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Gertenbach: Todesfahrer soll in Psychiatrie

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Von: Nicole Demmer

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Ein Polizist untersucht hinter einem schwarzen VW Polo vor einer Kita im Ortsteil Gertenbach den Unfallhergang. Ein Autofahrer geriet aus bislang unbekannter Ursache mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe von Kindern.
Ein Polizist untersucht hinter einem schwarzen VW Polo vor einer Kita im Ortsteil Gertenbach den Unfallhergang. © Swen Pförtner/dpa

Gegen den 31-Jährigen, der in Verdacht steht, mutwillig im Oktober vergangenen Jahres in eine Mädchengruppe in Gertenbach gefahren zu sein, hat die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in der Psychiatrie beantragt.

Gertenbach – Für den 31-Jährigen, der im Verdacht steht, am 29. Oktober vergangenen Jahres drei Mädchen im Witzenhäuser Ortsteil Gertenbach angefahren zu haben – eines der Mädchen starb – hat die Staatsanwaltschaft Kassel im Juli ein Sicherungsverfahren beantragt. Das heißt: Das Gericht soll anordnen, dass der Mann in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird.

Wie Andreas Thoene, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, geschah dies nach Abschluss der Ermittlungen. Zuständig für das Verfahren sei „unter dem rechtlichen Gesichtspunkt des Jugendschutzgerichts“ die Jugendkammer. Gegenstand der Antragsschrift seien vier Tatvorwürfe, die dem 31-Jährigen zur Last gelegt werden:

- Mord in Heimtücke und mit gemeingefährlichen Mitteln

- Versuchter Mord mit gemeingefährlichen Mitteln

- Gefährliche Körperverletzung

- Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Der 31-Jährige soll laut Thoene gegen 8 Uhr mit seinem Auto eine Straße befahren haben, als ihm eine Gruppe von sieben Kindern auf dem Bürgersteig entgegenkam. Nachdem die ersten vier Kinder an ihm vorbeigegangen waren, soll er sein Auto absichtlich in die Gruppe von zwei achtjährigen und einem siebenjährigen Mädchen gelenkt haben. Dabei soll er von der Absicht getragen worden sein, so die Staatsanwaltschaft, die Kinder zu töten.

Alle drei Mädchen wurden beim Zusammenstoß schwer verletzt, eine Achtjährige starb am gleichen Tag aufgrund der Schwere der Verletzungen. Der Beschuldigte wurde laut Thoene psychiatrisch begutachtet. Das Ergebnis: Aufgrund einer psychischen Erkrankung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Mann zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig war. Zudem halte es die Staatsanwaltschaft für wahrscheinlich, dass der Mann weiter für die Allgemeinheit gefährlich ist. Daher wurde beantragt, das Sicherungsverfahren durchzuführen. Nach Überprüfung und Zustimmung der Jugendkammer soll angeordnet werden, dass der Mann in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird.

Bereits jetzt befinde sich der mutmaßliche Täter vorläufig in einer forensischen Psychiatrie, berichtet Thoene. Der Mann wurde am Tattag festgenommen. Termine für die Durchführung des Sicherungsverfahrens stehen noch nicht fest. (nde)

Gefährlich für die Allgemeinheit

Paragraf 63 des Strafgesetzbuches, auf den sich die Staatsanwaltschaft bezieht, besagt, dass ein Täter durch das Gericht in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden kann, wenn eine Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldunfähigkeit verübt wurde. Es muss zu erwarten sein, dass der Täter für die Allgemeinheit gefährlich ist, da Opfer durch ihn erheblich geschädigt oder gefährdet werden oder ein schwerer wirtschaftlicher Schaden droht. (nde)

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