33 Studenten aus 22 Nationen berichten über Start in Witzenhausen

22 Nationen in einem Studiengang: Jigish Shah aus Indien (23, von links), Ricky Satim aus Indonesien (24) und Veronica Alegria aus El Salvador (27), Foto: C. Hartung

Witzenhausen. Als der 24-jährige Student Ricky Satim aus Indonesien das erste Mal in Witzenhausen in den Supermarkt ging, war es für ihn wie ein Ratespiel.

„Ich konnte überhaupt nichts lesen. Also habe ich einfach etwas genommen, was aussah wie Käse“, erzählt Ricky und lacht. Gemeinsam mit 32 anderen jungen Menschen hat er im vergangenen Oktober den Master-Studiengang „International Food Business and Consumer Studies“ (Internationaler Lebensmittelhandel und Verbraucherstudien) begonnen. Das Besondere in dieser Studiengruppe: die 33 Studenten stammen aus 22 unterschiedlichen Nationen.

Auch Veronica Alegria aus dem südamerikanischen El Salvador gehört zu der bunt gemischten Gruppe. Ein bisschen chaotisch gestaltete sich die Anreise bei der 27-Jährigen, die jetzt mit drei deutschen Mädels und zwei Jungs aus Ghana und Syrien in einer Wohngemeinschaft lebt. „Ich habe den Ausstieg in Witzenhausen verpasst“, erzählt sie. Am Anfang habe sie sich etwas verloren gefühlt. „Ich hatte keinen Internetzugang. Aber zum Glück haben mir meine Mitbewohner ihr Kabel geliehen, bis ich einen eigenen Anschluss hatte.“

Jigish Shah, der aus der Nähe der 12-Millionen-Metropole Mumbai in Indien stammt, war geschockt, als er in Witzenhausen ankam. „Ich wusste ja, dass es eine kleine Stadt ist. Aber so hatte ich mir das dann doch nicht vorgestellt.“ Auch bei Ricky rief die Ankunft in Witzenhausen ein merkwürdiges Gefühl hervor. „Als ich am Bahnhof stand, war dort einfach niemand.“ Mittlerweile haben sich die beiden aber an das überschaubare Städtchen gewöhnt. „Man bekommt hier alles, was man braucht. Und bis nach Kassel oder Göttingen ist es ja auch nicht so weit“, sagt Jigish. Schmunzeln müsse er jedes Mal, wenn er nach der Uni nach Hause kommt. Denn egal ob von der Bank, der Uni oder der Stadt, immer sei etwas im Briefkasten. „Das kenne ich so gar nicht. Man bekommt einfach für jede Kleinigkeit einen Brief geschickt.“ Und noch etwas sei für Jigish , Ricky und Veronica sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. „Hier ist Sonntags ja alles zu. Nicht mal der Bäcker hat geöffnet“, sagt Veronica.

Das Weihnachtsfest verbringen die drei Studenten auf unterschiedliche Weise. „Ich fahre nach Dresden zu einer Familie, die ich mal in Brasilien kennengelernt habe“, erzählt die 27-jährige Veronica. Ricky fährt mit Freunden nach Italien und Jigish verbringt die Feiertage in Amsterdam. „Wir Hindus feiern gar kein Weihnachten“, erklärt er. Besonders der Glühwein auf den Weihnachtsmärkten hatte es ihm angetan. „Das ist wirklich lecker.“

Veronica schätzt eines an Witzenhausen ganz besonders: „Ich dachte, man muss sich hier ganz alleine durchschlagen.“ Aber genau das Gegenteil sei der Fall. „Man bekommt von jedem geholfen, egal wen man fragt. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“

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