Findling zurück im Nest

Uhu-Rettung ohne Happy End?

Junge Uhus in einem Nest bei Witzenhausen
+
Wieder vereint: Für ein paar Tage war die Witzenhäuser Uhu-Familie wieder vereint. Doch erneut fehlt ein Jungvogel, der von einem Tierarzt eingeschläfert werden musste. Ob es sich dabei um den jungen Uhu handelt, der in Hofgeismar aufgepäppelt worden war, steht nicht fest.

Happy End – oder vielleicht doch nicht? Diese Frage beschäftigt derzeit Wolfgang Maronde, der vor kurzem einen jungen Uhu in Witzenhausen zurück in die Natur brachte.

Der Jungvogel kam aus der Pflegestelle von Roswitha König in Hofgeismar. Dort wurde er einige Tage aufgepäppelt.

Doch der Reihe nach: Vor etwa drei Wochen gab die Polizei die zwei Monate alte Eule bei der Hofgeismarer Tierschützerin ab. Sie betreibt ehrenamtlich eine Pflegestation für Vögel. „Nur größere Tiere wie den Uhu bringe ich zur Greifvogelstation nach Marsberg“, sagt König. Dort sollte auch der Findling landen, der völlig durchnässt und flugunfähig am Straßenrand bei Witzenhausen gefunden worden war.

Uhu-Rettung: Von dem Findling gelesen

Doch der Witzenhäuser Ortsbeauftragte für Vogelschutz Maronde war schneller: „In der HNA las ich von dem Findling. Und da war mir sofort klar, um wen es sich dabei handeln könnte“, sagte der 60-Jährige. Er beobachtet sechs Uhu-Brutplätze im Werra-Meißner-Kreis. Deswegen war ihm aufgefallen, dass einer von drei Jungvögeln in einem Nest bei Witzenhausen fehlte. „Vom Alter her kam es genau hin, deshalb war die Wahrscheinlichkeit groß.“

Der junge Uhu, der bei Witzenhausen geschwächt auf der B 27 gefunden wurde, erholt sich bei Vogelschützerin Roswitha König.

Als Maronde ihn zurück in die Freiheit lassen wollte, klapperte der Kleine einige Male angstvoll-drohend mit dem Schnabel und flog dann zielstrebig in sein Nest. Als wenn nichts gewesen wäre, wurde er von seiner Familie wieder aufgenommen, berichtete der Witzenhäuser. „In diesem Alter lernen sie von den Eltern das Jagen, denn Uhus fressen nur lebende Tiere.

Wenn er noch einige Zeit auf die Greifvogelstation gewesen wäre, wäre das Auswildern nicht so einfach gewesen“, sagte Maronde. Auch Roswitha König freut sich, dass der Uhu zu seinen Geschwistern und Eltern zurückkehrte: „Bei mir hat er sich ausgeruht und gut gegessen. Dann ging es ab in die Freiheit, so wie es sein soll.“

Uhu-Rettung: Viele Jungvögel sterben früh

Dass die junge Eule tatsächlich wieder integriert wurde, davon überzeugte sich Maronde mehrere Tage lang. Er sah die Vögel mal zusammen, dann auch wieder einzeln. „In dem Alter können Uhus nicht nur fliegen, sondern sind auch zu Fuß recht flink unterwegs, weshalb sie sich auch vom Brutplatz entfernen“, erklärt der Experte.

Wolfgang Maronde, Ortsbeaufragter für Vogelschutz in Witzenhausen

Kurz darauf hatte Maronde allerdings ein trauriges Erlebnis: „Ich bekam einen Anruf, dass ein kleiner Uhu im Garten sitzt und nicht von der Stelle kommt“, berichtet er. Der Vogel war in einem sehr schlechten Zustand und zeigte keine Fluchtreaktion. Am nächsten Morgen brachte Maronde ihn zum Tierarzt. Der musste den Vogel einschläfern. „Ob es der von Frau König war oder ein anderer aus dem Horst, wissen wir nicht, weil ich den Findling nicht markiert hatte“, sagt Maronde.

Nur wenige Jungvögel überlebten das erste Jahr. Strommasten und vergiftete Kleintiere zählten zu den häufigsten Todesursachen, ergänzt der Vogelschutzbeauftragte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.