Viel Spaß dank Corona

Berliner Wandertheater machte Stopp in Witzenhausen

Kurzer Halt auf dem Marktplatz in Witzenhausen: Dort setzte das Berliner Wandertheater eine Ballade aus der Dreigroschenoper in Szene.
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Kurzer Halt auf dem Marktplatz in Witzenhausen: Dort setzte das Berliner Wandertheater eine Ballade aus der Dreigroschenoper in Szene.

So paradox es klingt: Aber hätte das Coronavirus die Menschen nicht weltweit heimgesucht, wäre den Witzenhäusern mit hoher Wahrscheinlichkeit viel Spaß entgangen. Für den sorgte am Samstagabend auf der Freilichtbühne am Johannisberg das Agon-Wandertheater aus Berlin.

Witzenhausen - Dahinter verbergen sich sechs Studierende im Alter von 21 bis 32 Jahren. Die meisten von ihnen sind Theater- und Filmwissenschaftler und haben erst vor gut einem halben Jahr die Bretter betreten, die für sie einmal die Welt bedeuten könnten. Und während des Lockdowns kamen sie auf die Idee, als Wanderbühne durch Deutschland zu ziehen und vorzugsweise in der Provinz aufzutreten, um sich unter Verzicht auf Eintrittsgelder zumindest auf der Bühne die ersten Sporen zu verdienen.

In einem Kleinbus tuckern sie durch die Gegend, nächtigen schon mal in Lehmhütten oder unterm Zeltdach. In Witzenhausen sorgte eine Försterfamilie ganz in der Nähe der Freilichtbühne für einen geruhsamen Schlaf.

Eigentlich wollte das Sextett mit Regisseur Daniel Pronin, Alice Hemberger, Lejan Samuelson, Elise Scheibner, Cosmo Panama und Lea Iller seine schauspielerischen Qualitäten auf dem Marktplatz unter Beweis stellen. „Zu viel Verkehr, zu laut“, befand Pronin, sodass es dort bei einer kurzen musikalischen Einlage blieb mit der Ballade „Die Seeräuber-Jenny“ aus Bertolt Brechts Dreigroschenoper.

Darin beschreibt Jenny ihr armseliges Dasein als Dienstmagd eines billigen Hotels und malt sich in ihrer blühenden Fantasie eine Zukunft aus, in der ein Piratenschiff ihretwegen vor der Stadt aufkreuzt, und alle, die sie verachtet haben, auf ihr Geheiß hin von den Seeräubern getötet werden.

Auf der Bühne inszenierte die Truppe vor knapp 50 Zuschauern den Einakter „Der Bär“ des russischen Dramatikers Anton Tschechow. In dem amüsanten Stück geht es um eine verwitwete Gutsbesitzerin, die sich nach schlimmen Erfahrungen mit ihrem treulosen Gatten geschworen hatte, nie wieder ihre Trauerbekleidung abzulegen und jeglichen Avancen eines Mannes zu widerstehen. Tschechow bediente sich dabei aller denkbaren Geschlechter-Klischees. (zcc)

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