Statt Miete Hilfe im Haushalt: Projekt „Wohnen für Hilfe“ startet

Wollen Teilnehmer des Projektes „Wohnen für Hilfe“ in und Um Witzenhausen gemeinsam betreuen: Georg Gries (Seniorenrat, von links), Karin Weinsberg (Diakonie), Chris Braun (Asta) und Katja Eggert (Bündnis für Familie). Foto: Steensen

Witzenhausen. „Tausche günstiges Zimmer gegen Hilfe im Haushalt" - solche Angebote soll es bald auch in Witzenhausen geben.

Hier startet das Lokale Bündnis für Familien mit dem Diakonischen Werk, dem Seniorenrat und dem Allgemeinen-Studierenden-Ausschuss (Asta) der Universität Kassel-Witzenhausen das Projekt „Wohnen für Hilfe“. Spätestens zum Wintersemester, wenn viele ihr Studium beginnen und noch keine Anlaufstelle in Witzenhausen haben, soll es die ersten Wohnpartnerschaften geben.

In über 30 deutschen Uni-Städten läuft das Projekt bereits, bei dem Studenten sich als Gegenleistung für eine günstige Unterkunft im Mietvertrag verpflichten, etwa Rasen zu mähen, die Katze zu füttern oder im Haushalt zu helfen. Dabei gilt: Pro Quadratmeter Wohnraum soll im Monat eine Stunde Hilfe geleistet werden. Nur Nebenkosten müssen die Studenten dann zahlen.

In Witzenhausen kam der Anstoß von einer alleinlebenden Rollstuhlfahrerin, sagt Karin Weinsberg von der Diakonie. „Sie ist nicht pflegebedürftig, fühlte sich aber in ihrem großen Haus oft einsam.“ Das brachte Weinsberg auf die Idee, „Wohnen für Hilfe“ in die Kirschenstadt zu holen. Angesprochen sind neben Senioren auch Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende und Familien - kurz jeder, der sich Hilfe wünscht. Georg Gries vom Seniorenrat findet das Projekt wichtig: „In Witzenhausen und seinen Stadtteilen leben 4500 Menschen, die älter als 60 sind.“ Für sie sei das Projekt eine Chance, mit Hilfe der Studenten länger zu Hause leben zu können.

Für Katja Eggert vom Bündnis für Familie bemisst sich der Erfolg nicht in der Zahl, sondern in der Stabilität der Wohnpartnerschaften. Mittels Fragebögen wollen die Organisatoren Menschen finden, die gut zueinander passen. „Offenheit müssen alle Beteiligten mitbringen“, sagt Eggert. „Man muss sich auf den neuen Mitbewohner einlassen.“ Wer nur kurzzeitig eine Bleibe sucht, sei hier fehl am Platz. (fst)

Ansprechpartner für Interessierte 

Wer sich an „Wohnen für Hilfe“ beteiligen will, meldet sich bei folgenden Kontaktpersonen.

• Vermieter: Katja Eggert (Tel. 0 55 42/50 81 05, E-Mail: Katja.Eggert@witzenhausen.de) oder Karin Weinsberg (Tel. 0 55 42/91 11 70, E-Mail: asl-wiz@deswi.de).

• Studenten: Fachschaftsrat der Uni (Tel. 0 55 42/98 12 33, studiberatung@gmail.com)

An der Universität Göttingen wurden 2015 schon sieben Wohnpartnerschaften vermittelt. In Kassel soll das zwischenzeitlich eingeschlafene Projekt zum Wintersemester wiederbelebt werden, so Chris Bauer (Asta).

www.wfh-kassel.de

www.studentenwerk-goettingen.de

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