Im Werra-Meißner-Kreis

Trotz Papst-Aufruf: Kirchenunterkünfte für Flüchtlinge sind rar

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Würden gerne helfen: Viele Kirchengemeinden im Werra-Meißner-Kreis würde gerne dem Aufruf des Papstes folgen und Flüchtlinge aufnehmen. Doch die Vorgaben für die Unterbringung verhindern das offenbar oft. Unser Symbolbild zeigt einen afrikanischen Flüchtling, in einer Kirche in Hamburg Unterschlupf gefunden hat.

Werra-Meißner. Nur wenige der Kirchengemeinden im Werra-Meißner-Kreis besitzen geeigneten Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Obwohl die Kirchengemeinden im Werra-Meißner-Kreis den Aufruf von Papst Franziskus, christliche Gemeinschaften mögen Unterkünfte für Flüchtlinge anbieten, unterstützen, besitzen nur die wenigsten dafür geeigneten Wohnraum.

Das Hauptproblem, so auch im Fall der Kirchengemeinde St. Elisabeth in Waldkappel, sind die Mindestkriterien, die für Flüchtlingsunterkünfte gelten. „Unser Pfarrhaus steht leer, aber wir können dennoch nicht so ohne weiteres Flüchtlinge aufnehmen“, sagt Pfarrer István Kovács. Unter anderem die Brandschutzrichtlinien erschweren es der Gemeinde, den freien Platz anzubieten. Weiterhin fehle das Geld, das Pfarrhaus für die Flüchtlinge instand zu setzen: „Es gibt nur einen Eingang, der die Kirche mit dem Pfarrhaus verbindet. Zwar haben wir hier eine Kochstelle und ein Badezimmer, aber diese Räume sind stark renovierungsbedürftig“, erklärt Kovács. Der Pfarrer möchte das Thema nochmals mit seiner Gemeinde besprechen und bei Einigung finanzielle Mittel beim Bistum in Fulda für die Renovierung der betreffenden Räume beantragen.

Vor ein ähnliches Problem gestellt sieht sich auch Dr. Martin Arnold, Dekan des Kirchenkreises Eschwege. Er begrüßt den Aufruf des Papstes, der sich an alle religiösen Gemeinschaften richtet: „Ich finden den Aufruf richtig und wichtig, um ein Zeichen zu setzen“, sagt Arnold. Derzeit prüfe der Kirchenkreis alle Immobilien auf eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen. „Doch viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz und erfüllen die strengen gesetzlichen Anforderungen an eine solche Unterkunft nicht“, sagt Arnold. Etwas konkreter sehe da schon die Planung für eine Etage im Gemeindehaus der Eschweger Marktkirche aus, in denen Arnold gerne Flüchtlinge unterbringen möchte. Doch auch persönlich will Arnold ein Zeichen setzen: „Wenn nötig, würde ich auch bei mir zu Hause Platz für eine Flüchtlingsfamilie schaffen.“

Noch laufe es schleppend, aber Pfarrer Gernhard Hahn von der Evangelischen Kirchengemeinde Witzenhausen  ist überzeugt davon, dass Gläubige bald vermehrt Flüchtlinge bei sich im Privathaushalt aufnehmen werden. „Bei uns im Pfarrhaus wohnen bereits zwei Flüchtlinge aus dem Iran, die sich wunderbar integriert haben“, sagt Hahn. Das Aufnehmen fremder Menschen bei sich zuhause sei zwar ein Risiko, aber er betone immer wieder gegenüber seinen Mitmenschen, wie wichtig diese Form der Nächstenliebe angesichts der aktuellen Ereignisse sei.

„Das Klima ändert sich und es ist schwierig, feste Unterkünfte für die Flüchtlinge finden, die noch immer in Containern oder Zelten leben“, so Hahn. „Ehrenamtliche Gemeindemitglieder helfen bereits bei der Versorgung mit Lebensmitteln oder beim Sprachunterricht.“ Was zum gemeinsamen wohnen nötig sei, wäre nur etwas Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen.

Das Kloster Marienheide bei Waldkappel-Wollstein prüft Möglichkeiten, Flüchtlinge aufzunehmen: „Wir begrüßen den Aufruf von Papst Franziskus, denn auch uns ist es eine Herzensangelegenheit, unseren Brüdern und Schwestern, auch wenn nicht im Glauben, zu helfen“, betont Schwester Marie-Ange.

Am Kloster befinde sich ein Gästehaus, das durchaus auch für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden könnte. „Wir haben aber bereits Reservierungen und Gäste, die zum Teil für mehrere Monate untergebracht sind“, schildert die Klosterschwester das Problem. Man wolle sich mit dem Bistum in Fulda in Verbindung setzen und die Möglichkeiten prüfen. Dann könne sie auch sagen, wie viele Flüchtlinge im Klostergut Marienheide Platz fänden, sagt Schwester Marie-Ange.

Der Kolpingsfamilie Hessisch Lichtenau  fehlen dagegen geeignete Unterkünfte: „Die Idee ist prinzipiell sehr gut, aber die KF Hessisch Lichtenau selbst hat da leider wenig Möglichkeiten, sie umzusetzen“, sagt Vorstandsmitglied Manfred Kaib. Die Kolpingsfamilie leiste bereits Hilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge, indem sie zum Beispiel Spendengeld für unter anderem die Arche sammeln. Doch geeignete Gebäude stünden dem Verein nicht zur Verfügung und auch die Unterbringung bei Privatpersonen gestalte sich schwierig. „Wir haben momentan nur etwa 30 Mitglieder, viele darunter sind passive. Unser Altersdurchschnitt ist 70. Aber sobald wir eine Lösung finden oder von Mitgliedern hören, die eine Unterkunft anbieten, werden wir uns mit den Pfarrgemeinden in Verbindung setzen“, sagt Kaib weiter.

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