Vermittler sollen Artenschutz stärken

In Hessen einmalig: Geo-Naturpark fungiert auch als Landschaftspflegeverband

Artenvielfalt soll geschützt werden: Diese Aufgabe eines Landschaftspflegeverbands übernimmt der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land für den Werra-Meißner-Kreis. Unser Bild zeigt einen Schachbrettfalter auf einem Natternkopf. Die Pflanze wird im Volksmund auch „Blauer Heinrich“ genannt.
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Artenvielfalt soll geschützt werden: Diese Aufgabe eines Landschaftspflegeverbands übernimmt der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land für den Werra-Meißner-Kreis. Unser Bild zeigt einen Schachbrettfalter auf einem Natternkopf. Die Pflanze wird im Volksmund auch „Blauer Heinrich“ genannt.

Wie kann man die große Artenvielfalt im Werra-Meißner-Kreis am besten schützen? Dazu haben Landwirte, Naturschutzverbände und Kommunen oft unterschiedliche Ansichten. Jetzt soll es Abhilfe geben.

Werra-Meißner – Damit künftig bessere Kompromisse gefunden werden können, die für alle tragbar sind, sollen in Hessen Landschaftspflegeverbände (LPV) zwischen den drei Gruppen vermitteln und mit ihnen passende Lösungen für die Situation vor Ort erarbeiten. „Wir wollen nichts von oben verordnen“, sagt Peter Stühlinger (Umweltministerium).

Im Werra-Meißner-Kreis muss kein neuer Verband dafür gegründet werden: Statt dessen hat der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land nach einer Pilotphase diese Aufgabe zum Jahresbeginn übernommen – ein hessenweit einmaliger Schritt, der Doppelstrukturen vermeiden soll. Denn der Geo-Naturpark setzt viele Vorgaben für einen LPV schon seit Jahren um, erklärt Helmuth Herborth von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel: Er erstreckt sich über das gesamte Gebiet des Landkreises, hat gute Kontakte zur Zielgruppe sowie zu Forstämtern und Kreisverwaltung – und da 35 Prozent seiner Fläche bereits geschützt sind, hat das Team viel Erfahrung damit.

Beispiele sind Projekte zum Erhalt der Arnika- und Orchideen-Bestände, des FFH-Gebiets Werra- und Wehretal oder die Renaturierung der Kreismülldeponie. Für neue Schutzmaßnahmen erfasst man derzeit die Bestände der Bechsteinfledermaus und des „Glückswidderchen“, einem seltenen Nachtfalter.

Kommission berät über Projekte

Die Vorgabe, dass Landwirte, Naturschützer und Kommunen zu gleichen Teilen beteiligt sein müssen, wird über eine neue Landschaftspflege-Kommission abgedeckt. Vorsitzende ist Margarethe Reimann (BUND), Stellvertreter Uwe Roth (Kreisbauernverband). Die zwölfköpfige Kommission soll die beabsichtigen Projekte zur Umsetzung der gesetzlichen Naturschutzaufgaben vorab diskutieren und beschließen. Auch eigene Projekte sind möglich, so Geo-Naturpark-Geschäftsführer Marco Lenarduzzi. Um die Öffentlichkeit einzubeziehen, will er die neuen Schutzprojekte in die umweltpädagogische Arbeit des Geo-Naturparks einbinden.

Ansprechpartner in der neuen Abteilung „Naturschutz + Landschaftspflege“ (NLP) beim Geo-Naturpark sind die Biologen Susanne Pfingst und Christian Bringmann sowie Landschaftsplanerin Nadja Robra. Sie informieren über mögliche Landschaftsschutzmaßnahmen, die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie oder helfen beim Beantragen von Fördermitteln. „Hier liegt derzeit viel Geld auf der Straße“, sagt Stühlinger. Aufträge für Landschaftspflege könnten für Landwirte eine lohnende zusätzliche Einnahmequelle sein. (Friederike Steensen)

Kontakt: Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege, Susanne Pfingst, Tel. 0 56 57/644 99 29

Jeder Landkreis in Hessen muss einen Landschaftspflegeverband haben

Die Artenvielfalt geht in Deutschland vor allem in Agrarlandschaften zurück. Um den Landwirten zu helfen, wirtschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig mehr für den Artenschutz zu tun, sollen sie bessere Unterstützung und Beratung erhalten, sagt Peter Stühlinger vom Hessischen Umweltministerium. Deshalb soll es künftig für jeden der 21 hessischen Landkreisen einen Landschaftspflegeverband (LPV) geben.

Im September 2020 ist eine entsprechende Förderrichtlinie Verbände in Kraft getreten. Sie finanziert die Organisation und das Personal, Kosten für Naturschutzprojekte müssen über Bundes-, Landes- oder EU-Programme beantragt werden. Im Regierungsbezirk Kassel haben der Werra-Meißner-Kreis und der Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits einen LPV. In den Landkreisen Kassel, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg sollen sie bis Jahresende gegründet werden. (fst)

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