Mindestens fünf Teststellen sollen bleiben

Ab 11. Oktober kosten offizielle Corona-Tests Geld – Regeln im Werra-Meißner-Kreis noch offen

Künftig kostenpflichtig: Für Coronaschnelltests müssen die meisten Bürger ab dem 11. Oktober bezahlen. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa
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Künftig kostenpflichtig: Für Coronaschnelltests müssen die meisten Bürger ab dem 11. Oktober bezahlen.

Nach Vorgabe von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen offizielle Coronatests für Ungeimpfte ab 11. Oktober Geld kosten – so soll der Anreiz erhöht werden, sich impfen zu lassen.

Werra-Meißner – Welche Folgen das für die Testinfrastruktur im Werra-Meißner-Kreis haben wird, ist zwei Wochen vor dem Start noch unklar. „Die notwendigen Verordnungen liegen noch nicht vor, sollten aber nach der Bundestagswahl erlassen werden“, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen vergangene Woche auf Anfrage.

Laut Kreissprecher Jörg Klinge gab es seit Beginn der Bürgertests am 15. März insgesamt 35 Teststellen im Landkreis. Derzeit sind noch 26 aktiv, nicht alle werden ab 11. Oktober erhalten bleiben. Es gebe aber eine Absprache mit dem DRK, dass zumindest in Hessisch Lichtenau, Witzenhausen, Eschwege, Bad Sooden-Allendorf und Sontra die Teststellen zunächst weiter betrieben werden sollen.

Man gehe davon aus, dass auch viele Ärzte und Apotheken den Testbetrieb vorerst aufrechterhalten, so dass es eine ausreichende Testkapazität geben sollte.

Nachfrage nach Tests sinkt mit steigender Impfquote

Das sei aber nur möglich, wenn die Betreiber der Teststellen kostendeckend arbeiten können, sagt Wolfgang Frühauf, Vize-Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Witzenhausen, der im Auftrag des Kreises fünf Teststellen betreibt. Auch Thomas Wuth, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Eschwege bestätigt die schwierige Kalkulation: Schließlich werden die Betreiber nicht pauschal für ihren Personaleinsatz entlohnt, sondern nach der Zahl der vorgenommenen Tests.

„Die Nachfrage geht merklich zurück, je mehr Menschen sich haben impfen lassen“, sagt Frühauf. Nach der Hochphase im April und Mai sind die Testzahlen nun etwa um die Hälfte niedriger. „Seit dem Start der Aktion wurden bis einschließlich 37. Kalenderwoche im Kreis 153 558 Coronaschnelltests durchgeführt, von denen 302 positiv ausgefallen sind“, so Klinge.

Das entspräche 0,2 Prozent. Die meisten Tests – genauer 10 842 Schnelltests – wurden in der 20. Kalenderwoche ab 15. Mai gemacht. „In der 37. Kalenderwoche ab dem 13. September wurden noch 4 127 Tests registriert.“

„Grundsätzlich können die aktuellen Teststellenstrukturen auch nach dem 11. Oktober bestehen bleiben“, sagt Kreissprecher Jörg Klinge. „Die geplanten Änderungen beziehen sich nur auf die Testvergütung.“ Das heißt: Statt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) müssen die Bürger den entsprechenden Test selbst bezahlen.

Laut dem Bundesgesundheitsministerium haben Kinder unter zwölf Jahren und chronisch Kranke, die sich nicht impfen lassen können, weiter einen Anspruch auf einen kostenlosen Coronatest pro Woche – ebenso wie Menschen, die einen negativen Test zum Ende einer angeordneten Quarantäne vorweisen müssen.

Jugendliche bis 18 Jahren und Schwangere können sich bis Jahresende noch kostenfrei testen lassen – für sie gibt es eine Übergangsregel, weil die Ständige Impfkommission mittlerweile auch für sie eine Impfempfehlung ausgegeben hat.

Zahlungsmodalitäten sind noch offen

Die Zahlungsmodalitäten für alle anderen Bürger sind noch offen, sagt KVH-Sprecher Karl Roth auf Anfrage. Thomas Wuth, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Eschwege, beobachtet das mit Sorge: „Wir wollten unsere Teststellen eigentlich bargeldlos betreiben.“

Für die Anbieter der Teststellen lohnt sich der Einsatz nur, wenn sie mindestens ihre Kosten ersetzt bekommen: Seit dem 1. August wurde die Bezahlung pro Schnelltest von zwölf auf acht Euro reduziert. Nach weiteren Abzügen blieben etwa 6,50 Euro pro Test übrig, sagt Wolfgang Frühauf, stellvertretender Kreisvorsitzender des DRK-Kreisverbands Witzenhausen.

