Tests, Vertrauen und Bewusstsein

So erleben zwei Jugendliche die Corona-Pandemie

Jung sein während der Pandemie: Moritz Schäfer (17) aus Witzenhausen und Talia-Emilia Ludolf (18) aus Ellingerode berichten, was sich für sie verändert hat, was gleich geblieben ist und was sie sich wünschen.
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Jung sein während der Pandemie: Moritz Schäfer (17) aus Witzenhausen und Talia-Emilia Ludolf (18) aus Ellingerode berichten, was sich für sie verändert hat, was gleich geblieben ist und was sie sich wünschen.

Seit Beginn der Pandemie kamen selten die zu Wort, deren Zukunft durch Corona maßgeblich beeinflusst wird: Jugendliche. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen – über Schule, Freunde und die Maßnahmen, aber auch über ihre Wünsche für danach.

Witzenhausen – Talia-Emilia Ludolf aus Ellingerode ist 18, Moritz aus Witzenhausen ist 17. Beide gehen auf die Beruflichen Schulen in Witzenhausen.

„Bei mir läuft es gut“, sagt Moritz. „Ich hab das Glück, dass ich im Präsenzunterricht bin. Online-Unterricht kann problematisch sein, weil die Lehrer teilweise mit der Technik nicht so zurechtkommen.“ Das bestätigt Talia: „Durch Corona ist die Schule ziemlich stressig geworden. Die Lehrer versuchen, die Situation so gut wie möglich zu meistern, aber das klappt nicht immer.“

Als Jugendliche sind sie mit der Technik aufgewachsen und kennen sich gut damit aus, sagt Moritz. Dass es den Lehrern oft anders gehe, sei aber nicht das einzige Problem. „Es gibt ein Dorf in der Nähe, da können maximal drei Leute ins Internet, sonst ist die Verbindung weg und Empfang für Mobile Daten gibt es dort auch nur auf einem Gullideckel“, berichtet er und hat auch eine Ahnung, woran das liegen könnte: „Der Internetausbau ist nicht so weit, wie es notwendig gewesen wäre, um den Online-Unterricht gut umzusetzen.“

Moritz ist im Abschlussjahr und deshalb im Präsenzunterricht. „Man denkt am Anfang gar nicht, dass da so ein großer Vorteil ist, aber das ist es.“ Auch Talia, die in die zwölfte Klasse geht, muss in die Schule. „Ich persönlich habe viel nachzubereiten, aber das hängt von den eigenen Zielen ab“, sagt sie. „Ich bin ehrgeizig und möchte gute Noten erreichen.“ Deshalb endet ihr Tag meist erst gegen 23 Uhr. „Es ist nicht so, dass man dazwischen fünf Stunden Pause macht, man sitzt in der Regel pausenlos am Schreibtisch.“ Viel Freizeit bleibt nicht. Sie telefoniere an Wochenenden aber regelmäßig mit Freunden. „Wir sind alle vorsichtig und treffen uns nicht, sondern telefonieren abends lieber länger“, sagt Talia. „Klar fehlt es, sich persönlich auszutauschen, aber das Risiko einer Ansteckung ist einfach zu hoch.“

Moritz fehle es, im Verein Basketball zu spielen und Freunde zu sehen, aber auch er will das Risiko gering halten. „Ich finde es in Anbetracht der Tatsache, dass wir es mit einer gefährlichen, globalen Pandemie zu tun haben, in Ordnung“, sagt der 17-Jährige. „Wir sollten alle unsere Ansprüche ein Stück zurückfahren und froh sein, dass wir noch gesund sind.“ Viel Zeit zuhause zu verbringen, sieht er entspannt: „Ich bin in einer glücklichen Position, weil ich mich gut mit meiner Familie verstehe.“ Ein Stück Normalität sei da, denn: „Ich bin in einer Phase, in der sind Mama und Papa nicht unbedingt die erste Wahl, wenn man was machen möchte. Das ist relativ normal geblieben.“ Bei Talia hat sich da auch nicht viel verändert, ihr Familienleben sei schon vor Corona eng gewesen.

Beide finden: Ein Teil des Jung-Seins bleibt auf der Strecke. „Die zwischenmenschliche Bindung fehlt“, sagt Talia, „sowie Erfahrungen sammeln zu können und den Horizont zu erweitern.“ Es sei aber wichtig, das große Ganze im Auge zu behalten. „Im Vergleich finde ich es sehr moderat“, sagt Moritz. „Wir haben noch viel vom Leben übrig, sodass wir ein paar Dinge nachholen können.“

Beide machen sich Gedanken darüber, was besser laufen könnte. Moritz fände es gut, wenn in der Schule zweimal wöchentlich auf Corona getestet würde. Außerdem wünscht er sich: „Man sollte der Schule mehr vertrauen und Schulleitung und Lehrern die Kompetenz zusprechen, dass sie manches selbst managen können.“ Talia möchte darauf aufmerksam machen, dass das Bewusstsein für die Leistung, die Schüler während Corona erbringen, steigen müsse. „Mir wurde unter anderem schon gesagt: Der Lockdown ist doch schön, da kannst du mal abschalten“, erklärt die 18-Jährige. „Das Gegenteil ist aber der Fall, es wird viel mehr erwartet.“

Trotz der schwierigen Situation haben sie schon Ideen, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Ich würde gern ein Auslandsjahr machen, das ist aber angesichts der Pandemie natürlich noch nicht sicher“, sagt Moritz. „Danach möchte ich Erzieher werden.“ Talia möchte später in die Wirtschaft gehen. „Ich strebe aber nicht das klassische BWL-Studium an, weil das von zu vielen als Studienfach gewählt wird“, sagt sie. „Ich muss mal schauen, wohin es mich verschlägt, aber ich möchte definitiv in einer Großstadt studieren.“ (sdr)

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