Kritik von Naturschützern

Werra-Meißner-Kreis versetzt langjährigen Leiter der Naturschutzbehörde

Naturdenkmal Werra-Meißner-Kreis: Hier Felsen bei Meißner-Wolfterode.
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Im Werra-Meißner-Kreis gibt es viele Naturdenkmäler

Paukenschlag bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Werra-Meißner-Kreises: Dem langjährigen Leiter, Friedrich Haselhuhn, wurde nach 30 Jahren die Führungsposition entzogen.

Werra-Meißner – Seit dem 1. November ist er nun für das Natura-2000-Gebietsmanagement tätig, welches dem Erhalt gefährdeter Pflanzen- und Tierarten und ihrer Lebensräume dient. Die Leitung der UNB hat Gerhard Müller-Lang übernommen, der zudem Fachbereichsleiter Landwirtschaft ist.

Sowohl die unserer Zeitung zur Veröffentlichung zugesandte Kritik von Naturschützern als auch die angefragte Stellungnahme von Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann (Grüne) sowie Landrat Stefan Reuß (SPD) dazu wurden nach einem Gespräch zwischen den Beteiligten zurückgezogen. Es handele sich bei der „Umstrukturierung“ um eine „innerverwaltungsorganisatorische Entscheidung“, durch die dem Kreis keine Nachteile entstünden, sagte Wallmann lediglich. Eine Begründung nannte er nicht. „Das wollen und dürfen wir auch nicht weiter kommentieren.“ Weder Haselhuhn noch die Personalrätin äußerten sich gegenüber unserer Zeitung zum Vorfall.

Die im Raum stehenden Vorwürfe werden jedoch von mehreren Naturschützern und Kommunalpolitikern, die namentlich nicht genannt werden wollen, aufrecht erhalten: Weil er nicht praxisorientiert entschieden, sondern nur nach den Gesetzestexten gehandelt habe, sei Haselhuhn vielen ein Dorn im Auge gewesen. Es sei bekannt gewesen, dass es stets Beschwerden gab. Und: In Sachen Diplomatie und Konsens sei Haselhuhn die falsche Person gewesen, sagt ein Kommunalpolitiker. Mit ihm sei nicht zu reden gewesen. Er habe immer das Maximum angenommen.

Ein Umweltschützer widerspricht: Haselhuhn sei durchaus kompromissbereit gewesen. Auch Naturschützer hätten Auseinandersetzungen mit ihm gehabt, aber immer Lösungen gefunden. Weil er verpflichtet sei, die Einhaltung der Gesetze zu wahren, sei er zwangsläufig unbequem geworden, heißt es von anderer Seite.

Naturschützer befürchten laxere Auslegung von Regeln

Nach der Umstrukturierung der UNB befürchten viele Naturschützer im Landkreis, dass künftig ein Auge zugedrückt werden könnte, falls Landwirte etwa Hecken beseitigen, damit auf den Luftbildern, die für die Berechnung der Subventionen herangezogen werden, Flächen besser erkennbar sind. Insbesondere, da sich die neue Mannschaft vorwiegend aus Mitarbeitern zusammensetzt, die vorher im Landwirtschaftsamt tätig waren, wurden Bedenken laut, dass nicht genug Kompetenz für den Bereich Naturschutz vorhanden sein könnte. Denn zeitgleich mit der Versetzung des ehemaligen Leiters Friedrich Haselhuhn wird auch der Jahresvertrag für seine Mitarbeiterin, die für die Naturdenkmale im Kreis zuständig war, nach sechs Jahren nicht mehr verlängert.

Laut dem hessischen Naturschutzgesetz muss eine Untere Naturschutzbehörde (UNB), die für den Schutz von Natur- und Artenschutz zuständig ist, personell so ausgestattet sein, dass sie ihren Aufgaben auch nachkommen kann, sagt BUND-Landesvorsitzender Jörg Nitsch auf Anfrage. Seit 1980 sei die Aufgabe den Kreisen und kreisfreien Städten zugewiesen. „Leider gibt es keine Vorschriften, wie viel Personal die Behörde mindestens haben muss.“ Die Besetzung liege allein in der Verantwortung der Kreise und kreisfreien Städte.

Im Vergleich zu Naturschutzbehörden anderer Landkreise hat der Werra-Meißner-Kreis auch nach der Umstrukturierung, wodurch laut dem Kreis 0,5 Stellen zusätzlich entstanden sind, wenig Personal (siehe Artikel unten). Umweltdezernent und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann (Grüne) sagt dazu auf Anfrage: „Unser Kreis ist auch deutlich kleiner, das kompensiert das Ganze wieder.“

So grün wie nirgendwo anders: In puncto Naturschutzgebiete (rot schraffiert) und FFH-Gebiete (grün) ist der Werra-Meißner-Kreis im Vergleich zu den Nachbarkreisen ganz weit vorn.

Viel zu schützen, wenig Personal

Der Werra-Meißner-Kreis ist zwar kleiner, die UNB hat mit der A 44, dem Logistikgebiet in Neu-Eichenberg und der Suedlink-Thematik jedoch gleich drei große Themen – und das angesichts der Tatsache, dass die Region in puncto Biodiversität und Artenvielfalt als Hotspot gilt und auch über die meisten FFH-Gebiete verfügt. Aus diesem Grund habe man Haselhuhn in das Natura-2000-Gebietsmanagement versetzt, was auch seiner Qualifikation entspreche, entgegnet Wallmann.

Auf die Frage, ob Gerhard Müller-Lang, der nun neben der Fachbereichsleitung Landwirtschaft auch die Leitung der UNB übernommen hat, es zeitlich schaffe, alle Aufgaben zu bewältigen, antwortete Wallmann: „Wir haben fachbereichsinterne Synergien erschlossen – das lässt sich gut kombinieren.“

„In der UNB des Werra-Meißner-Kreises gibt es die geringste Personaldecke in ganz Hessen“, kritisiert ein Naturschützer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Daran habe sich auch nach der Umstrukturierung nichts geändert. „Haselhuhn hat mehrfach um Verstärkung gebeten.“ Dennoch seien ihm keine Mitarbeiter zur Verfügung gestellt worden, um seinen Job ordentlich zu machen. Illegal seien etwa Flächen und Feldwege zu Äckern umgebrochen worden – etwa im Bereich Hessisch Lichtenau. Trotz anonymer Anzeigen bei Landes- und Bundesregierung sei nichts passiert, so der Naturschützer. (Gudrun Skupio)

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