Landestierschutzverband Hessen hat sich eingeschaltet

Tierschutzverein: Nach Streit gründeten Abtrünnige neuen Verein

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Wer hilft Tieren in Not? In Witzenhausen und Umgebung gibt es mittlerweile zwei Vereine, die sich um hilfsbedürftige Vierbeiner kümmern wollen.

Witzenhausen. Gleich zwei Vereine, die sich dem Tierschutz widmen, sind mittlerweile in und um Witzenhausen tätig -  die Folge eines monatelangen Streits in der Vorstandsriege des alteingesessenen Tierschutzvereins Witzenhausen.

Einige Mitglieder kehrten dem Verein den Rücken und gründeten stattdessen den Tierschutzverein Werratal. Im vergangenen Jahr hatten sich im Tierschutzverein zwei Lager gebildet. Man war sich unter anderem uneinig über Organisation und Kassenführung, beide Seiten erhoben Vorwürfe wegen Mobbings und übler Nachrede. Der Streit wurde über E-Mails und auch - öffentlich nachlesbar - im sozialen Netzwerk Facebook ausgetragen. Bei der Jahreshauptversammlung im Mai wurde ein neuer Vorstand gewählt, zudem war erstmals der Beschluss gefallen, zwei frühere Vorsitzende wegen „vereinsschädigenden Verhaltens“ aus dem Verein ausschließen zu wollen. Wegen eines Formfehlers bei der Einladung zur Versammlung im Mai musste die Sitzung nun wiederholt werden. Das Ergebnis blieb das gleiche.

Mittlerweile befasst sich auch der Landestierschutzverband Hessen mit der Problematik: Geschäftsstellenleiter Ralf Kurtze berät die Beteiligten in puncto Vereinsrecht und leitete die jüngste Jahreshauptversammlung, um die Emotionen zu zügeln. „Ich vertrete dabei aber die Interessen des Vereins und ergreife keine Partei für einzelne Personen“, sagt er. „Der Tierschutz steht im Vordergrund.“

Für die Zukunft empfiehlt Kurtze, dass ein unabhängiges, auf die Tierschutzvereine spezialisiertes Steuerbüro die umstrittene Kasse prüft. Zudem müsse wegen verschiedener Mängel in der alten Satzung von 1967 eine neue, aktuelle Version aufgesetzt werden.

Das sagen die Vereine

Tierschutzverein Witzenhausen und Umgebung

„Wir hoffen, dass nun Ruhe einkehrt“, sagen die neue Vorsitzende Birgitt Kramer und ihre Stellvertreterin Susanne Klemens. Das Team des Vereins soll nun neu aufgestellt werden, künftig sollen größere Entscheidungen nur noch gemeinsam getroffen werden können. Zudem sollen bis März 2016 eine neue Satzung und eine Geschäftsordnung mit Hilfe des Deutschen Tierschutzbundes erarbeitet werden. Ein neues Logo und - nach einem Streit um die Administratorenrechte - auch eine neue Internetseite sollen den Neustart verdeutlichen.

Der Vorstand wird nun vervollständigt durch Kassenwartin Brigitte Schröter, Schriftführerin Elisabeth Schubert und die Beiräte Andreas Peterzelka, Conny Werner-Siemon und Holger Siemon.

Zum Streit sagen Kramer und Klemens: „Zwei frühere Vorsitzende sollen wegen vereinsschädigenden Verhaltens ausgeschlossen werden.“ Genaue Vorwürfe definiert Kramer in ihrem entsprechenden Schreiben an die Betroffenen nicht, da die Gründe in den Versammlungen im Beisein aller Beteiligten erörtert worden sind. Der neue Vorstand sei froh, dass Ralf Kurtze vom Landestierschutzverband für mehr Sachlichkeit gesorgt habe. Vom Tierschutzverein Werratal distanziere man sich. Wichtigstes Anliegen sei, sich wieder vollständig um Tiere in Not zu kümmern.

Tierschutzverein (TSV)Werratal

„Die Sache ist für mich abgehakt“, sagt eine frühere Vorsitzende, die namentlich nicht genannt werden will. Sie habe per E-Mail vergeblich nach den Gründen des Ausschlusses gefragt, will die Sache aber nun auf sich beruhen lassen. Mit Regina Gandsberg und 23 weiteren Personen hat sie im April den Tierschutzverein Werratal gegründet - für ihn möchte sie sich nun einsetzen. Bei seiner Arbeit soll der neue Verein dem Tierschutzverein Witzenhausen nicht „ins Gehege kommen“. Man wolle vor allem beim Helfen helfen. Das heißt: Der Verein will Privatpersonen, die sich auf eigene Kosten um Tierschutzfälle kümmern, mit Hilfe eines Sponsors mit Futterspenden, Ausrüstung und Zuschüssen zu Tierarztrechnungen unterstützen.

Regina Gandsberg hat ebenfalls schriftlich auf das Schreiben zum Vereinsausschluss geantwortet. Sie sei weiterhin bereit zu einem klärenden Gespräch mit einem Mediator und wünscht sich, dass die Streitpunkte im Tierschutzverein Witzenhausen von einer neutralen Stelle objektiv aufgearbeitet werden. „Das sind wir den Sponsoren und Spendern, vor allem aber den Tieren schuldig“, sagt Gandsberg. Nachdem sie über ihre Anwältin Unterlassungserklärungen gegen acht Vorstand- und Vereinsmitglieder versandt hatte, die alle zurückgewiesen wurden, behält sie sich nun den Weg der Klage wegen Rufschädigung vor. 

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