Tiere sollen nun vermehrt gejagt werden

Wildschweine verwüsten Start- und Landebahn in Witzenhausen

Wildschweine wüten auf dem Flugplatz in Witzenhausen: Wenn die Piloten bei einer Landegeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern (Segelflieger) bis 110 Stundenkilometern (Motorsegler) die Löcher zu spät sehen und nicht mehr ausweichen können, können die Fahrwerke gestaucht werden.

Witzenhausen. Trotz bestem Fliegerwetter läuft der Flugbetrieb für Motor- und Segelflugzeuge auf dem Burgberg bei Witzenhausen derzeit eingeschränkt. Grund: Hungrige Wildschweine.

Lexikonwissen:

Der Luftsportverein Witzenhausen im Regiowiki

Die Wildschweine haben auf der Suche nach Regenwürmern eine der beiden Start- und Landebahnen verwüstet. Der Luftsportverein Witzenhausen musste deshalb die von Nordost nach Südwest verlaufende Querbahn vorläufig sperren.

„Es wäre einfach zu gefährlich, die Landebahn jetzt zu benutzen“, sagt Vize-Vorsitzender Wolfgang Moser. Wenn die Piloten bei einer Landegeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern (Segelflieger) bis 110 Stundenkilometern (Motorsegler) die Löcher zu spät sehen und nicht mehr ausweichen können, können die Fahrwerke gestaucht werden. Bei den Kleinflugzeugen und Motorseglern sind zudem die Propeller gefährdet, wenn die Maschinen in ein Loch geraten und kippen.

Seit etwa vier Wochen wühlen die Wildschweine in unregelmäßigen Abständen auf der Querbahn und am Abstellplatz für die Segelflugzeug-Transporter. Sie tun das, weil sie sich vorher im nahen Wald den Bauch mit Eicheln vollgeschlagen haben, sagt Moser nach Rücksprache mit dem örtlichen Jagdpächter.

Ordentlich gewühlt: Wolfgang Moser zeigt die Schäden, die die Wildschweine auf der Landebahn hinterlassen haben. Foto: Steensen

Diesen Zusammenhang bestätigt auch Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, das für den nördlichen Werra-Meißner-Kreis zuständig ist. Wenn Wildschweine viel pflanzliches Eiweiß in Form von Eicheln gefressen haben, müssten sie danach viel tierisches Eiweiß zu sich nehmen, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten, erklärt der Fachmann. „Deshalb gibt es in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Schäden, weil die Wildschweine vermehrt nach Würmern und Käferlarven wühlen.“ Allerdings, so Dumm, besteht der Baumbestand in den Revieren des Forstamts nur zu rund zehn Prozent aus Eichen. Die Schäden würden vor allem Feldflurbereichen auftreten, die in der Nähe der Eichenbestände liegen.

So wie auf dem Flugplatz am Burgberg: Er grenzt im Westen Richtung Ermschwerd an ein Wäldchen mit Kiefern und Eichen. Um weitere Schäden zu verhindern, habe der Jagdpächter einen Hochsitz nahe des Flugplatzes aufgestellt und will nun vermehrt auf die Jagd nach den Wildschweinen gehen, berichtet Moser. Beziffern kann er die Schäden durch die Wildschweine nicht. Er schätzt, dass man mindestens zwei Nachmittage brauchen werde, um mit dem Traktor die Löcher zu beseitigen.

Die von Nordwest nach Südost verlaufende Landebahn ist bislang noch nicht betroffen. Moser vermutet, dass sie für die Wildschweine nicht interessant ist, weil dort unter dem Gras kein reiner Erdboden, sondern auch ein Kalkschottergemisch verbaut ist. Da wühle es sich nicht so leicht.

Hintergrund: Wildschäden bei Kommune melden

Gemäß des Hessischen Jagdgesetzes und des Bundesjagdgesetzes müssen eigentlich die Jagdgenossenschaften für Wildschäden aufkommen. „In den allermeisten Fällen wird diese Verantwortung allerdings auf die Jagdpächter abgewälzt“, sagt Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau. Bei Wildschäden auf Äckern kämen da schnell Schäden von einigen tausend Euro zusammen, so Dumm. Das finanzielle Risiko sei für Inhaber einer Feldjagd also relativ hoch. „Deshalb ist den meisten Jagdpächtern sehr daran gelegen, den Bestand an Wildschweinen klein zu halten.

Wie Pressesprecherin Sylvia Weinert mitteilt, müssen Wildschäden innerhalb von einer Woche bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung gemeldet werden, damit der Schaden nach Absprache zwischen Geschädigtem und Jagdpächter reguliert werden kann.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.