Gewächshäuser werden auf Autoanhängern montiert

StartUp: Witzenhäuser Studierende wollen mit mobilen Schulgärten durchstarten

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Kinder sollen Spaß am Gärtnern bekommen: Das Team von EdGar möchte den Unterricht in Schulgärten ausdehnen.

Witzenhausen. 2014 haben die Witzenhäuser Studenten Malte Bickel und Marcus Ender mit ihrer Idee „EdGar - der mobile Schulgarten" den Unikat-Ideenwettbewerb für Studierende an der Universität Kassel gewonnen.

Jetzt soll aus dem Projekt eine Geschäftsidee werden. Darüber haben wir mit Stefanie Ender vom EdGar-Team gesprochen.

Wie ist die Idee zu EdGar entstanden?

Ender: Mein Bruder Marcus hat die Grundidee eines Gartenmobils für Schulgärten mit seiner Kommilitonin Sabrina Jochum entwickelt. Er hatte als Gartenbaulehrer gearbeitet und in Witzenhausen eine Schulgarten-AG betrieben. Dabei hat er festgestellt, dass Schulen oft keine geeigneten Gartengeräte oder Lagerräume haben. So entstand die Idee, ein Gartenmobil zu bauen, das eine Mischung aus Gewächshaus und Schuppen ist und von mehreren Schulen genutzt werden kann.

Wie sieht das Projekt momentan aus?

Stefanie Ender

Ender: Derzeit wird das Gartenmobil gebaut. Wir haben das Konzept geändert in ein reines Gewächshaus, das auf einen Autoanhänger montiert wird. Die Gartengeräte werden im Zugfahrzeug transportiert. Das Mobil soll spätestens im Mai fertig sein. Dann werden wir mit der Kesperschule und einer weiteren Schule im Werra-Meißner-Kreis mit der Arbeit im Schulgarten beginnen. Jede Klasse bekommt einen Bereich im Mobil, wo sie ihre Jungpflanzen züchten oder ihre Ernte lagern kann.

Wie funktioniert die Finanzierung?

Ender: Der erste Versuch, das Projekt über Crowdfunding zu finanzieren, hat nicht funktioniert. Der Sieg beim Unikat-Wettbewerb hat dann so viel positive Kraft freigesetzt, dass Marcus sich mit Malte Bickel entschieden hat, das Projekt ernsthaft zu starten. Sie haben mich gebeten, sie bei der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, gemeinsam haben wir uns um das Exist-Stipendium für Gründer vom Bundeswirtschaftsministerium beworben. Das Stipendium stellt uns noch bis Ende April Geld für Sachausgaben und Weiterbildung zur Verfügung und sichert den Lebensunterhalt für uns drei. Die Anschlussfinanzierung ist noch offen: Wir haben uns an Stiftungen gewandt und private Spender geworben. Im August haben wir einen Verein gegründet, der das Projekt weiter tragen soll - etwa über Fördermitgliedschaften. Die Schulen zahlen einen Eigenanteil für unsere Arbeit. Wir wollen künftig eine halbe Lehrerstelle finanzieren und Taschengeld für Praktikanten. Wir brauchen eine fünfstellige Summe.

Hand aufs Herz: Ab wann können Sie von EdGar leben?

Ender: Das kann man noch nicht sagen, im Bildungssektor ist das Geld immer knapp. Der Plan ist derzeit, dass Malte das Tagesgeschäft mit einer halben Stelle betreut, er hat aber auch noch einen anderen Job. Markus plant erst einmal eine große Reise. Ich werde nach Hamburg gehen und das Projekt von dort weiter unterstützen. Die Mitglieder unseres Vereins werden bei der Buchhaltung und dem Internetauftritt helfen.

Was war die größte Herausforderung bei diesem Gründer-Projekt?

Ender: Die Finanzierung ist das Schwierigste, das war aber zu erwarten. Sonst haben wir aber keine unliebsamen Überraschungen erlebt. Für Gründer gibt es ja keine festen Strukturen, man muss sich selbst organisieren. Das haben wir aber sehr gut hinbekommen.

Warum, glauben Sie, wird Ihr Projekt Erfolg haben?

Ender: Weil es gebraucht wird. Wir wollen erreichen, dass der Unterricht im Schulgarten dauerhafter Bestandteil an staatlichen Schulen wird, am besten als eigenes Fach.

Durch das praktische Lernen an der frischen Luft können Kinder die Natur ganz anders erleben als im Klassenzimmer, sie bauen ihre sozialen Kompetenzen aus und lernen viel über Ernährung und Ökologie. Lehrer berichten, dass auch Schüler, die sonst eher still sind, im Garten richtig aus sich herausgehen.

So soll EdGar funktionieren:

Mobiles Gewächshaus: So soll EdGar aussehen.

„EdGar“ steht für „Educational Gardening“ (Englisch für „bildendes Gärtnern“) mit dem Gartenmobil. Das mobile Gewächshaus beherbergt ein Belüftungs-, Heiz- und Bewässerungssystem sowie eine Photovoltaikanlage und ist auf die Bedürfnisse des Gartenunterrichts angepasst. Malte Bickel und und Marcus Ender haben Erfahrung im naturpädagogischen Bereich: Bickel untersuchte für seine Doktorarbeit gartenpädagogische Angebote für Schüler, Ender ist Biologielehrer und Ökologischer Agrarwissenschaftler.

Ihr Konzept sieht vor, mit Schülern das ganze Jahr über den Schulgarten zu bestellen: Von der Planung der Beete über die Aussaat, Aufzucht und Pflege der Gemüsepflanzen bis zur Ernte. Auch das Aufbereiten von Kompost und die Verarbeitung der Ernte in leckeren Gerichten sieht das Konzept vor. Die Schüler sollen in Kleingruppen arbeiten und sich - unter Anleitung - selbst organisieren.

Link zum Thema:

- Website des StartUps EdGar

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