Studenten organisieren Konferenz über Arbeit in der Landwirtschaft

Handarbeit ist immer noch gefragt: Auch wenn weite Teile der Arbeit in der Landwirtschaft mittlerweile von Maschinen erledigt werden, können manche Aufgaben nur per Hand ausgeführt werden. Um die Arbeitsbedingungen geht es in der 23. Witzenhäuser Konferenz. Unser Symbolbild zeigt Erntehelfer, die in Niedersachsen auf einem Kartoffelroder die Steine aussortieren. Foto:  Schulze/dpa

Witzenhausen. Die Herkunft von Gemüse, Fleisch und Milchprodukten wird für viele immer wichtiger. Die Produktionsbedingungen leider nicht - haben Studenten aus Witzenhausen beobachtet.

Doch während sich viele Konsumenten für Pestizideinsatz, Nährstoffe und ökologische Anbaumethoden interessieren, sind die Arbeitsbedingungen, unter denen Lebensmittel hergestellt werden, selten Thema. Sieben Studenten aus Witzenhausen wollen das ändern: Sie stellen die diesjährige Witzenhäuser Konferenz unter das Motto „Frohes Schaffen? Arbeiten in der Landwirtschaft“.

Die Tagung für Studenten, Lehrlinge, Landwirte, Wissenschaftler und Verbraucher findet von Dienstag, 1. Dezember, bis Samstag, 5. Dezember, auf dem Campus am Nordbahnhof statt. In Vorträgen und Workshops soll das Thema von allen Seiten beleuchtet werden, sagen Katharina Varelmann und Sarah Kuschel vom Organisationsteam.

Im Studium, in der Agrarwissenschaft und in Fachzeitschriften würden Arbeitsbedingungen für Menschen in der Landwirtschaft nur selten thematisiert, haben die Studenten bemerkt. „Es geht höchstens darum, wie man effizienter und kostensparender produzieren kann.“ Die Bio-Anbauverbände geben zwar genaue Regeln für den Einsatz für Dünger vor, aber nur schwammige Sozialstandards.

Projektarbeit über zwei Semester: Merlin Politor (von links), Sylvia Ewers, Maximilian Ahlert, Franca Fiederer, Holger Mittelstraß, sowie sitzend Katharina Stamp, Katharina Varelmann und Sarah Kuschel organisieren die Witzenhäuser Konferenz. Foto: privat/nh

Den Studenten ist wichtig zu zeigen, dass Landwirtschaft wenig mit den romantischen Bildern in den beliebten „Land“-Magazinen zu tun hat. Vor allem Auszubildende und Saisonarbeiter verdienen oft erschreckend wenig. Die Lohnuntergrenze für Saisonkräfte liegt derzeit bei 7,40 Euro - und wird erst schrittweise auf den Mindestlohn angepasst. „Viele können sich die Bioprodukte, die sie herstellen, nicht leisten“, sagt Varelmann. Lange Arbeitstage, wenig Urlaub und geringe Einkünfte seien weit verbreitet. Den Betriebsleitern könne man dabei oft keinen Vorwurf machen. „Der wirtschaftliche Druck ist sehr hoch, die Betriebsleiter bereichern sich ja selbst auch nicht“, so Varelmann. Viele nähmen diese Arbeitsbedingungen aus Idealismus in Kauf - und setzen dabei ihre Gesundheit aufs Spiel.

Stolz sind die Organisatoren darauf, neben Referenten aus der Landwirtschaft auch Politologen, Soziologen, Berater und Gewerkschafter aus dem In- und Ausland gewonnen zu haben, die sich mit Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft beschäftigen. Beim Markt der Möglichkeiten stellen Betriebe ihre Arbeit vor. „Wir wollen ja auch positive Beispiele zeigen“, so Kuschel. (fst)

Service: Freikarten für Azubis

Die Teilnahme an der Konferenz kostet 50 Euro/Woche (ermäßigt 35 Euro), Tageskarten 20 Euro (15 Euro). Für Azubis aus der Landwirtschaft gibt es Freikarten. Der Eintritt zum Vortrag „Hohe Güter, niedrige Löhne - Ausbeutung entlang der Wertschöpfungskette“ am Dienstag, 19 Uhr, ist kostenfrei. Das Programm:

http://zu.hna.de/WizKonf2015

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