Finanzen waren ihr Ding

Angela Fischer wird als Witzenhausens Bürgermeisterin verabschiedet

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So möchte sie gern in Erinnerung bleiben: Für das Foto ihres Abschiedsportrait hat sich Bürgermeisterin Angela Fischer das Pult im Rathaussaal ausgesucht. Hier hat sie in ihrer zwölfjährigen Amtszeit mit dem Parlament so manchen Strauß ausgefochten.

Witzenhausen. Ein Berg Koffer auf dem nächtlichen Marktplatz, der gemeisterte Kampf gegen die städtischen Schulden und viele Geschichten, die sie in ihrer Amtszeit traf – daran wird sich Angela Fischer gern erinnern. 

Zwölf Jahre war sie das Gesicht der Stadt Witzenhausen, jetzt räumt sie ihren Stuhl für ihren Nachfolger Daniel Herz.

Fünf Monate sind der teilweise mit harten Bandagen geführte Wahlkampf und Herz’ Überraschungssieg her, seither führte Fischer die Geschäfte der Stadt weiter wie eh und je: unaufgeregt, gut vorbereitet, stets offen für Gespräche – auch mit der Gegenseite. „Ein Aktenfresser war ich nie, ich rede lieber direkt mit den Menschen.“ Die klaren Worte blieben: Noch in der jüngsten Stadtverordnetensitzung kritisierte die Rathaus-Chefin einen AfW-Antrag als „unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für meine Mitarbeiter.“ Und doch, sagt Fischer: „Es ist Zeit für die Übergabe.“

Angela Fischer zunächst kritisch beäugt

Zuletzt war ihr Verhältnis zum Parlament gut, ganz anders als zu Beginn ihrer Amtszeit 2006: Die SPD hatte ihre Mehrheit an die Bunte Koalition (CDU, Grüne, FWG) verloren und beäugte Fischer kritisch. Der CDU musste sie klar machen, dass sie sich als Bürgermeisterin nicht zuerst ihrer Partei, sondern der Sache verpflichtet fühlte. Seit dem Aus der Bunten Koalition 2007 fehlte Fischer eine eigene Mehrheit.

Jede Idee musste mühsam verhandelt werden. Viel gelang: Nur sechsmal legte die Bürgermeisterin Widerspruch gegen Parlamentsbeschlüsse ein, zweimal gegen die des Magistrats.

„Bürgermeisterjahre zählen doppelt“, sagt Fischer. Viel ist in den zwölf Jahren passiert, zahllose Sitzungen, Veranstaltungsbesuche, Feiern, Reden und Grußworte. Hinzu kamen Schuldenberge, teure Straßen- und Kanalsanierungen, Verluste bei Zins-Geschäften und die globale Finanzkrise. Für gespannte Nerven sorgten gleich zwei Jahrhundert-Hochwasser (2011, 2013). Zum Entsetzen vieler Witzenhäuser mussten Hallenbad und Bürgerhaus abgerissen werden – die unpopulären Entscheidungen des Parlaments musste Fischer dann vertreten. „Da bezieht man schon mal Schelte.“ Sie zuckt die Achseln: Das gehört dazu.

Angela Fischer konnte Erfolge verbuchen

Doch Fischer hat auch große Erfolge zu verbuchen: Dank des Schutzschirms, der von ihr initiierten, interfraktionellen AG „Haushalt“ und des harten Sparkurses wurde Witzenhausen einen Großteil seiner Schulden los – ohne dass das Angebot der Kitas eingeschränkt und Dorfgemeinschaftshäuser aufgegeben werden mussten. 

Das IKEK-Programm sorgte für mehr Gemeinschaftsgefühl in und zwischen den Dörfern. „Das Miteinander ist mindestens genauso wichtig wie eine gute Haushaltslage“, findet Fischer und freut sich, dass in ihrer Amtszeit der Senioren- und der Jugendrat gegründet wurden.

Besonders stolz ist sie auf die Arbeit des Runden Tisches Gedenken, der am 8. Dezember 2011 nachts um 3.30 Uhr mit 44 Koffern auf dem Marktplatz an die von den Nazis deportierten Witzenhäuser Juden erinnerte. „Keiner, der dabei war, wird das vergessen“, sagt Fischer. Für Erfahrungen wie diese sei sie sehr dankbar.

Feierliche Verabschiedung

Die feierliche Verabschiedung von Angela Fischer als Witzenhäuser Bürgermeisterin findet am Dienstag, 20. März, ab 19 Uhr im Rathaussaal statt. In diesem Rahmen wird auch der neue Bürgermeister Daniel Herz feierlich ins Amt eingeführt und für seine Aufgaben verpflichtet. 

Die außerordentliche Sitzung ist öffentlich. Seinen ersten Arbeitstag im Rathaus hat Herz am Dienstag, 3. April. Der neue Rathaus-Chef wird nicht von seiner Vorgängerin eingearbeitet. „Das ist nicht üblich, wenn nicht beide Personen aus der gleichen Partei kommen“, erklärt Fischer. Sie werde den letzten Stand ihrer Arbeit an Ersten Stadtrat Thomas Kiedos übergeben, er und die Fachbereichsleiter der Verwaltung werden Daniel Herz in der Einarbeitungszeit unterstützen.

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