Studie zu Verkehr wirft Fragen auf

Unterrieden gegen Lkw-Verkehr: „Muss erst ein Kind sterben?“

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Vorsichtshalber dabei: Nadine Heinemann-Edelhoff (hinten, von links), Natalie Metzler und Vera Groß passen auf, während die Kinder den Schulbus stürmen.

Ob denn erst ein Kind sterben müsse, ereiferte sich Iron Feldmann und brachte damit in der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Unterrieden die Ängste der besorgten Bürger auf den Punkt.

 „Das ist eine Gefährdung für Leib und Gut.“ Iron Feldmann und die anderen Dorfbewohner wehren sich nicht erst seit gestern gegen den Schwerlastverkehr mitten durch den Witzenhäuser Stadtteil.

Feldmann (46) lebt mit Partnerin und vier Kindern direkt an der Ortsdurchfahrt, der Ludwigsteinstraße, und ohne Bürgersteig vor seinem Grundstück. Diese Engstelle sei in der Tat „sehr heikel“, finden auch Nadine Heinemann-Edelhoff, Natalie Metzler und Vera Groß. 

Die Mütter bringen regelmäßig ihre Kinder morgens zur Bushaltestelle und warten, bis diese sicher im Schulbus sind. Groß macht sogar jedes Mal einen Umweg über den Lindenplatz, weil dieser Engpass „viel zu gefährlich“ sei. 

Völlig sinnloses Gerase 

Ganz besonders, ergänzen die beiden anderen, wenn Lkw-Fahrer nach der unübersichtlichen Kurve „richtig Gas geben“ vor der nur wenige Meter entfernten Bushaltestelle. In der Sitzung machten auch andere unter den knapp 20 Zuhörern ihrem Ärger Luft: Viele der bis zu 40 Tonnen schweren Lkw rauschten „völlig sinnlos“ durchs Dorf.

Zuvor hatte der Chef des Ordnungsamtes Witzenhausen, Werner Kreßner, die Zahlen der Verkehrsdatenauswertung präsentiert, die im März diesen Jahres Hessen Mobil bei einer Langzeitmessung über zwei Wochen ermittelt hatte. Nach einhelliger Auffassung, die auch Kreßner teilte, waren diese Zahlen jedoch überhaupt nicht aussagekräftig. Zwar hatte die Behörde die Lkw erfasst, die tagsüber von der B80 Richtung Süden und von der B27 in Richtung Norden die Ortsdurchfahrt benutzten. 

Durchschnittswert wird kritisiert 

Weil sie daraus aber einen Durchschnittswert auf der Basis eines 24-Stunden-Tages ermittelte, kamen dabei nur 0,5 bis 1,5 Lkw pro Stunde heraus – ein in den Augen der Unterrieder lächerlicher Wert, der mit der Realität nichts zu tun habe, weil die Lkw vor allem tagsüber fahren. Kreßner versprach, bei Hessen Mobil erneut nachzuhaken.

„Diese Behörde hat nur ein Ziel im Auge: Der Verkehr muss fließen“, gab es Behördenschelte nicht nur vom Ortsbeirat und den Anwohnern, sondern auch von Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz, der auch die Straßenverkehrsbehörde des Werra-Meißner-Kreises kritisierte. 

Mehrfach habe er dort schon beantragt, die Ludwigsteinstraße nur für den Anlieger-Schwerverkehr freizugeben, mithin die Durchfahrt für Brummis zu versagen. Immer wieder aber habe die Behörde diesen Vorschlag abgelehnt. Ein frustrierter Bürgermeister: „Ich kann ja keine Schlagbäume aufstellen.“

Beschränkung auf Anliegerverkehr wurde gefordert 

Weil die Ludwigsteinstraße je zur Hälfte Kreis- und Gemeindestraße ist, kam aus dem Publikum der Vorschlag, der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde möge für den gemeindlichen Teil nur Anlieger-Verkehr zulassen. Das jedoch, bedauerte Herz, dürfe er nicht, weil für die Beschilderung allein Hessen Mobil zuständig sei.

Vereinbart wurde letztlich ein neuer Vorstoß des Magistrats bei der Straßenverkehrsbehörde, von Unterriedens Bürgern untermauert mit Bildmaterial, das die Gefährdungslage im Ort veranschaulicht.

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