Zustimmung für Neubau fraglich

Verein setzt sich für Erhalt der Stadtmauer in Witzenhausen ein

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Der Bagger war schon dran: Mit dem Abriss eines alten Trafohäuschens wurden auch Teile der Stadtmauer herausgerissen. Auf diesem Foto ist die Betonabdeckung noch zu erkennen.

Witzenhausen. Die Diskussion um die Erhaltung der historischen Stadtmauer im Bereich des geplanten zweiten Bauabschnitts des Seniorenzentrums an der Wickfeldtstraße geht weiter.

Jetzt meldete sich der Verein Bau- und Wohnkultur zu Wort. Er war bei einem Ortstermin durch seine Vorsitzende Veronika Kühnapfel vertreten, die zugleich Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist.

Dass der Verein den Neubauplänen zustimmt, soweit es die alte Stadtbefestigung betrifft, erscheint nach dem Protokoll des Ortstermins fraglich. Es liegt der Redaktion vor. Im Ergebnis stellt Kühnapfel fest: „Eine Rekonstruktion (der Stadtmauer) steht erst an dritter Stelle vor der Restaurierung und dem Erhalt des Originals. Der Erhalt ist uneingeschränkt und in jedem Fall Denkmalschutz relevant und von daher immer vorzuziehen.“ In dem Protokoll wird auf ein Gutachten des Landesamtes für Denkmalschutz verwiesen, das den Originalzustand aus dem 13. Jahrhundert in den meisten Teilen der Stadtmauer im östlichen Bereich belege.

Unsensibler Umgang mit Stadtmauer und Beton

Bereits vor der Ortsbegehung am 1. Februar - daran nahmen auf Einladung des DRK Behördenvertreter, Architekt und weitere Interessierte teil - sei das Trafohäuschen abgerissen worden. Dies, so heißt es im Protokoll, zeige den früheren, unsensiblen Umgang mit Stadtmauer und Beton.

Die beauftragte Firma will laut Niederschrift nun versuchen, den restlichen Beton sorgsam zu entfernen. Die östliche Außenwand der Stadtmauer müsse dringend abgestützt und gesichert werden. Die Originalsteine, die sich beim Rückbau des Betons auf der Westseite lösen, sollen geborgen und seitlich auf der Baustelle gelagert werden.

Rekonstruktion als Vorschlag

Kühnapfel schlug laut Protokoll vor, die westliche Stadtmauer an den Stellen zu rekonstruieren, wo durch die Bauarbeiten Verluste zu verzeichnen seien. Sie schlug außerdem vor, die Mauer im Original, in der Rekonstruktion und unter Glas dort, wo ein Mauerdurchbruch unabdingbar für einen Durchgang sei, in das Raumprogramm zu integrieren und attraktiv für die Nutzer zu gestalten.

Zum HNA-Artikel vom 3. Februar (Stadtmauer unter Glas) merkt Kühnapfel an, dass beim Ortstermin nicht davon die Rede gewesen sei, eine 25 Meter lange Glasplatte zu verlegen. Die Teilnahme an der Ortsbesichtigung sei der Ortskuratorin erst auf Nachfrage gewährt worden.

Feststellung Kühnapfels: Eine historische Stadtmauer habe allein die Verpflichtung, das kulturelle Erbe zu dokumentieren und für künftige Generationen zu erhalten.

Am Montag wurden allerdings bereits Fakten geschaffen: Die teilweise Abdeckung aus Beton wurde per Bagger abgetragen und per Lastwagen abgefahren zusammen mit Natursteinen, wie von Zeugen beobachtet wurde.

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