Transition-Haus bleibt bestehen

Initiative „ZundA“ übernimmt Gebäude an Brückenstraße in Witzenhausen

Haben das Transition-Haus an der Brückenstraße aufgebaut: Hans Spinn (von links), Gualter Barbas Baptista, Lukas Seiler und Silvia Hable.
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Haben das Transition-Haus an der Brückenstraße aufgebaut: Hans Spinn (von links), Gualter Barbas Baptista, Lukas Seiler und Silvia Hable.

Der Verein Transition Town Witzenhausen will sein Gebäude an der Brückenstraße an die Initiative „ZundA“ übergeben.

Witzenhausen - Ein soziokulturelles Zentrum hat der Verein Transition Town Witzenhausen 2013 an der Brückenstraße 20 eröffnet. Jahrelang unterstützte er dort unter anderem Geflüchtete, psychisch Beeinträchtigte und junge Eltern. Jetzt will der Verein das Haus an die Initiative „ZundA“ übergeben.

„Seit Beginn der Corona-Pandemie können wir unsere Räume nicht mehr Initiativen und Projekten gegen Entgelt zur Verfügung stellen“, sagt Vorstand Lukas Seiler. Damit ist dem Verein ein großer Teil seiner Einnahmen weggebrochen. Unterstützung von Stadt, Land oder Bund erhält er keine. So braucht die Gruppe ihre Rücklagen auf, um die monatlichen Kosten von 700 Euro zu decken. „Das Geld reicht noch für ein halbes Jahr“, meint Seiler.

An ein solches Ende war 2011 nicht zu denken, als der Verein entstand. Inspiriert von der Transition-Bewegung, die Umweltaktivist Rob Hopkins und Studierende des Kinsale Colleges 2006 in Irland initiiert hatten, wollten sich die Gründungsmitglieder vor Ort für nachhaltiges und solidarisches Wirtschaften einsetzen. Vorstand Hans Spinn stellte den Kontakt zur Eigentümerin des Gebäudes an der Brückenstraße her. Sie vermietete dem Verein für wenig Geld das Haus, in dem seit den 60er Jahren nicht mehr größer investiert worden ist.

„Wir haben dort das Mehrgenerationenhaus verwirklicht, über das die Stadt seit 20 Jahren redet“, erklärt Mitglied Silvia Hable. Geflüchtete konnten im Sprachcafé ihr Deutsch verbessern und ein paar Räume weiter eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen. Es gab Kinderbetreuung. Obdachlose kamen zum Teil für Wochen im Transition Haus unter.

„Unser Verein leistete Wirtschaftsförderung“, berichtet Hable. Es entstand ein Co-Working-Space mit W-Lan. Im Nachbarhaus, das der gleichen Vermieterin gehört, eröffnete die Gruppe einen Umsonstladen. Initiativen und Projekte bereiteten Firmengründungen vor. Der Verein, der die Stadt „essbarer“ machen will, legte zudem den Schaugarten beim Nordbahnhof und den Mehrgenerationengarten bei der Arbeiterwohlfahrt an.

Überregional bringen sich die Witzenhäuser im 2014 gegründeten Verein Transition Netzwerk ein, der jahrelang seinen Sitz in Witzenhausen hatte. Aktivisten aus ganz Deutschland und dem Ausland kamen für Treffen und Kongresse in die Kirschenstadt. Andere Kommunen ließen sich von Witzenhausen zur Eröffnung eigener Transition-Häuser inspirieren.

„Doch schon in den ersten Jahren machte sich Ernüchterung breit“, bekennt Mitglied Hable. 30 bis 40 Aktive hatte der Verein für die Mitarbeit gewinnen wollen. In den besten Zeiten waren es gut 20 Personen. So blieb ein großer Teil der Arbeit im und am Haus – Putzen und Renovieren – an einigen wenigen Leuten hängen. „Die Zeit fehlte uns dann für die inhaltliche Arbeit“, bedauert Mitglied Gualter Barbas Baptista. Seit 2016 bemühten sich die Aktiven daher, für das Haus neue Verantwortliche zu finden.

Mit der Initiative „ZundA“ wurde der Verein nun fündig. „ZundA“ will das Transition Haus sowie das Nachbargebäude mit dem Umsonstladen als soziokulturelles Zentrum weiterführen. Zudem soll günstiger Wohnraum entstehen.

(Michael Caspar)

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