Witzenhäuser Konferenz

Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker: „Die Welt steht in Flammen“

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Engagierter Klimaschützer: Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker forderte in seinem Eröffnungsvortrag ein Umdenken in vielen Bereichen.

Wollen wir den Krieg gegen den Klimawandel gewinnen, muss eine Agrarwende in Richtung Umweltschutz und mehr biologischer Vielfalt her. So lautet das Fazit des Vortrages „Landwirtschaft ist das neue Klimathema“. 

Der renommierte Umweltwissenschaftler Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker  eröffnete mit diesem Vortrag am Dienstag die 27. Witzenhäuser Konferenz der Universität Kassel. 

Der Andrang war so gewaltig, dass nicht einmal der große Hörsaal an der Nordbahnhofstraße Platz genug bot für die teilweise von weither angereisten Zuhörer, so dass einige den Vortrag von der Aula aus auf einer Videoleinwand verfolgen mussten. „Eigentlich kann ich zu meinem Vortragsthema gar nicht so viel sagen, da ich von Landwirtschaft keine Ahnung habe“, scherzte von Weizsäcker. „Allerdings betrachte ich mit Freude, dass Böden beinahe genauso wunderbare CO2-Fänger sind wie Wälder“, schob der 80-Jährige sofort hinterher. Ein perfekter Einstieg für einen Rundumschlag zum Thema Klimaschutz.

„Damit Böden CO2 aufnehmen können, müssen sie natürlich gesund sein“, betonte der Biologe, der von 1975 bis 1980 als Präsident die Universität Kassel geleitet und dort den damaligen Fachbereich Landwirtschaft in Witzenhausen bei der Einrichtung der weltweit ersten Professur für Alternative Landbaumethoden unterstützt hatte. Das sei in Deutschland aber keineswegs überall der Fall. Probleme seien beispielsweise die überhöhte Einbringung von Ammoniak, ein gravierender Humusmangel oder ein hoher Grad an Bodenversiegelung. Dagegen gelte es sofort Maßnahmen zu ergreifen, etwa durch den Aufbau von Humus mit Gründüngung oder den Bodenaufbau mit Pflanzenkohle.

„Die Situation ist nämlich die, dass die globale Erwärmung gnadenlos zunimmt“, warnte von Weizsäcker. Nachdem 2018 bereits ein „weltweites Katastrophenjahr“ mit vertrockneten Ernten, riesigen Flächenbränden und einem massiven Borkenkäferbefall gewesen sei, gehe es in diesem Jahr mit der lang anhaltenden Wassernot in Indien, der Dürre und den Bränden in Australien und diversen Unwetterkatastrophen genauso weiter. „Wenn die Erde in Flammen steht, darf man nicht einfach so weitermachen“, zitierte der 80-Jährige UN-Generalsekretär Antonio Guterres. „Und die Welt steht in Flammen“, betonte von Weizsäcker.

Die Lufterwärmung sei dabei ein vergleichsweise harmloses Problem. „Viel schlimmer ist die Wassererwärmung, wodurch ein extremer Anstieg der Meeresspiegel droht.“

Mehr als eine Milliarde Menschen würden direkt am Meer leben, mehr als 800 Millionen alleine in Asien. „Wenn alle auf einmal zu Flüchtlingen werden, haben wir ein Flüchtlingsproblem, das 100 Mal größer ist als das von 2015“, so von Weizsäcker. Deshalb fordere er schon seit Jahren ein Umdenken in Sachen Klimaschutz – und das nicht nur in Europa. „Im Gegensatz zum überwiegenden Rest der Welt wird hier schon einiges für den Klimaschutz getan und wir sollten aufhören, ständig unser Europa zu geißeln“, forderte von Weizsäcker. „Entscheidend ist, dass wir die Entwicklungsländer mit ins Boot kriegen.“

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