Mega-Stromleitung soll durch Region gehen

Suedlink-Entscheidung enttäuscht Politiker im Werra-Meißner-Kreis

Demonstrationen gegen das Suedlink-Projekt mit mehreren Spruchbändern und Schildern am Marktbrunnen auf dem Marktplatz von Bad Sooden-Allendorf.
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Fast ein Jahr her: Mitte Dezember 2019 fand eine von mehreren Demonstrationen gegen das Suedlink-Projekt durch den Werra-Meißner-Kreis statt, diesmal auf dem Marktplatz von Bad Sooden-Allendorf.

Enttäuschung über die Entscheidung der Bundesnetzagentur (BNA), dass die Megastromleitung Suedlink von Nord nach Süd durch den Werra-Meißner-Kreis gelegt werden soll, machte sich am Dienstag in allen von dem Trassenkorridor betroffenen Städten und Gemeinden breit. Am Montagnachmittag war die von der BNA bislang immer noch nicht mitgeteilte, allerdings in ihren Unterlagen im Internet nachlesbare definitive Entscheidung durchgesickert.

Werra-Meißner – Nicht nur von Enttäuschung und Unverständnis, von Bedauern und Überraschung über den Zeitpunkt ist die Rede, insbesondere bei der Bürgerinitiative Werra-Meißner gegen Suedlink klingen auch Fassungslosigkeit und Wut durch. „Angeblich wurde fachlich geprüft“, versteht BI-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann in einer ersten Reaktion die Welt nicht mehr. Das sei nur zur Beruhigung der Bevölkerung insbesondere im Werra-Meißner-Kreis vorgeschoben worden, derweil man „an die Atomlobby verkauft“ werde.

Ebenso „maßlos enttäuscht“ sei er aber auch von der bisherigen Unterstützung durch die heimischen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker aller Parteien, womit er vor allem auf die Bürgermeister zielt. Wenn ein Baum gegen Suedlink gepflanzt werde, so der BI-Sprecher Heuckeroth-Hartmann, kämen alle zum Fototermin, sonst hätten sie nichts unternommen. Einzige Hoffnung Heuckeroth-Hartmanns, die Trasse durch den Landkreis noch zu verhindern, sei der Klageweg. Der kann auch erst jetzt, wenn das Planfeststellungsverfahren als nächster Schritt zum genauen Bestimmen der Trasse eingeleitet wird, beschritten werden.

Im Haushalt des Werra-Meißner-Kreises hat der Kreistag dafür schon 30 000 Euro vorsorglich eingestellt. Man behalte sich vor, „alle möglichen Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen“, gab Landrat Stefan Reuß (SPD) schon am Montagabend bekannt. Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann (Grüne) kündigte an, die sehr umfangreichen Begründungen der BNA – auf 455 Seiten – würden jetzt zunächst geprüft.

„Scheinbar interessiert es nicht, dass Mensch, Umwelt und Natur hier in Mitleidenschaft gezogen werden.“, kritisiert der SPD-Landtagsabgeordnete Knut John. „Leider haben wir den Kampf verloren“, beklagte seine Kollegin Karina Fissmann. Besonders hart würde es unter anderem Bad Sooden-Allendorf, die Firma Köhler Kalk in Meißner oder den Ringgau treffen, „sollte man hier die falsche Route einschlagen“, sagen beide.

Dies waren nur die ersten kritischen Stellungnahmen von vielen Politikern, die am Dienstag gegen die Entscheidung zum Korridor für die Suedlink-Trasse laut wurden.

Man habe „sehr deutlich auf die Belastung der Bevölkerung durch ortsnahe Trassenführungen hingewiesen und auch die Schädigung unserer ökologisch hochsensiblen Landschaftsräume thematisiert“ und „auf erhebliche Fehler in der bisherigen Planung hingewiesen – leider wohl ohne Erfolg“, bedauerte Landrat Stefan Reuß (SPD).

Sein Stellvertreter Dr. Rainer Wallmann (Grüne) machte in derselben Pressemitteilung deutlich: „Wir akzeptieren nur eine auf nachvollziehbaren Fakten basierende und nicht politisch motivierte Entscheidung zum Trassenverlauf“.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth sieht in der Entscheidung der Bundesnetzagentur „eine herbe Enttäuschung für die gesamte Region“. Er selbst sei insbesondere an der hessischen Landesregierung enttäuscht, „die es in den vergangenen Monaten an Einsatz in Sachen Suedlink hat vermissen lassen“. Roth hätte sich gewünscht, dass die Landesregierung an der Seite von Bürgerinitiativen, Anwohnern sowie Politikern aus Kommunen, Land und Bund „viel stärker für die Interessen der Region gekämpft hätte.”

Als „eine große Enttäuschung für die gesamte Region“, kommentiert die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt die Entscheidung. Die Unterlagen dazu „weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei vielen Schutzgütern erhebliche Umweltauswirkungen und Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden können.“, erklärte sie. Daher hält sie es für „notwendig, die nächsten Schritte bei diesem Projekt weiterhin kritisch zu begleiten und Ergebnisse gegebenenfalls zu hinterfragen und zu korrigieren.“

Zudem redet Arnoldt das Wort für dezentrale Energieversorgung statt ausschließlich „Monster-Stromtrassen“. Ähnlich äußert sich Knut John: „Fraglich ist, ob wir den Suedlink überhaupt brauchen für eine Energiewende.“ (sff)

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