dient eine Komposttoilette. Unser Bild von Zoe Lubbers (links) und Maria Fiedler entstand im Sommer bei einem Besuch im Gemüsegarten. Archivfoto: Leissa

Witzenhausen. Sieben Menschen leben im ökologischen Schaugarten am Rabensberg - und das nun auch ganz legal.

Denn das Witzenhäuser Stadtparlament hat den Weg für das Projekt „Experimentelles Wohnen im Umweltschaugarten" frei gemacht und dafür eigens den Flächennutzungs- und den Bebauungsplan geändert. Jetzt ist der Schaugarten ein „Sondergebiet“: Hier ist das Wohnen erlaubt, die sieben Bewohner dürfen ihr Projekt mit dem Ziel, alltägliches Leben und Umweltschutz in Einklang zu bringen, umsetzen.

Der Grund für die besondere Erlaubnis: Der Schaugarten ist keine „wilde Wohnwagensiedlung“, es bestehe keine Gefahr der Zersiedelung des Außenbereichs, wie Bauamtsleiter Bernd Westermann im Bauausschuss erläuterte. „Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Kooperation mit der Universität, von der auch die Stadt profitiert.“ Denn der Betreiber, der Verein Urtica, arbeitet mit den Fachbereichen Architektur und Ökologische Agrarwissenschaften zusammen. Studierende können ihr Wissen im Schaugarten anwenden und vertiefen. In der Umweltbildungsstätte finden zudem regelmäßig Seminare und Workshops statt.

Trotzdem gibt es einige Auflagen: Die Bewohner dürfen in maximal acht Bauwagen wohnen, die man problemlos wieder entfernen kann. Zudem ist der Bau von Komposttoiletten, drei Gewächshäusern und einem Lehmbackofen erlaubt. Abwasser darf durch eine Schilfbeetkläranlage geklärt werden. Für Besucher soll es einen Parkplatz geben.

Zudem verpflichtet sich Urtica, im Falle einer Vereinsauflösung alle Gebäude wieder zurückzubauen. Der Verein zahlt dafür als Sicherheitsleistung 10.000 Euro auf ein Treuhandkonto. Die Stadt wird die Zufahrt so ausbauen, dass bis zu 16 Tonnen schwere Fahrzeuge der Feuerwehr das 9300 Quadratmeter große Areal erreichen können. Zudem muss ein 100 Kubikmeter Wasser fassender Löschteich gebaut werden.

Bei den Stadtverordneten stieß das Projekt auf Wohlwollen, Vertreter aller Parteien wünschten den Bewohnern viel Erfolg - auch wenn einige von ihnen vorher skeptisch gewesen waren, wie Jürgen Vogelei (FDP) gestand. „Aber jetzt sind ja alle Probleme ausgeräumt.“

Die Bewohner fühlen sich durch den Beschluss befreit, sagt Lena Brinkmann vom Verein Urtica. „Jetzt müssen wir keine Angst mehr vor einer Räumung haben und können so leben, wie wir das momentan gerne wollen.“ Die Unterzeichnung eines städtebaulichen Vertrages sei aber nur der erste Schritt, jetzt müssten sie die Vorgaben umsetzen und unter anderem eine Finanzierung für den Löschteich aufbringen. Witzenhausen sei eine der ersten Städte in Deutschland, die sich traut, ein Leben im Bauwagen zu legalisieren, lobt Brinkmann.

Wer den Garten besichtigen möchte, kann unter Tel. 0157/59 01 62 99 einen Termin vereinbaren - auch im Winter.

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