Gegen Rassismus

Studierende der Universität in Witzenhausen verhüllen Büste von Ernst Albert Fabarius

Büste, die mit durchsichtiger Folie umwickelt ist und daneben ein Banner mit der Aufschrift: koloniale Denkmäler dekonstruieren, Agrargeschichte institutionalisieren
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Protest: Studierende haben die Büste von Ernst Albert Fabarius im Innenhof der Universität Kassel in Witzenhausen als Protestaktion eingehüllt.

Um ein Zeichen gegen Rassismus und für die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit zu setzen, haben sich Studierende der Universtität Kassel in Witzenhausen eine Protestaktion überlegt.

Witzenhausen – Studierende haben gestern im Innenhof der Uni in Witzenhausen die Büste von Ernst Albert Fabarius eingehüllt. Das taten die Studierenden des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel als Zeichen gegen Rassismus und für die Aufarbeitung der kolonialen Geschichte, wie sie mitteilten.

Fabarius, der 1927 starb, war Gründer und lange Direktor der Kolonialschule. Außerdem war er ab 1917 Vorsitzender der „Deutschen Vaterlandspartei“ (DVLP) in Witzenhausen.

In diesen Funktionen habe er „zur Verbreitung nationalistischer, antisemitischer und völkischer Ideologien“ beigetragen, heißt es in der Mitteilung weiter. „Neben der Vermittlung von praktischem Wissen wurde in Witzenhausen auf institutioneller Ebene eine deutsch-nationalistische und rassistische Weltanschauung propagiert und vermittelt.“

Verhüllung der Fabarius-Büste: Protestaktion an speziellem Datum

Ab 1928 galt der 18. Januar als sogenannter „Fabarius-Tag“, der mit jährlichen Gedenkfeiern an den ehemaligen Direktor erinnern sollte. Noch bis Anfang der 2000er-Jahre hätten Kranzniederlegungen an der Büste stattgefunden.

Zudem ist der 18. Januar der Jahrestag der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. „Bereits diese Tatsache verweist auf den engen Zusammenhang des damals errichteten deutschen Nationalstaats mit Kolonialismus und Rassismus“, so die Stellungnahme der Studierenden weiter.

Die Aktion, die die Studierenden bewusst auf dieses Datum gelegt hätten, knüpfe an die internationale „Black lives matter“-Protestbewegung an, die sich gegen strukturellen und institutionellen Rassismus richtet.

Verhüllung der Fabarius-Büste: Studierende fordern Entfernung und Umbenennung

Die Studierenden, die die Aktion im Rahmen des Projektseminars „(Post)koloniale Erinnerungskulturen und kollektives Gedächtnis“ vorbereitet haben, forderten wissenschaftliche Aufarbeitung der Kolonialgeschichte, die öffentliche Diskussion darüber sowie die Entfernung der Büste und die Umbenennung der Fabariusstraße.

Die Verhüllung sei „ein symbolischer Akt, um Aufmerksamkeit auf das koloniale Erbe zu lenken, und für bis heute bestehende Problematiken zu sensibilisieren“. „Ich wünsche mir einen reflektierten Umgang mit der Geschichte und dabei im offenen Gespräch mit den heute Beteiligten zu bleiben“, sagt Studentin Johanna.

Verhüllung der Fabarius-Büste: Beitrag leisten

Auch für Kommilitone Tim Carlo ist die Aufarbeitung wichtig. Deshalb bedauert er, dass es in Witzenhausen keine Professur für Agrargeschichte gibt: „Wir sind sehr froh, dass es das Seminar überhaupt gab und wir Frau Metzger dafür gewinnen konnten.“ Gemeint ist Dr. Birgit Metzger vom Lehrstuhl für Neuere und Landesgeschichte der Universität des Saarlandes.

Sie erklärte, dass man mit der Verhüllung „einen Beitrag zur Debatte über den Umgang mit kolonialen Denkmälern allgemein und in Witzenhausen/Uni Kassel im Besonderen“ leisten wolle.

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