Hilfe für Angehörige im Diakonischen Werk

Wie Trauergruppen Hinterbliebenen helfen können

Witzenhausen. Trauergruppen stehen bei, wenn man den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten muss. Ein Ortsbesuch beim Diakonischen Werk in Witzenhausen zwischen Schmerz und Hoffnung.

„Dann hat die Klinik angerufen. Ihr Mann weilt nicht mehr unter den Lebenden, haben sie gesagt... diesen Satz werde ich nie vergessen.“ Martina Achenbach* knetet ihre Hände im Schoß. Sechs Jahre ist es her, dass sie ihren Ehepartner verlor, vollkommen unerwartet. „Das zog mir den Boden unter den Füßen weg.“

Hilfe fand sie bei Karin Weinsberg. Die Sozialarbeiterin des Diakonischen Werks leitet Gesprächskreise für Trauernde in Witzenhausen und Hessisch Lichtenau und bietet einen Raum für Gefühle, für die im Alltag kein Platz ist.

„Freunde ziehen sich zurück, wenn du trauerst. Während ich immer das Gleiche erzählt habe, ging für sie der Alltag weiter“, berichtet Achenbach von ihren Erfahrungen. Zwei andere Damen im Raum nicken. Sie haben ebenfalls ihre Männer verloren und treffen sich seit drei Monaten im Gesprächskreis. Unter sich erzählen sie einander, wie es ihnen geht, sie reden von schönen Erinnerungen, aber auch davon, wenn die Traurigkeit wieder überhand nimmt.

Reden, so viel man will

Eine Kerze wirft Licht auf den Blumenstrauß am Tisch. Ein orangener Stein mit Engelszeichnung wandert von Hand zu Hand. Wer ihn hält, darf reden, so lange er will. Es ist das einzige regelmäßige Ritual der Runde. „Was wir machen, hängt immer von der Gruppe ab“, sagt Weinsberg. Feste Abläufe gebe es nicht, dafür sei Trauer viel zu individuell. „Trauer kommt meist in Wellen, aber wie genau, das ist bei jedem anders“, so Weinsberg. Eines hat sie jedoch festgestellt: „Wenn heute der Mann stirbt, muss man das erst einmal begreifen. Am nächsten Tag eine Trauergruppe zu besuchen, das funktioniert nicht.“

Ein Vierteljahr, rät sie, sollten Trauernde warten, bevor sie sich einer Gruppe anschließen. „Die meisten kommen, wenn der Todestag ein halbes bis ein Jahr zurückliegt.“

Gegen die Einsamkeit

Anderen Trauernden zuzuhören, während man selbst gerade jemanden verloren hat, macht den Damen dieser Runde nichts aus. „Es ist zwar traurig, aber ich gehe gestärkt aus den Treffen nach Hause“, sagt eine Frau mit langen braunen Haaren. „Man fühlt sich nicht mehr alleine.“

„Die Gruppe versteht, was man durchmacht“, ergänzt eine Seniorin in hellblauer Strickjacke. Anders als bei Bekannten habe sie im Gesprächskreis keine Hemmungen, über ihre Gefühle zu reden - auch, weil die Schweigepflicht zu jeder Runde gehöre.

Martina Achenbach kann die Gedanken der beiden nachvollziehen. „Es ist ermutigend, Gleichgesinnte zu treffen. Das hilft mir und ich kann ihnen gleichzeitig helfen, indem ich zuhöre.“ Sie hat den Gesprächskreis mittlerweile hinter sich gelassen, Kontakt zu den Leuten besteht aber immer noch: „Einige Freundschaften halten die Trauer nicht aus“, sagt sie, „gleichzeitig sind aus Mittrauernden aber auch enge Freunde geworden.“

* Name von der Redaktion geändert

Hintergrund: Trauergruppen im Werra-Meißner-Kreis

Die Kirchliche Allgemeine Sozial- und Lebensberatung der Diakonie und die örtlichen Hospizgruppen bieten in Hessisch Lichtenau und Witzenhausen Gesprächskreise für Trauernde. Zudem gibt es in Hessisch Lichtenau am letzten Sonntag im Monat ein Trauercafé, organisiert von der Diakonie und dem Ambulanten Hospizdienst.

Kontakt: Karin Weinsberg, Mitarbeiterin der Kirchlichen Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung der Diakonie in Witzenhausen ist erreichbar unter Tel. 0 55 42 / 91 11 70 oder per E-Mail unter asl-wiz@deswi.de.

Hilfe bieten auch die örtlichen Hospizdienste. Eine Übersicht der Ansprechpartner bietet das Palliativnetz Werra-Meißner im Internet unterwww.hpnwm.de oder unter Tel. 0 56 51 /99 23 951.

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