Man habe knapp 50 Mitarbeiter in den Teststellen, pro Einsatzort werden in einer Sechs-Tage-Woche sechs bis acht Personen benötigt, so Frühauf. Zumeist habe man Helfer über 450-Euro-Jobs für die Teststellen eingestellt, weil die Aufgabe mit dem bisherigen DRK-Personal und ehrenamtlichen Helfern nicht zu stemmen sei.

Teststellen bieten vorerst nur Schnellstests an

„Die Teststellen, die das kostenlose Bürgertesten anbieten, verwenden ausschließlich Schnelltests“, so Kreissprecher Jörg Klinge. Anders als angeordnete PCR-Tests seien freiwillige, etwa für die Auslandsreise, immer kostenpflichtig und würden dies auch bleiben. Sie sind bei Praxen, Krankenhäusern oder speziell ausgerüsteten Teststellen möglich. Der DRK-Kreisverband Witzenhausen prüft, ob er ergänzend PCR-Tests anbieten und dafür eine Laborausrüstung anschaffen kann.

Da nicht absehbar sei, wie sich die Testsituation ändere, habe der Kreisverband die Verträge um weitere sechs Monate verlängert – mit der Option, sie vorzeitig kündigen zu können, wenn keine Teststellen mehr benötigt werden. Auf der Straße stehen würde dann aber keiner, sagt Frühauf. Viele hätten das nur als Nebenjob gemacht – darunter auch viel Personal aus der Gastronomie, das lange in Kurzarbeit war. „Das war für beide Seiten ein Gewinn“, sagt Frühauf. „Köche und Kellner sind in Hygiene und Dienstleistung geschult, sie sind für die Aufgabe im Testcenter also sehr geeignet.“

Kosten stehen noch nicht fest

Wie viel die Corona-Tests ab Oktober für die Bürger kosten werden, ist noch offen. Wolfgang Frühauf vom DRK Witzenhausen schätzt die Kosten für offizielle Schnelltests vorsichtig auf 20 bis 25 Euro, die für PCR-Tests auf 40 bis 50 Euro.

Laut Kreissprecher Jörg Klinge können die Teststellenbetreiber die Preise selbst festlegen: „Es wird aber davon ausgegangen, dass die Testpreise über den Vergütungssätzen der KVH liegen werden, sodass die Teststellenbetreiber in der Lage sein werden, eine Kostendeckung zu erreichen.“ Der Landkreis sei nicht in der Pflicht, diese Kostendeckung etwa über Zuschüsse zu gewährleisten oder selber Teststellen vorzuhalten.

Bis jetzt war es oft so, dass auch Geimpfte einmal pro Woche ihren kostenlosen Coronatest nutzten, um sicherzugehen, dass sie nicht ansteckend sind. „Das ist sehr solidarisch und ein starkes Signal“, lobt Frühauf: „Trotzdem ist es richtig, diese Kosten nicht dauerhaft dem Steuerzahler aufzubürden.“

Mindestens fünf Teststellen des DRK sollen bleiben

Geplant ist, dass das DRK Witzenhausen zunächst die Teststellen in Witzenhausen, im Hotel Pelikan in Bad Sooden-Allendorf, in Hessisch Lichtenau und in Großalmerode weiter betreibt. Der Standort am Steineckel in Sooden wurde zum 15. September stillgelegt, um den Personaleinsatz auf Allendorf zu konzentrieren.

Um die Kosten im Griff zu behalten, könnten die Teststellen auch die Öffnungszeiten kürzen, so Wuth. Von den ehemals fünf Teststellen im Südkreis betreibt das DRK nur noch zwei in Eschwege und Sontra: „Die anderen haben wir in Standby versetzt und könnten sie bei Bedarf wieder in Betrieb nehmen.“

Auch der Gesunde Werra-Meißner-Kreis (GWMK) will weiterhin das DRK bei den Testungen in der Teststelle des DRK in Hessisch Lichtenau einmal wöchentlich unterstützen, solange es gewünscht werde, sagt Sprecherin Judith Strecker. „Sollte das DRK künftig beauftragt werden, mobil zu impfen, um Sonderimpftermine etwa in Seniorenheimen zu gewährleisten, helfen wir bei der Koordination“, sagt Steven Renner, Geschäftsstellenleiter vom GWMK. „Wir merken, dass es an einigen Stellen deutlich weniger Nachfragen bezüglich der Termine der Schnelltests gibt. Wenn es dazu Fragen gibt, rufen die Leute uns an. Aber das hat sich alles gut eingespielt.“ (Friederike Steensen)

Alle Infos, Kontaktdaten und die Möglichkeit zur Terminvergabe für Corona-Teststellen im Werra-Meißner-Kreis gibt es hier.

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