Grüne Damen in der Klinik Witzenhausen

Sie schenken den Patienten ihre Zeit

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Besuchen Patienten auf der Geriatrie-, Chirurgie- und der Station für Innere Medizin im Witzenhäuser Krankenhaus: von links die Grünen Damen Anneliese Weiser und Bärbel Kroll. 

Witzenhausen. In der Klinik Witzenhausen helfen die Grünen Damen mit Gesprächen und Besorgungen.

Vorsichtig klopft Bärbel Kroll an die Tür, ehe sie sie einen Spalt öffnet. „Kommen Sie doch rein, setzen Sie sich!“, ruft die Frau aus dem Krankenbett. „Habe ich Sie nicht letzte Woche auf dem Marktplatz gesehen?“, fragt die 76-Jährige im grünen Kittel. Die Patientin lacht. Ihre gute Laune erhellt das Zimmer, sodass man fast vergisst, im Krankenhaus zu sein. Nach einer Weile stockt das Gespräch. „Ach wissen Sie, was ich alles erlebt habe...“, seufzt die Patientin.

Kroll hält inne, vorbei sind die Scherze. Die Frau beginnt zu erzählen, zunächst langsam, dann springt sie von Ereignis zu Ereignis. Erst als der Physiotherapeut hereinkommt, stoppt der Redeschwall. Die Frau umarmt ihre Besucherin herzlich. „Vielen Dank, dass Sie da waren. Beten Sie für mich, ja?“

Vertraute Zuhörer

Begegungen wie diese gehören schon lange zu Bärbel Krolls Leben. Seit über 30 Jahren ist die Witzenhäuserin eine „Grüne Dame“ im Krankenhaus der Kirschenstadt. Gemeinsam mit sechs weiteren Kolleginnen und einem Kollegen besucht sie Patienten, macht kleine Besorgungen für sie und verleiht Bücher. Am wichtigsten ist jedoch die Zeit, die sie mitbringt: „Viele ältere Patienten bekommen nur wenig Besuch“, sagt Kroll. Für sie seien die Grünen Damen manchmal die einzigen, mit denen sie länger reden können, die ihnen zuhören oder auch gelegentlich einfach nur die Hand halten.

Was genau die Patienten ihr dabei anvertrauen, darüber verliert Kroll nur gegenüber ihren Kolleginnen ein Wort. „Die Schweigepflicht ist oberstes Gebot für uns“, erklärt Krolls Kollegin Anneliese Weiser, die seit mehr als 20 Jahren dabei ist. „Man darf das Leid aber nicht mit nach Hause nehmen, deswegen ist es ganz wichtig, dass wir miteinander reden können.“

Dankbarkeit motiviert

Manchmal geht eine Begegnung den Damen aber doch nahe: „Wenn jemand zum Beispiel einen Schlaganfall hatte und er sich nicht verständigen kann, das finde ich schwierig“, sagt Kroll. Trotz solcher Momente kann sie sich nicht vorstellen, das Ehrenamt aufzugeben. „Man bekommt so viel Dankbarkeit zurück von den Patienten, das motiviert ungemein.“

Was ihr eher Sorgen macht, ist der Nachwuchs: Den letzten Zuwachs hatten sie vor fünf Jahren, das jüngste Teammitglied ist Anfang 70. „Ausfälle gleichen wir untereinander aus, aber weniger dürfen wir nicht sein, wenn wir regelmäßig da sein wollen“, sagt Kroll.

Sie ermuntert Interessierte, sich mit dem Ehrenamt auseinanderzusetzen. „Es ist natürlich nicht für jeden etwas, sich dem Leid anderer anzunehmen“, sagt sie. „Aber wenn man das kann, ist es eigentlich nicht schwer. Man muss nur zuhören können und bereit sein, sich auf den anderen einzulassen.“ 

Kontakt: Wer sich vorstellen kann, selbst als Grüne Dame oder Herr aktiv zu werden, kann sich an Bärbel Kroll wenden, Tel. 0 55 42 / 25 56.

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